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Boarstream Open Air III 23. – 24.07.2010 – Buchenbach
Wie bereits im Vorjahr fand das Boarstream Open Air wieder im nordwürttembergischen Buchenbach statt. In der nähe der Stadt Künzelsau gelegen bot das kleine Buchenbach eine nette Herberge für das Boarstream. Das Gelände war auch dieses Jahr wieder ein alter Sportplatz mit angrenzender Wiese, welche als Campingplatz fungierte. Zum ersten mal lies man das Festival bereits Freitags mit Livemusik beginnen, so strömten logischerweise bereits Freitags Unmengen an Kuttenträgern in die Provinz, um dem Eber zu huldigen.
Freitag, 23.07.2010
Den Anfang beim diesjährigen Festival machten die Schwarzmetaller von SCHATTENREICH. Zwar konnten wir die Klänge der Truppe vom direkt neben dem Festivalgelände liegenden Campingplatz vernehmen, aber die zu genauen Kontrollen am Eingang sorgten dafür, dass etliche die Band dann verpassten. Uns eingeschlossen.
So war SPECTRAL die erste Band, welche wir dann auch wirklich auf der Bühne bewundern konnten. Die Truppe, die bereits seid 15 Jahren die Bühnen beackert, kamen beim weitgehend recht jungen Publikum ziemlich gut an. Nachdem die meisten auch alle durch den Einlass gekommen waren, hatte sich der Platz vor der Bühne auch bereits einigermaßen gut gefüllt. Die Leggins im Zebralook mancher Bandmitglieder wirkten doch sehr trve. Der mit Keyboardmelodien unterlegte Paganmetal weckt zum Teil Erinnerungen an eher härtere Pagan und Viking Bands wie Amon Amarth oder Obscurity, wobei die Band durch weitere Einflüße aus dem traditionellen Metal sich etwas abheben kann, von üblichen Heiden-Bands.
Nach SPECTRAL wurde eine Spontane Grillattacke auf dem Campingplatz gestartet. Da die aber unerwartet etwas länger andauerte wurden FLESHLESS leider verpasst. Zwischenzeitlich lies auch Odin und Konsorten einen Gruß nach Buchenbach schicken und so gab es einen recht ordentlichen Wolkenbruch, bei dem so manches Pavillon nur durch den Regen zur Kapitulation gebracht wurde.
Zu SYCRONOMICA war der ganze Spuk aber wieder vorbei und der Magen hatte mittlerweile auch wieder so einiges zu tun. Auch diese Truppe kam sehr gut an. Durch das Keyboard wird dem recht vielseitigen Black Metal der Truppe auch noch recht viel Atmosphäre verliehen. Mal etwas schleppender und ruhiger, dann wieder mit durchgedrücktem Gaspedal, wußte die Truppe die Fans vor der Bühne zu begeistern. Wie SPECTRAL sind auch SYCRONOMICA seit Mitte der 90er musikalisch auf Achse, was man dem recht sicheren Auftreten auch anmerkte.
Nach SYNCRONOMICA hätten eigentlich die dänischen Folk Metaller von SVARTSOT ihren Auftritt gehabt. Allerdings ist ihr Bus auf dem Weg nach Buchenbach liegen geblieben. So wurde bekannt gegeben, dass die Truppe am nächsten Tag gegen Mittag ihren Auftritt nachholen sollte.
So gab es an dieser Stelle eine etwas längere Umbaupause, ehe dann MILKING THE GOATMACHINE verfrüht ihren Auftritt und auch den Abschluss des ersten Festivaltags einläuten durften. Mit dem dritten Anlauf hat es bei mir dann auch endlich mal geklappt, dass ich die Ziegenherde zu Gesicht bekomme. Und das warten hat sich auch ordentlich gelohnt. Ein sehr starker Auftritt des in Ziegenmasken gekleideten Grindcore-Quartetts. Vor der Bühne durften die Jungs auch die bis dato größte Menschenmasse unterhalten und diese auch einheizen. Zum Moshpit wurde gebeten und diesen gab es natürlich auch. Da es vor der Bühne keine Absperrung gab, heizten dann irgendwann die Fans der Band ein und so tummelten sich im Laufe des Gigs nicht gerade wenige Metalheads auf der Bühne, was die Musiker teils auch etwas aus dem Konzept brachte. Aber nach dem Sänger und Drummer Goatleeb Udder die Fans gebeten hatte doch vor der Bühne weiter zu feiern, gingen diese auch weitgehend der Bitte nach. Teils zwar mit Nachdruck, aber es hat geklappt. Für den ersten Abend war der Auftritt der Bands ein sehr würdiger Abschluss, der sogleich noch mehr Vorfreude auf den nächsten Festivaltag machte.
