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Boarstream Open Air II 26. 07. 09 - Buchenbach u.a. mit Kromlek, Finsterforst, Obscurity, L’Estard, Graveworm, Grailknights
Zum zweiten Mal sollte diese Jahr das „Boarstream Open Air“ stattfinden, dieses mal allerdings nicht im namensgebenden Eberbach, sondern am Jagst bei der kleinen Gemeinde Buchenbach.
Als Festival- und Campinggelände diente eine von Wald umgebene, am Ortsrand liegende Wiese, die wahrlich genügend Platz für Bühne, Verkaufsstände und natürlich die anreisenden Heerscharen bot. Die Einweisung der mit dem Auto anreisenden Festivalbesucher durch Boarstream-Mitarbeiter erfolgte prompt und problemlos, so das keine langen Schlangen entstanden. Am Einlass zum Festivalgelände erfolgte ebenfalls eine schnelle Abfertigung, so das man auch hier nicht warten musste.
Nach einer kleinen Odyssee durch die Nordwürttembergische Provinz gelangten wir dann also gerade noch rechtzeitig aufs Festivalgelände, um immerhin wenigstens die letzten beiden Songs des Openers NORPHOBIA zu vernehmen. Zwei Songs sind zwar zu wenig, um etwas aussagekräftiges zum Auftritt der jungen Viking-Band loszulassen, doch das, was man – wenn auch nur kurz – hörte, klang doch relativ vielversprechend und erinnerte entfernt ein wenig an Equilibrium. Vor der Bühne tummelten sich zwar nur sehr wenige Zeitgenossen, doch diese liessen bereits jetzt schon ihre Matten kreisen.
THY WICKED legten standesgemäßen Pagan Metal aus fränkischen Gefilden vor. Gekleidet in stimmungsvoller Tracht oder Kettenhemd schmetterten die vier Gesellen eine Hymne nach der Anderen, so zum Beispiel Trinkgelage oder auch Rabenschrei. Das Publikum wirkte sehr begeistert und feierte unter Anderem das ebenfalls dargebotene eingängige Stück Frankonia. Stellenweise erinnerte die Musik hier an XIV Dark Centuries, häufig waren allerdings cleane Vocals zu vernehmen. Frontmann „Blacky“ ließ auch verlauten, dass dies der letzte Auftritt mit Schlagzeuger Andreas war, woraufhin einige Fans aus Routine heraus ein lautes „JAAAA!“ aus ihren Kehlen erklingen ließen. In Stephan ist allerdings schon ein Nachfolger am Knüppelwerk gefunden worden.
Ein sehr langes Intro kündete vom kommenden Auftritt der deutschen Band NORDAFROST, welche schon ganze 13 Jahre die Musiklandschaft unsicher macht. Angekündigt wurde ein spezielles „Black Metal Set“ und in der Tat wurden sehr rohe Klänge welche sich eher der alten Schule zuordnen lassen können gespielt. Leider wirkte der Auftritt im Großen und Ganzen eher unspektakulär, bei einigen Stücken war auch der Sound leider nur mäßig gut. Nichtsdestotrotz spielte die Band immerhin sehr sauber und zum Ende ihres Auftrittes hin steigerte sich die Performance hörbar und sichtlich.
Der folgende Gig von SLARTIBARTFASS wusste von Anfang an zu überzeugen, was durch einen größeren Andrang vor der Bühne auch bestätigt wurde. Gekleidet waren die Musiker ähnlich wie ihre Kollegen von Thy Wicked in ansprechender Tracht, doch hier war auch noch eine Sackpfeife mit von der Partie, welche häufig die Melodien einbrachte. „St. Cuthbert“ – ein Song den wohl einige Pagan Metal Fans bereits vom Legacy Sampler Pagan Fire kennen dürften durfte in der Setliste der Ulmer Band natürlich nicht fehlen.
