Big Ballz Festival
20.10.07 – Jugendhaus Sinsheim
u.a. mit Respawn Inc., Desert Rain, Bastard Nation

Neben dem Rock- und Popverein aus Wiesloch und dem Hotstuff e.V. aus Brühl gibt es mit dem Soundcheck e.V. aus Sinsheim einen weiteren Verein in der Region, der sich die Förderung der Rock- und Popmusik bzw. der Livemusik auf die Fahnen geschrieben hat. Zum ersten mal wagte sich der Sinsheimer Verein an ein Metalevent und lud zum Big Ballz Festival ins Jugendhaus nach Sinsheim. Mit Nu-Rock, Power Metal und Modern Thrash Metal waren hier Bands der etwas seichteren Gangart am Start und vielleicht lag es daran, dass sich das Festival mit Besuchermangel herumschlagen musste. Schätzungsweise 50 Besucher (+/-10) waren nach Sinsheim gekommen um ihr Hörorgan durchblasen zu lassen. Um den Besuchern neben den Bands auch noch etwas zu bieten waren Baden Metal und Dragon Metal (das sind die mit den bunten Flummyviechern) mit je einem Merchandisestand beim Festival anwesend. Daneben gab es von „Headbangcity“ noch einen Infostand. Die Location – das Jugendhaus – bot für Undergroundkonzerte dieser Art mehr als genügend Platz und sollte man vielleicht für zukünftige Konzerte im Auge behalten. Zwar liegt das Jugendhaus in einer recht ruhigen Gegend, aber dennoch gibt’s auch hier „böse Nachbarn“ und harte Bestimmungen, was die Zeiten angeht, in der Livemusik dargeboten werden darf. Und das sollte den Veranstaltern noch zum Verhängnis werden.

Um 20 Uhr, wegen den angesprochenen Vorschriften fast schon zu spät, ging es dann mit FALL IN GRACE aus Heidelberg los. Am Mikro hatte man hier ein bekanntes Gesicht. Christo, bekannt als Frontmann der Thrash Deather PANICZONE (R.I.P.) zeigte er sich hier von einer ganz anderen gesanglichen Variante und beweißt, dass er nicht nur grunzen und keifen, sondern auch noch richtig gut singen kann. Aber auch von der Musik bekommt man hier etwas ganz anderes zu hören, als man es zunächst erwartet hätte. Mit modernem Rock, der teilweise an so Bands wie STAIND oder NICKELBACK erinnert und auch mal mit härteren Riffs aufwarten kann, begann der Abend. „Into Redemption“ oder „Fall in grace“, letzteres von der Debüt CD „Fallen Grace“, bekamen die Damen und Herren vor der Bühne in die Birne gemeißelt. Dass es sich hier um erst den zweiten Gig der Truppe handelte merkte man bisweilen gar nicht. Die Truppe war sehr gut aufgelegt, spielte sehr solide ihre Stücke und Frontmann Christo war zu dem ständig einem lustigen Spruch aufgelegt, der deutlich zur Erheiterung der Stimmung unter den noch sehr wenigen Zuhörern sorgte.

Eine weitere Band aus Heidelberg war BASTARD NATION die als nächstes dann die Bühne enterte. Schon seid ein paar Jährchen gibt es diese Formation schon, die seid einiger Zeit allerdings nur noch zu viert agiert. Gemäß dem Big Ballz Festival wurde hier Power Metal zelebriert, der im Gegensatz zu vielen Genrekollegen wenigstens Eier in der Hose hat. Neben „Dark Rain“ wurden auch noch weitere Songs des im Frühjahr 2008 erscheinenden Debüt Albums gespielt. Beim bereits erwähnten Song begibt sich Sänger und Gitarrist Moe stellenweise in Rob Halford Gefilde. Musikalisch hat dürfte die Musik der Truppe Fans von IRON MAIDEN, ACCEPT oder auch JUDAS PRIEST ansprechen, zumal man hier und da doch deutliche Einflüsse der beiden Bands heraushören kann. Aber auch eine leichte Thrash Note der Marke 80er ist zu vernehmen. Neben neueren Stücken gabs auch Songs der aktuellen EP „Born a Bastard“. Ein sehr solider Gig wurde schließlich mit einem leicht punkig angehauchten Partysong beendet.

