|
Interview mit Akrea
Hey Sebi, freut mich, dass du mir Rede und Antwort stehen willst. Du erlaubst, bevor wir in die Vollen starten, die Frage nach deinem Wohlbefinden? Servus! Mir geht’s nicht so besonders prickelnd – hab mich wohl ein wenig verkühlt, aber sonst eigentlich ganz gut. Ihr habt vergangenen Freitag eure neue CD „Lügenkabinett“ veröffentlicht. Eine feine Scheibe, wenn ich anmerken darf. Wie fühlt ihr euch nach dieser Geburt? Unsere neue Scheibe bedankt sich für die löbliche Anmerkung. Wir sind alle sehr stolz auf unseren neuen Silberling, da er genau so geworden ist, wie wir es wollten. Vergangenen Samstag hatten wir unser CD-Release-Konzert – DAS war eine freudige, aber wirklich sehr, sehr, sehr schweißgebadete Geburt der neuen Scheibe. Ihr arbeitet nach meinem Empfinden sehr viel mit Metaphern. Ich überlasse es euch eine Erklärung für eure Texte zu geben, oder ob ihr euren Hörern lieber die Möglichkeit zur eigenen Interpretation lassen wollt. Eigentlich dachte ich, dass sich die Texte von selbst erklären, da die ersten Reviews dies bestätigten, doch mittlerweile wurde ich Besserem belehrt. Viele Leute kommen mit den neuen Texten nicht wirklich klar, da es an Helden, Mythen oder Legenden harpert (so wie bei unserem vergangenen Album „Lebenslinie“). Diese fehlende „sagenumwobene Lyrik“ geht vor allem Leuten gegen den Strich, die uns schon immer als Pagan- oder Viking-Metal-Band gesehen haben, was wir aber nicht sind. Wir mussten zu Beginn unserer Karriere zuerst einen gewissen gemeinsamen Nenner innerhalb der Band finden, da jeder eine andere Musikrichtung unterstützt. Es mag sein, dass unsere alten Lieder nicht nur den Anschein erwecken, etwas mit Viking & Pagan zu tun zu haben, sondern auch wirklich hatten, doch lag dies nur daran, dass wir zu dieser Zeit wie wild unseren Vorbildern nachgeeifert haben.
Sollen wir über gebrochene Herzen und Liebesbeziehungen schreiben? Oder sollns etwa Drachen aus Mordor sein? Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, um was die neuen Texte handeln sollen. Letztendlich kam ich zum Entschluss, die gesamte „love / hate / war / romance / dragons / steel / gods of metal and glory...“ Sache wegzulassen und mich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. Es mag sich jetzt etwas blöd anhören, wenn ich sage „Das neue Album handelt von alltäglichen Situationen“, da etwas [alltägliches] nun mal nahezu tagtäglich geschieht, doch viele Leute bekommen die wirklich essenziellen Geschehnisse nicht mit, oder wollen sie gar nicht wahr haben. Beim Song „Meteor“ geht es beispielsweise um einen Bürohengst, der sich schon immer zum Deppen für andere gemacht hat. Seit seiner Kindheit gemobbt und vom Chef „madisiert“ (wie eine Made behandelt geworden), träumt er nachts immer von einem Ritt auf seinem Meteor, der all seine Sorgen mit einem gewaltigen Schlag zertrümmert. Als er dann aufwacht und merkt, dass es nicht nur ein Traum war, findet er gefallen daran mit solch einer „Waffe“ Rache nehmen zu können. [Zusammengefasst behandelt der Text Amokläufe, die sich in den letzten Jahren gehäuft haben] Ich will jetzt auch nicht auf alle Texte eingehen, doch die meist-kritisierten werde ich gerne Erläutern. Im Lied „Guten Tag“ behandle ich die Thematik der Jugendkriminalität, die sich vor allem in Großstädten zeigt. „Damals hieß es Guten Tag – heutzutage Fuck you hard“ - O.K! Das ist wahrlich „Ghetto-Slang“ ABER nötig, um den Sachverhalt besser zu verdeutlichen. Ich selbst und auch der Rest der Band lebt in kleineren Städten, in denen Kriminalität wirklich kein Thema ist, da sie nicht vorkommt. Jedoch muss ich hin und wieder einen kleinen Kulturschock erfahren, wenn ich in die nächste Großstadt fahre und Abends an der U-Bahn-Haltestelle plötzlich von einer Gruppe Idioten angemacht werde. Hier noch 2 sich selbst erklärende Zeilen aus dem Song, welche für Klarheit im Bezug auf „um was geht es da eigentlich“ sorgen sollen: Tag ein Tag aus dasselbe Spiel, kein echtes Ziel vor Augen Streift durch die Stadt, nur so zum Spaß und Leute zu berauben. „Versprochen ist Versprochen“ handelt vom steigenden Verarsche-Faktor im Bereich der Medien (Print, Web, TV etc.). „Bühne Frei“ von Aberglaube und Phänomene, die im Endeffekt nur ein großer Fake sind. Zitat: Wahre dich in Sicherheit Ein Seher nicht die Zukunft zeigt! Man braucht kein Huf, um Glück zu haben. Rösser schon, um sanft zu traben. Und so zieht sich das durch das gesamte Album. Deshalb auch der Titel „Lügenkabinett“ Gaukler, Lügengeschichten uvm. – und alle Treffen sich im Kabinett der Unwahrheit.
