Die Kutte

Kutten (1)War sie früher für den Metaller fast schon ein Muß und sein ganzer Stolz, ist sie doch heute eher seltener geworden.

Es gibt zwar wieder einige Jungmetaller, die der alten Tradition nacheifern, aber es ist doch nicht mehr so ganz dasselbe. Zu mal heute eher die Patches auf Rucksäcken, Umhängetaschen oder anderen komische Sachen genäht werden anstatt auf ne Jeansweste. Ok einige von den Bands die da vernäht werden haben auf ner anständigen Kutte ja auch nix verloren. Linkin Park, Slipknot, Korn usw. gehören nun mal nicht auf eine Metal-Kutte wurden sie doch von einem Gross der Szene nie als Metal anerkannt…

Aber drehen wir die Zeit mal etwas zurück ins Jahr 1988 als ich meine erste Kutte erschaffen habe. Im zarten Alter von 13 Jahren besitzen die wenigsten schon eine kuttentaugliche Jeansweste. Also Mama so lang genervt bis man endlich die überflüssigen Ärmel von der langweiligen Jeansjacke abschneiden durfte, und wo wir grad dabei sind kann der Kragen gleich mit weg. Ganz Fanatische haben sogar die Knopfleisten entfernt aber man muss ja nicht gleich übertreiben.

So das Grundmaterial war somit veredlungsbereit. Eine schön frisch zerfledderte Jeansweste in stonedwashedblau, perfekt !!! ;)

Kutten (2)So Kommen wir zu den Aufnähern bzw. erstmal zum Herzstück der Kutte der Backpatch. Früher gab es ja im Gegensatz zu heute noch ne riesige Auswahl an diversen Backpatches. Da gab es am Johannimarkt in Grenzach jedes Jahr nen Stand nur mit Patches usw. Dort konnte man jedes Iron Maiden Cover (auch Single) bis zur Seventh Son of a Seventhson als Backpatch bekommen, und unzählige Metallica (damals waren die ja noch wirklich cool ) ,diverse Megadeth usw. also damals gab es fast alles.

Das war auch gut so weil man achtete damals noch sehr drauf, dass nicht etwa noch einer den selben Rückenaufnäher wie man selber Trug. Ok an Festivals oder weiter entfernten Konzerten war das was anderes, aber in der Regio wollte man doch einizgartig sein. Warum? Hm nennt es Eitelkeit oder einfach weil es ein ungeschriebenes Gesetzt war. Ich jedenfalls hab 4 mal den Backpatch gewechselt weil plötzlich wieder Einer um die Ecke kam der genau den Selben aufm Rücken hatte. Warum der ihn nicht gewechselt hatte? Ganz einfach der war entweder grösser, älter oder stärker oder alles zusammen als ich… lach.

Aber ich fand das selber auch ganz ok so. Schliesslich ist der Rückenaufnäher so etwas wie das Erkennungsmerkmal deiner Kutte, ihn erkennt bzw. sieht man ja als erstes wenn du wo stehst und man dich nur von hinten sieht. Sollte man aber trotz der grossen Auswahl keinen gescheiten gefunden haben. Hier ein Tip von mir: ein T-shirt tut es auch einfach das Frontmotiv ausschneiden, aufnähen fertig isn 1a Rückenpatch.

Kutten (5)Aber genug dazu, hatte man endlich den richtigen BP, gings weiter mit den kleinen Patches. Ja richtig davon gabs damals auch tausende, nicht wie heute wo man in jedem Mailorder oder auf jeden Festival die gleichen in der selber Grösse und Form und nur noch bestimmte Bands bekommt. Nein damals gabs da echt ne mega Auswahl, kleine, grosse, runde, shape usw. Es gab damals die Bandlogos nicht nur als Stripepatch. Nee die gab es noch richtig gross in Form des jeweilgen Logos, ein Kumpel hatte schön über seinem Motörhead Rock n Roll BP ein hellgrünes Exoduslogo genäht, das war so ca 20 cm breit. Sowas findet man ja heute leider kaum noch, wenn überhaupt…. Es ist auch ganz und gar erlaubt den Backpatch mit dem Bandlogo einer andern Band zu übernähen bzw. das BPlogo. Es kam des öfteren vor das zum Beispiel ein Iron Maiden Killers oben drauf ein Metallicalogo hatte oder Anthrax wurde mit King Diamond verschönert usw. War alles da und hat keinen gestört. Je individueller die Kutte um so besser. Es wurde auch kein Geschiss gemacht ob die kleinen Patches jetzt gestickt oder bedruckt waren. Grade die Bedruckten waren damals noch sehr in Mode, sie waren billiger und es gab von ihnen daher viel mehr unterschiedliche als von den Gestickten. Ja ok irgendwann lösten sich die Bedruckten langsam auf, aber wenn kümmerte das dann kam halt ein neuer Patch drüber und fertig.