Mit DESERT RAIN kam nun die dritte Heidelberger Band zum Zuge. In der Region hat sich die Truppe um Frontmann Stephan schon seid Jahren einen sehr guten Namen erarbeitet und mit ihrem Melodic Power Metal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit „Sold down the river“ vom aktuellen Album „Affinity“ begann der Reigen, der direkt mit „Eternal Winter“ weitergeführt wird. Mittlerweile haben sich doch ein paar mehr Leute im Jugendhaus eingefunden und so kann DESERT RAIN auch mehr Metaller vor der Bühne und auch die ersten Mattenschwinger für sich verbuchen. Mit „The Reaper“ kommt auch eine mit Klavier unterlegte Nummer zum Zuge, die nach ruhigerem Anfang in flotteren Passagen mündet. Sänger Stephan ist zu Beginn des Gigs noch etwas verhalten, kann sich selbst aber steigern und so auch die wenigen Besucher auf seine Seite ziehen und zum mitmachen animieren. Einer der letzten Songs des Gigs ist „Whistler’s Tear“, der Opener des 2004er Albums „Sold down the river“.

Zwischen den mir teils etwas lange vorkommenden Umbauphasen nutzten die meisten Besucher die Zeit für eine Zigarettenpause, zu der man ja neuerdings ins freie muss. Andere nutzten die Zeit zum Trinken oder Fleischkäs futtern oder lauschten HATCHERY Frontmann Zottel der mal wieder „viel scheiße labert“ oder auch mal eine kurze Lehrstunde in Italienisch gab. Dank ihm war die Stimmung – zumindest bei den Merchandiseständen – am kochen ;)

Nach dem wir nun schon drei Bands aus Heidelberg hatten kommt mit RESPAWN INC. nun eine Band die fast aus Heidelberg kommt. Die Leimener Modern Thrash Metal Truppe war an diesem Abend die Band mit der härtesten Gangart. Gleich zu Beginn wurden „Guilty“, „Sunshine“ oder auch „War“ in den – fast leeren Saal – geschmettert. Erst nach ein paar Songs konnte Sänger Fabz die Leute dazu bewegen, dass sie ihre Ärsche in Richtung Bühne verfrachten. Die gespielten Songs, wie dem Song „Bleed me a river“ stammten hauptsächlich von den letzten beiden Platten, der 2005er Scheibe „Only Ashes Remain“ und dem aktuellen Album „Stone Cold World“. Die Truppe war sehr gut aufgelegt und spielte einen sehr guten Gig. Was die wenigen Leute vor der Bühne taten, machte die Truppe auf der Bühne. Sie ging ab wie Schmidts Katze.

In Mitten des Gigs wurde schließlich dann die Preisvergabe der vom Soundcheck e.V. durchgeführten Verlosung hineingelegt. Etwas unglücklich gewählt, aber danach ging es gleich weiter, wenn auch die Stimmung durch die unfreiwillige Pause gebremst wurde. Aber kurz danach war überraschender Weise dann komplett Schicht im Schacht. Nun trat das ein, was eingangs bereits erwähnt wurde. Mittlerweile war ca. halb eins und RESPAWN INC. mussten nur schlappe fünf Songs ihrer Setlist streichen. Aber die laut Plan danach noch spielende Truppe TRASHMENT traf es noch härter. Diese durfte dann überhaupt nicht mehr spielen. Sichtlich angepisst waren verständlicherweise die Musiker und auch ein paar Gäste waren verwundert, über die ganze Aktion und wussten auch gar nicht was nun Sache ist. Hier bleibt nur zu sagen, das war ein Griff ins Klo, aber bis zum Scheißesammler!

Dass letzten Endes recht wenig Besucher vor Ort waren, mit sowas kann man nicht unbedingt rechnen. Für sonstige Organisation des Festivals kann man auch nicht meckern. Lediglich im Hinblick auf die Spielzeiten der einzelnen Bands herrscht hier für mögliche zukünftige Veranstaltungen definitiv Handlungsbedarf. Aber manche Fehler macht man auch nur ein mal. Wie gesagt, kann man ansonsten nicht meckern und auch wenn man bedenkt, dass sehr wenig los war, war es dennoch ein recht lustiger Abend.

Oimel