Demento – Unruh

Demento UnruhWie? Das Titelstück „Unruh“ soll das kürzeste auf dem Album sein? Man wundert sich doch wenn man auf die Rückseite der CD schaut und diesen Umstand bemerkt, wählen doch viele Bands als „Titeltrack“ ein entsprechend langes und ausgearbeitetes Stück. Passend zum Cover und Titel der Scheibe macht sich hier ein Uhrwerk bemerkbar, atmosphärisch aufgewertet durch unterschiedliche Klangeffekte. Schon so früh macht sich die Unüblichkeit dieser Scheibe bemerkbar. Aber nun will ich mal zum ersten Stück der CD zurück gehen, „Erase Routine“ genannt. Ein mehrminütiges, düsteres und verstört wirkendes Orgel-Intro mit deutlichem Ambient-Einschlag leitet das Album ein, bevor es metallisch, melodisch und in abwechslungsreichem Tempo weiter geht. Bei „Selected Abysmal Lunacy“ wurde meines Erachtens erfolgreich mit einem Sprachsample experimentiert, zudem enthält das Lied eine schöne und eingängige Melodie. Leads sind wirklich keine Mangelware auf dieser Veröffentlichung, wie man bei vorgenanntem Stück hören kann. Die Stimme des Vokalisten Thomas bewegt sich häufig in einem grunzigen aber nicht ganz tiefem Stimmbereich (bis auf bei „Erase Routine“, bei dem es doch mal in eine sehr tiefe Stimmlage geht), nicht selten präsentiert er plötzliche Wechsel in höhere und ebenso rauhe Stimmlagen. Unter anderem bei „Near Distance“ sticht die experimentelle Seite der Musik hervor, der Aufbau entsagt dem Gewöhnlichen und die bereits gezeigten Tempowechsel finden sich auch hier und natürlich auf den anderen Titeln des Albums mehrfach. Beim vierten Stück „Signs“ hingegen wird die Verwirrung auf die Spitze getrieben, es wirkt einfach noch eine Stufe ungewöhnlicher als der Rest des Albums und bringt eine Art „hörbare Paranoia“ mit sich, die durch melodische Zwischenspiele aber wieder etwas „entwirrt“ wird.

Vergleiche dieses Albums und des allgemeinen Tons der Band sind ob der Variabilität schwer zu ziehen. Manches mal erinnert mich der Gesamtklang an „Callenish Circle“ zu ihrer „Graceful... Yet Forbidding“-Zeit, dann aber auch doch wieder nicht. Klangliche Einflüsse von „Death“ sind ebenfalls nicht zu leugnen, stellen aber nicht die Majorität im Klanggewand dar. So sehr auch Schubladendenken die Kategorisierung erleichtern mag, hier lässt sich schwer ein treffender Vergleich ziehen.

 Soviel soll nun mal zu einigen Stücken und dem Sound selbst gesagt sein. Wie sieht es denn nun mit dem Mastering aus? Die Produktion ist klar, sauber, alles klingt akkurat eingespielt. An einigen Stellen wirkt die Musik etwas höhenlastig, so dass ich mir ganz persönlich mehr „Kick“ gewünscht hätte, da dies aber nur vereinzelt der Fall ist rechne ich das dem Album nicht als Minuspunkt an. Wo vorherige Anmerkung nicht zutrifft ist die Klangmischung in der Regel sehr ausbalanciert, ohne übertriebene Stellen oder zu schwachen Passagen. Die Instrumente übertönen sich an keiner Stelle gegenseitig, was ich als deutlichen Pluspunkt werte.

Erwähnt werden sollte, dass viele Gastmusiker an dem Album beteiligt waren und mitwirkten. So haben unter Anderen stellenweise Mitglieder der aus Japan stammenden Band „Gonin Ish“ oder örtliche Mitglieder wie zum Beispiel Marco & Doro von „Obscure“ ihren Beitrag zum Silberling geleistet.

Die Scheibe ist direkt über die Band erhältlich und wird auf Konzerten oder nach Mail- bzw. MySpace-Kontakt verkauft. Wer also Interesse hat meldet sich am Besten direkt bei der Band.

Fazit:

Demento waren noch nie gewöhnlich, also erhält man hiermit auch ein ungewöhnliches Album fernab jeglicher Mainstream-Strömungen. Songs wie „Selected Abysmal Lunacy“ setzen sich mit ihrem melodisch/rockigem und basslastigem Fundament sofort im Kopf fest und die gebotenen technischen Spielereien sorgen dafür, dass es immer wieder „Aha-Momente“ gibt. Ein Album für Freunde eher extremerer progressiver Musik sowie auch generell etwas für Death Metal-Fans.

Persönliche Anspieltips: Erase Routine, Selected Abysmal Lunacy, Ambition Is Fading

Tracklist:

01 Erase Routine – 08:12
02 Selected Abysmal Lunacy – 06:35
03 Unruh – 00:42
04 Signs – 06:33
05 When Darkness Becomes Strength – 11:01
06 Near Distance – 04:32
07 Tomorrow’s Diary – 05:51
08 Ambition Is Fading – 06:01
09 The Last Picture – 05:35
10 Ausflucht – 01:33

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten (spitze)

Marius

Links zum Thema:
http://www.myspace.com/dementometal