Samstag, 24.07.10
Auf Grund des ausgefallenen Freitag-Auftritts von SVARTSOT wurde die Running Order um eine Stunde nach vorne verlegt. Das mag dann wohl auch der Grund gewesen sein, dass CATEIA verpasst wurde. Ok, ein dekadentes Festivalfrühstück war dann auch noch mit ein Grund.
Vorab bekam ich schon einen Tip, dass ich mir unbedingt THORONDIR mal reinziehen sollte. So war ich dann auch rechtzeitig zu der Heidentruppe vor der Bühne. Was gleich auffiel war, dass die recht junge Truppe doch sehr hüftsteif auf der Bühne agierte. Zwar war vor der Bühne nicht allzuviel los, aber vielleicht waren die Jungs dennoch etwas nervös. Die Musik aber konnte sich hören lassen. Und für alle Fans des Pagan Metals und welche die auf Bands wie Falkenbach oder Ensiferum und hier und da auch Equilibrium stehen, dürfen bei THORONDIR gern ein Ohr riskieren.
Bei THORMESIS ging es dann etwas rauer zur Sache. Weiß geschminkt und die Augen rot umrandet hatte manche den Eindruck hier wären Pandabären mit blutunterlaufenen Augen am Werke. Passende Sprüche wie „Wo ist Greenpeace, wenn man es mal braucht.“ waren aus der Menge dann auch zu vernehmen. Auch THORMESIS haben sich dem Pagan Metal verschrieben. Mit dem neuen Album „Vergangene Asche“ im Gepäck hatten sich nun die Mittelfranken nach Buchenbach verschlagen. Schwärzer angehaucht ist ihre Musik. Mal schwarzmetallisch Flott, dann wieder mit folkiger Melodieführung. Ebenso ist der Gesang abwechselnd zwischen kreischem und cleanen Vocals. Wenn man sich genauer mit der Band beschäftigt wissen die Franken sicherlich zu gefallen. Der Auftritt war nicht schlecht, aber mich hat das ganze jetzt nicht so recht vom Hocker gehauen.
Nun war es dann endlich Zeit für die aus Dänemark angereisten SVARTSOT und so durfte die Truppe nun ihren Auftritt vom Freitag nachholen. Seid fünf Jahren existiert bereits die Band. Nach mehreren Line Up Wechseln machen sie nun aber wieder die Bühnen unsicher und sind nun auch mal in unseren Gefilden gelandet. Wie sehr viele Bands beim Boarstream sind auch SVARTSOT im Heidenlärm einzuordnen, wobei hier noch eine Portion mehr Folkanteile in die Musik einschmelzen. Vom Riffgewitter werden hier Erinnerungen an ältere Amon Amarth wach. Durch Flöte und Keyboard bekommt das ganze dann aber wieder eine ganz andere Note. Zwar waren nun vor der Bühne weniger Fans, wie es wohl Freitagsabends gewesen wäre, aber dennoch konnte hier eifrig abgefeiert und zu den Folk Hymnen abgegangen werden.
DARKNESS ABLAZE aus dem Schwabenländle durften als nächstes die Bühne beackern und auch der Meute einheizen. Naja. Meute ist etwas übertrieben, wenn man bedenkt, dass zu Beginn des Auftritts vor der Bühne doch mehr als wenig los war. Viele lagen oder saßen auf dem Gelände in der mittlerweile brutzelnden Sonne. Aber mit Dauer des Auftritts und der Beschallung des Festival- und Campinggeländes wurde es dann vor der Bühne auch immer voller. Die Musik der Truppe, wenn man sie nicht kennt, weiß nunmal gleich zu gefallen und so riskierten doch vermehrt Metalheads ein Ohr. Aber mehr hätten es letztenendes doch noch sein dürfen. Mit ihrem Mix aus melodischen Black und Death Metal wusste die Truppe dennoch zu begeistern. Und auch wenn die Reihen überschaubar waren, gaben die Jungs auf der Bühne alles und lieferten einen astreinen Gig ab.