Verstärkung aus Kolumbien brachten die Todesmetaller L’ESTARD mit, die neben Necrotic Flesh eine der „Exoten“ auf dem Boarstream waren. Da der eigene Bandbasser nicht zur Verfügung stand übernahm „Slash“ kurzerhand dessen Aufgabe und absolvierte den Gig mit Bravour. Positiv fiel die tiefe Growlstimme des Vokalisten Marius auf und im Publikum wurde gemosht, was das Zeug hält. Als Zugabe gab‘ es dann noch den Song „Killing For The Living“, bevor nach dem Death/Grind-Geboller der besonderen Güte wieder Platz gemacht wurde für den nächsten metallischen Act.
Aus Italien reisten STORMFROST zum Boarstream heran. Von mitgereisten Fans wurde man vor dem Gig bereits darauf hingewiesen, dass man sich die Band doch auf jeden Fall anschauen müße. Nunja. Der Gig war weitgehend in Ordnung, aber im wesentlichen auch nichts besonderes. Wie es für Schwarzmetaller gehört kamen auch die Italiener in Corpsepaint auf die Bühne. Viel bleibt über den Gig nicht zu sagen. Allerdings erinnerte der Sänger einen doch irgendwie an Rob Halford. Weshalb auch immer. Merchandise für geneigte Zuhörer brachte die Band übrigens auch mit, es gab für faire Preise T-Shirts und kleine Anstecker zu kaufen.
Der Name OBSCURITY dürfte schon vielen bekannt sein und steht nach unserer Erfahrung für einwandfreie Musik und gute Gigs. Und auch dieses mal wurden wir nicht enttäuscht. Nach epischem Intro wurde Metal geboten, den man einfach nur als „geil“ bezeichnen kann. Vielleicht mit einem kleinen Seitenhieb gegen die zuvor spielenden Italiener bedacht wurde der eine oder andere Song gespielt in welchen Schlachten gegen Römer besungen wurden. Neben dem Titel „Warusschlacht“ durfte natürlich „Nach Asgard wir reiten“ nicht fehlen. Letzteres wurde auch ordentlich von den Fans abgefeiert. Man erlebte die Band in wirklich guter Laune und kann diesen Auftritt zu einem der besten des Boarstreams zählen.
Der zweite „Exot“ NECROTIC FLESH kam im Gegenzug zu L’ESTARD anfänglich nicht so recht beim immer noch angeheizten Publikum an. Stageacting war ganz passabel, aber durchaus ausbaufähig. Gleiches gilt für die Songs, die nicht so recht ihren Weg ins Gehör finden wollten und so wohl doch recht viele die Zeit lieber für eine kurze Bierpause nutzten. Gegen Ende konnte die Truppe dann aber doch immer mehr Leute vor die Bühne locken.
Nach einem langen Intro betraten die bekannten KROMLEK die Bühne, um das Boarstream zu beehren. Während die Mannschaft an den Instrumenten bereits zockte gesellte sich auch Herr Alphavarg – der ehemalige und nun wieder aktive Sänger – auf die Bühne. Trotz dem Fakt dass die Truppe aus Franken einen neuen Drummer hinter der Schießbude sitzen hat, muss man hier der Band einen Glücksgriff attestieren. Der Junge versteht sein Handwerk und so sitzen die Drumparts alle nahezu perfekt. Für KROMLEK’sche Verhältnisse gab es eine fast typsiche Setliste mit „Herjan“ oder auch „Grimn Omens“ welches allerdings sehr früh zum besten gegeben wurde. Vor, wie auch auf der Bühne herrschte eine sehr gute Stimmung. Als kleines Schmankerl nahm die Truppe den Herrn Jackson, der mit Vornamen Michael heißt auf die Schippe. Nachdem Herr Alphavarg kurz von der Bühne verschwand, kam er in Michael Jackson Montur begleitet von einem Sample eines M.J. Songs wieder zurück auf die Bühne, wodurch das Gelächter erst einmal groß war. Für ihr kommendes Werk hatten KROMLEK bereits angekündigt, dass sie „still Pagan Metal, but different“ zelebrieren werden. Einen Vorgeschmack konnte man sich dann selbst von einem neuen Stück einholen, welches die Truppe hier aufführte.