Darauf werden wir oft angesprochen. Die Begründung ist ganz einfach: Im Death-Metal versteht man sowieso kein Wort, deshalb war es mir egal in welcher Sprache ich die Songs grunze. Scherz beiseite, hier der wahre Grund: Meine Muttersprache ist nun mal deutsch und deshalb kann ich mich so auch am besten ausdrücken. Ich bin ein großer Fan von Metaphern, die mir auf Englisch viel schwerer Fallen würden, als auf deutsch. Wir haben darüber noch nie wirklich diskutiert (innerhalb der Band), dass ich „englischer“ „singen“ sollte :-D Leider wird das „harte und kantige“ an der deutschen Sprache (dem deutschen Gesang) oftmals stark kritisiert, doch haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, den deutschen Melo-Death salonfähiger zu machen. Dieser Weg führt leider nur durch den Fleischwolf der Kritiker – da muss man durch. Wie sind denn die Reaktionen eurer Hörer auf das neue Album ausgefallen? Hörer, die den Vorgänger „Lebenslinie“ kennen und gehört haben, sind meist etwas kritischer mit dem neuen Album, aber nicht wirklich im negativen Sinne. Es wird die „neue Härte“ unter die Lupe genommen, welche das neue Album aufweist. Ich kann wirklich keine genaue Aussage über die Meinungen der Hörer machen, da das Album erst seit ein paar Tagen auf dem Markt ist, doch hab ich bislang eigentlich nur positives über die 2 Myspace-Songs „Vier Sonnen“ und „Meteor“ gehört, welche schon vor Release des Albums online gestellt wurden. Ich höre mich gerade durch euer vorheriges Album „Lebenslinie“. Ich persönlich finde, dass euer neues Album wesentlich brachialer ausgefallen ist. Ihr habt auf ein Intro verzichtet und hattet in „Lebenslinie“ auch mehr Doom-Passagen enthalten. Auf der anderen Seite habt ihr die Gitarren einen Tick höher gestimmt. Meiner Meinung nach eine gesunde Weiterentwicklung eures Stils. Wie steht ihr dazu? Jepp, wie ich schon erwähnt hatte und Ihr es bemerkt habt: Es ist brachialer geworden. Ich selbst kann mich über unsere neue deutsche Härte nur freuen, da ich gesanglich im Vergleich zu Lebenslinie mein Schreiorgan auf Drop A tunen durfte um der Brutalität der Gitarren gerechter zu werden. Zur gesunden Weiterentwicklung: So etwas hört man gerne, da wir noch ziemlich jung sind und unsere Weiterentwicklung von Album zu Album deutlicher zu erkennen ist. Deshalb wird sich das nächste Album wieder etwas anders anhören als das derzeitige oder letzte. Unseren Stil wollen und werden wir jedoch beibehalten: Melodic Death Metal!
Die Zusammenarbeit mit Drakkar läuft wirklich super! Wir fanden es damals ziemlich geil, dass wir ins Mutterschiff von Drakkar einsteigen durften, jedoch hatten wir auch so unsere Bedenken, dass wir als neue, unbekannte und kleine Band eher in den Schatten der alteingesessenen Drakkarianer rücken müssen. War letztendlich nicht so. Wir halten ständigen Kontakt zu den Oberhäuptern des Labels und fühlen uns wie in einer großen Familie. Unser Künstlerdasein hat sich im privaten Bereich nicht wirklich verändert - wir haben immer noch keine geldgefüllten Swimming-Pools und leider keine dicken Autos, da wir noch nicht von MTV und RTL entdeckt wurden. Es ist in privater Hinsicht wirklich kaum eine Veränderung festzustellen – 3 aus der Band studieren, 2 arbeiten. Wir ruhen uns also nicht auf unseren musikalischen Lorbeeren aus, sondern sorgen für unser eigen Wohl. Nun ja, es ist wirklich etwas überraschend, wenn man in ne Kneipe geht und plötzlich wird man von der Seite angesprochen, ob man denn von Akrea sei. Das ist teilweise schon ziemlich strange. Der Deal bei Drakkar hat für die Gitarrenfraktion der Band ein paar nette Möglichkeiten mit sich gebracht, wie z.B. die Endorsmentverträge bei Pyramid, Mayones, Engl, StageClix. Unser Schlagzeuger ging auch nicht leer aus und schloss nen Vertrag mit Wincent Drumsticks ab. Ich selber wüsste im Augenblick gar nicht, was ich an meinem Gesangs-Equipment ändern sollte, deshalb bleibe ich beim guten alten (Mikro) SM-58. Ich danke euch für das Interview und wünsche euch weiterhin viel Erfolg. Den Abschluss möchte ich mit einem kleinen Quicky beenden. Dazu müsst ihr einfach in knapp formulierten Sätzen eure Meinung zu folgenden Sachen kundtun. Ghetto-Slang: ist deutschlandweit immer noch verständlicher als bayrisch. Lady Gaga: ist ein Mann longhoorische Bombeleger: war unser erster Alternativbandname zu „inner aggression“ Zylinder und Frack: Dagobert Duck christlich-jüdische Leitkultur: Ich hab wirklich keine Ahnung von Politik, deshalb antworte ich mit: Hopfen und Malz – Gott erhalts! Die letzten Worte gebühren euch! Ich habe für´s Interview zu danken, da ich mir jetzt endlich mal etwas Luft um die ganzen wichtigen Themen machen konnte. Joschi |
||