Nach DARKNESS ABLAZE bin ich dann wohl irgendwo aufm Campingplatz versackt und hab IVENBERG verpasst. Wieso und weshalb? Keine Ahnung. Auf alle Fälle war meiner einer dann zur allgemeinen Entjungferung durch DEFLORATION wieder am Start. Für Fans von Cannibal Corpse oder teilweise auch Dying Fetus ist DEFLORATION genau richtig. Zwar können die Thüringer an die großen Vorbilder aus den USA nicht heranreichen, aber dennoch taugt ihre dargebrachte Schlachtplatte ganz schön was. Dies haben auch unzählige Auftritte in der Vergangenheit bewiesen, bei welchen sie unter anderem schon mit Aborted, Vader oder Belphegor die Bühne teilen durften. Fans des gepflegten Death Metal waren vor der Bühne einige anwesend. Der Auftritt wurde solide vollzogen und in dem doch etwas zu Paganlastigen Billing kam so eine Abwechslung genau richtig.
Als Ersatz für den Ersatz rutschte quasi um Fünf vor Zwölf noch MENTAL AMPUTATION in das Billing. Da mehrere wohl dann doch lieber ASENBLUT gesehen hätten, wars auch recht mau vor der Bühne. Es gesellten sich zwar ein paar wenige Headbanger vor die Bühne, aber für die Leistung der Band definitiv zu wenig. Musikalisch bekommt man hier ein Todesriff nach dem anderen um die Lauscher geprügelt. Aber auch der Thrash hält hier und da Einzug und ab und an kann man auch Melodien vernehmen. Malevolent Creation darf man hier gerne als Vergleich nennen, wenn man MENTAL AMPUTATION irgendwo eingruppieren will. Auch Morbid Angel dürfen hier genannt werden. Der Auftritt war jetzt nicht weltbewegend, aber auch auf keinen Fall schlecht.
Nach doch überraschend viel Death Metal war nun wieder Black Metal an der Reihe. MOR DAGOR spielten nun. Doch ich weiß nicht wo ich zu diesem Zeitpunkt war. Auf jeden Fall nicht vor der Bühne.
Da war ich dann erst wieder zu XIV DARK CENTURIES zu sehen. Die thüringische Pagan Metal Heroen hatten anfangs noch ein paar kleinere technische Probleme. Die waren aber schnell behoben und so konnte der Auftritt ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne gebracht werden. Den Sound empfand ich als nicht ganz astrein. Dennoch war es mal wieder eine Ohrenweide, die Truppe nach ein paar Jahren wieder live zu sehen. Wie abwechslungsreich XIV DARK CENTURIES sein können zeigt vor allem das dargebotene „Braganful“. Ein ruhiger Anfang mit klarem Gesang mündet in ein wahres Feuerwerk. Ein starkes Set mit neuen Songs und auch altbekanntem von den „... den Ahnen zum Grusse“ und „Jul“ Platten.
Im Anschluss enterte eine Horde Holländer die Bühne. Die Rede ist von ROMPEPROP, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das Boarstream grindcoretechnisch wegzublasten. Und das ist der Truppe auch gelungen, zumal sie meines erachtens auf dem Festival den besten Auftritt ablieferten. Wie am Vorabend bei MILKING THE GOATMACHINE wurde auch hier wieder die Bühne durch unzählige Fans belagert und gestürmt. Allerdings übertraf dieser Ansturm den am Vortag noch bei Weitem. Und für die männlichen Zuschauer gab es dann auch was zu sehen. Die ganze Aktion sorgte dann aber wohl ungewollt für eine etwas längere Unterbrechung, da für den ROMPEPROP Gesang etwas wichtiges beschädigt wurde. Nach dem aber dieses Problemchen wieder behoben wurde, ging es mit dem Geblaste wieder weiter und so wurde den Fans gleich mal „As She Licks My Only Ball“ und auch „Vaginal Luftwaffe“ um die Ohren gepfeffert. Ein sehr feiner Gig der Holländer. Ansonsten sind hier nur noch zwei Wörter zu nennen: Titten, Kettensäge.