Leider erwischten FINSTERFORST nicht den besten Sound, konnten jedoch trotzdem mit einem sonst sehr guten wenn auch nicht allerbestem Auftritt aufwarten. Geboten wurde eine Mischung diverser Stücke von allen allen bisher erschienen Tonträgern, wobei das Hauptaugenmerk auf das aktuelle Langeisen „... zum Tode hin“ lag. Die Stimmung im Publikum – bereits gut angeheizt von den vorher spielenden Gruppen – stieg weiterhin und so wurde auch Finsterforst entsprechend abgefeiert. Zwar konnten die Schwarzwälder einen sauberen und guten Auftritt hinlegen, allerdings gab es auch schon bessere Gigs von FINSTERFORST. Aber wie dem auch sei, dem Publikum schien es gefallen zu haben.
Zum Auftritt vom polnischen Black Metal Urgestein BESATT schieden sich die Geister. Viele Festivalbesucher fanden den Auftritt der einem langen Intro und einer Umbaupause folgte gar nicht ansprechend und nutzen die Gunst der Stunde, um noch einmal Bier zu tanken. So herrschte vor der Bühne weitgehend gähnende Leere. Fans der Polen und Freunde von dreckigem Sound hingegen kamen trotzdem voll auf ihre Kosten. So durfte unter anderem „Abaddon (The Destroyer)“ aus den Boxen vernommen und dazu wild der Kopf geschüttelt werden. Gespielt wurde natürlich mit obligatorischem Corpse-Paint.
Billingmäßiger Headliner war GRAVEWORM, die nun mit ihrem Auftritt an der Reihe waren. Mit „I, The Machine“ und „Legions Unleashed“ legten die Südtiroler gleich fulminant los und liesen auf einen starken Auftritt hoffen. Doch leider war die Songauswahl recht bald eher mittelbrächtig. „Bloodwork“ vom letzten Album kann man hier noch mit als beste Darbietung nennen. Ansonsten war der Rest eher .. naja. Soundmäßig kann man eigentlich nicht meckern. Auch was das Stageacting der Truppe angeht, das wie gewohnt sehr gut war. Wer GRAVEWORM schon länger hört wird sicherlich mit misstrauen den Musikalischen Werdegang der Truppe beäugt haben. Und so muss man sich nun auch fragen: „Was zum Geier hat eine Wall Of Death bei Graveworm zu suchen?“ Ich weiß auf die Frage selbst keine Antwort. Doch als kleiner Wermutstropfen konnten die Kiddies vor der Bühne die lauthals eine W.O.D. gefordert hatten nicht den Einsatz abwarten und liesen diese dann einfach verpuffen. Auftritt war weitgehend in Ordnung. Nur zu Beginn war der Auftritt und auch die Songauswahl recht stark. Ansonsten fand ich persönlich es sehr schade, dass die Band nur Songs gespielt hatten, die ab der „Engraved In Black“ Scheibe herauskamen. Für Fans der alten GRAVEWORM wäre das ganze also eher nichts geworden.