Eine wohl recht undankbare Position hatten die Belgier von ENTHRONED erwischt. Als Black Metal Band zwischen zwei Grindcorebands zu spielen ist sicherlich nicht gerade das gelbe vom Ei. Aber die Belgier nahmen ihre Position recht gelassen und brachten ihren Auftritt sehr locker über die Bühne. Auch hier hatten sich wieder ein paar Fans auf die Bühne verirrt, was die Band aber auch nicht weiter kümmerte. Seid 1993 schwarzmetallisch unterwegs lieferten die Belgier bisher acht Studioalben ab, von denen keines durchweg überzeugen konnte. Der Auftritt der Truppe kam für mich aber recht gut herüber. Hätte weitaus schlimmeres erwartet und war hier doch ein Stück weit positiv überrascht. Mit ihrem schnellen brachialen Black Metal, gespickt mit feinen Soli und hier und da Melodien bringt die Truppe zwar nichts neues im Black Metal Sektor zustande, aber dennoch ein sauberer Gig. Für eine doch recht trve Black Metal Formation kam der Gig eher cool als frostig rüber.
Der Abschluss des Abends, die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS hatten es nach dem Brachialgig von ROMPEPROP recht schwer, das noch zu toppen. Hat im Endeffekt auch nicht ganz geklappt, aber die Hannoveraner kamen doch sehr nahe an die Holländer heran. Der Auftritt fing etwas holprig an. Aber die Band steigerte sich von Stück zu Stück dann doch immens. Und so kam auch der von der Band selbst zum schlechtesten Stück gekührte Track „Güllepülle“ sehr gut an. Vom aktuellen Album „Headliner der Herzen“ wurden natürlich auch ein paar Stücke gespielt. Aber alte Hits wie „Looking For Grindcore“, „Vater Morgana“ oder „Karamba, Karacho, ein Grindcore“ durften natürlich nicht fehlen. Ein kleines Highlight, dass allerdings nicht von der Band kam, gabs dann auch, nämlich einen Heiratsantrag und welche Band eignet sich denn da besser als die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS?!. Die Anwesenden des Festivals wurden dann im übrigen auch noch zur Hochzeit eingeladen. Wenn jemand weis, wann und wo diese denn dann nun steigen soll, dann darf man sich gerne melden. Den Abschluss des Grindfuckersauftritts gabs dann mit „Final Grinddown“.
Und so war das dritte Boarstream Open Air dann auch schon wieder Geschichte. Das Boarstream war auch dies Jahr wieder ein voller Erfolg. Kritik gibt’s natürlich auch, aber die hält sich in Grenzen. So sollte man versuchen, dass sich die Kontrollen beim Einlass nicht zu sehr hinausziehen. So gab es doch einige die die erste Band Schattenreich verpasst haben. Der Black und Pagan Metal Anteil ist zwar auch dieses Jahr wieder etwas zurück gegangen, aber er überwiegt dennoch ein wenig. Nächstes Jahr vielleicht noch die eine oder andere Death Metal Kapelle mehr aufs Billing packen, dann wären sicherlich einige mehr zu frieden. Ansosnten gibt’s nur noch positives zu berichten. Das Preis – Leistungsverhältnis war Optimal. Es gab einige Merchstände, wo es wohl für alle genug Material für den heimischen CD Player zu erwerben gab. Auch bei den Getränke und Essensständen wurde man immer recht flott bedient. Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter mit dem Boarstream den Weg, den sie eingeschlagen haben weiter gehen. Auch sollte die Besucherzahl nicht weiter nach oben geschraubt werden, zumal das momentane Gelände wohl eh etwas eng werden könnte auf Dauer.
Dann bis zum nächsten Jahr.
Oimel
www.boarstream.de
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