Mit GRAVEWORM hatte man den Headliner bereits gesehen. Als Sahnehäubchen durften nun die Gralsritter aus Grailham City – die GRAILKNIGHTS – zur Tat schreiten und das Boarstream vom bösen Dr. Skull und seinen Schurken befreien. In ihren üblichen Bunden „Rüstungen“ gekleidet und mit Schlagwerkstöcken inklusive Schlagwerk sowie Streitäxten in Form von Gitarren bewaffnet zogen die Hannoveraner auf die Bühne, um zusammen mit ihrem Battlechoir ein ordentliches Brett oder besser gesagt ordentlichen Kampf abzulegen. Musikalisch bietet die bunte Truppe recht ordentlichen episch angehauchten melodischen Death Metal, der besonderen Güte. „Alliance“ heißt ihr neuer bereits dritter Longplayer. Songs wurden aber von allen drei Alben zum besten gegeben. Mit ihren charmanten Wortwitz konnte die Truppe auch jeden letzten Metalhead auf dem Festivalgelände für sich gewinnen. Aber wie es auch immer wieder vorkommt, lief auch hier nicht alles so rund. So hatte Sir Optimus Prime des öfteren Probleme mit billiger Massenware aus China. Sei es in Form von Akkordeon, Gitarre oder anderen Utensilien. Beim Kampfe gegen Urks dem Drachen – der neuen Geheimwaffe von Dr. Skull – brach auch ein Schwert der Grailknights, die sich für den Endkampf auch extra ein paar Recken aus der ersten Reihe auf die Bühne geholt hatten. Dr. Skull konnte besiegt und der Gral wieder errungen werden. Auch wenn der Auftritt noch bis kurz nach zwei Uhr nachts ging, so war bis zum Schluss noch verdammt viel vor der Bühne los und auch entsprechend sehr gute Stimmung im Publikum. Durch den extrem starken Auftritt muss man die GRAILKNIGHTS eigentlich als die wahren Headliner des Boarstream bezeichnen, zumal sie die Bands davor allesamt locker in die Tasche stecken konnten. Für das Boarstream war der Auftritt der Gralsritter ein mehr als denkwürdiger Abschluss. Grailknights Battlechoir! Yes, Sire!
Verpflegung & Merchandise:
Für den Handel mit allerlei Metalartikeln war gesorgt, so waren unter Anderem Verkaufsstände von MDD, Schwarzdorn und Baden Metal vor Ort. Hier gab es Aufnäher, Schmuck, Tonträger und natürlich Kleidung unterschiedlicher Art.
Für das leibliche Wohl gab es natürlich unterschiedliche Sorten Bier (auf Nachfrage sogar Kirschbier), antialkoholische Erfrischungsgetränke, Wasser, Steakbrötchen, Maultaschen und Kartoffelsalat. Für unsere nichtfleischfressenden Zeitgenossen gab es ebenfalls die Maultaschen, jedoch in vegetarischer Form.
Toilettensituation:
Es gab genügend Dixies um anfallende Fäkalien aller anwesenden Gäste aufzunehmen, aber gegen Ende des eigentlichen Festivaltags musste man leider feststellen, dass einige Personen scheinbar zu blöd zum Scheißen sind. Wie dem auch sei, die Toiletten reichten aus!
Pro:
- Aufbau und Lage des Geländes - Das Billing - günstige Preise, sowohl für Verpflegung als auch für den Eintritt - Campingplatz direkt neben Festivalgelände - keine langen Wartezeiten bei Parkplatzanweisung und Einlass
Contra:
- manchmal war die Soundqualität nicht überragend - teilweise musste bei der Nahrungsausgabe eine Person allein alles managen und so gab es des öfteren längere Wartezeiten - wenig musikalische Abwechslung da Billing sehr auf Pagan/Viking-Metal fokussiert war
Wie ihr vielleicht bemerkt habt kommt dieser Bericht etwas spät auf unsere Seite. Das liegt daran, dass ich, Marius, leider privat mehrere „Tiefflüge“ hinnehmen musste und durch diese Unpässlichkeiten meinen Pflichten dem Sleeplesszine nicht wie es angemessen wäre nachgekommen bin. Für die lange Verspätung möchte ich mich beim Boarstream-Team und auch bei meinen Kollegen vom Sleepless Metalzine in aller Form entschuldigen!
Running Order:
01:00 bis 02:00 - Grailknights 23:30 bis 00:40 - Graveworm 22:00 bis 23:00 - Besatt 20:30 bis 21:30 - Finsterforst 19:30 bis 20:15 - Kromlek 18:30 bis 19:15 - Necrotic Flesh 17:30 bis 18:15 - Obscurity 16:30 bis 17:15 - Stormfrost 15:30 bis 16:15 - L'Estard 14:45 bis 15:15 - Slartibartfass 14:00 bis 14:30 - Nordafrost 13:15 bis 13:45 - Thy Wicked 12:30 bis 13:00 - Norphobia
Marius, Oimel
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