Was aber ganz wichtig war, das man nur Patches auf seiner Kutte hatte von Bands die man kannte, egal ob man sie einmal an nem Konzert gesehen hatte oder nur 2-3 Songs kannte, jedenfalls musste man etwas über die Band wissen bzw. sagen können den damals gab es noch an viel Orten den Kuttentest bzw. ältere Metaller achteten Kutten (6)darauf das keine Pseudos, oder Modemetaller oder einfach nur Mitläufer mit Kutte rum rannten, denn für den richtigen Heavy war die Kutte etwas heiliges daher eben jener Patchtest aber dazu später mehr.

Oh fast hätte ich es vergessen, das lesen jetzt bestimmt einige nicht sehr gern, aber Leute es ist nunmal fakt, dass man alle Patches selber auf seine Kutte nähen muss!!!! Das gehört einfach dazu und es ist egal wie wenig ihr nähen könnt und wie schief der Aufnäher nachher dran hängt , ja auch wenn ihr sogar 50 mal wieder nachnähen müsst das ist einfach selbstverständlich, dass man das selber macht. So schwer ist es nämlich gar nicht so nen kleinen Fetzen an ner Jacke fest zu machen und nein auch Nähmaschinen sind verpöhnt!

Sein wir doch mal ehrlich nur wer selber dabei ist wie seine Kutte entsteht er sich beim aufnähen des geilen Slayer-Patches 50 mal in den Finger sticht und somit mit seinem Blut als erster SEINE Kutte einweiht der kann auch nicht sagen das es seine Kutte ist und das er stolz drauf is. Stolz is man ja wohl meist nur auf etwas was man selber erreicht hat und Mutti die Weste und die Patches hinzulegen und drauf zu warten das sie eure Arbeit macht, also nee…beim nähen baut man schliesslich schon ne art Beziehung zu seiner Kutte auf , wenn der Patch dann endlich drauf is, ist das Gefühl doch gleich 2 mal so geil wenn man das selber fabriziert hat aber gut, is ja alles nicht mehr so wie damals.

OK wenn dann also endlich genügend oder alle Aufnäher drauf sind…ACHTUNG!!! Eine Weste bzw. Jacke mit einem Backpatch und 2-5 kleinen Aufnähern ist keine Kutte! Eine Kutte fängt so bei etwa 14-20 Patches an!!!! So Patches allein machen eine Kutte zwar schon zur Kutte, aber da gehört von Rechtswegen ja doch nochn bissle mehr drauf. Nieten waren ein sehr beliebtes Dekor für die Kutten der 80er es gab damals aber lediglich 3 Arten Pyradmiden-, Flach bzw. Spitz- und Killernieten. An die Bewaffnungsmöglichkeiten von heute hatte damals noch keiner gedacht. Nieten wurden meist in grosser Anzahl über die ganze Kutte verteilt wobei die Killernieten fast immer die Schultern verzierten. Es gab aber auch andre Möglichkeiten, einer meiner Kumpels hatte seine ganzen Zwischenräume mit Pyramidennieten abgedichtet, sah echt klasse aus. Ein Anderer hatte die Idee gehabt 280 Killernieten auf seiner Kutte zu verteilen, ok es machte schon was her aber die Möglichkeit die Kutte als Kopfkissen zu benutzen fiel damit flach.

Kutten (3)Was heute kaum noch welche wissen, ist das es bei Maidenfans üblich war über ihren Iron Maiden Backpatch eine Kette zu hängen. Im schnitt war diese Kette ca. 10 cm länger als der Patch breit war und wurde so angenäht das jeweils 5 cm Kette links und rechts runter hingen. Aber Ketten konnten auch sonst in jeder Länge und Form an der Kutte drann sein z.B. als Pentagramm über dem BP oder wie auch immer war ja schliesslich ne METALL Kutte hahahahaha. Pins waren damals auch sehr beliebt und kommen ja jetzt wieder in Mode.

Anfang der 90 kamn dann auch die Metalpins auf den Markt meisten waren es in Zinngegossene Bandlogos die evtl. noch irgendwas Bandbezogenes unten drann hatten z.B. ein Metallicalogo mit dem Damage Inc. Motiv darunter.

Da man es kaum erwarten konnte mit seiner frisch entstanden oder auch erst halb fertigen Kutte auf die Strasse zu gehen, konnte es einem passieren, dass man ein paar alten Heavys über den weg lief die schon länger eine Kutte hatten und in der ortsansässigen Szene gut bekannt waren. Und wie vorher schon erwähnt war man früher lange nicht so tolerant wie heute und es wurde noch ganz genau drauf geschaut wer ne Kutte trägt oder überhaupt eine tragen darf . Und wenn man die Jungs noch nicht kannte wurde man ( jedenfalls so in Rheinfelden ) zum Kuttentest gebeten.

Der Kuttentest: Es lief in etwa so ab: ein oder mehrere Heavys haben einen Kuttenneuling entdeckt (gegen Metal-Shirt träger hatte man nix weil was willste da schon gross machen? Aber bei Kutten war man doch etwas pingeliger) und diese wurde dann erstmal auf sein Fachwissen hin geprüft weil was man nun wirklich nicht wollte, und was es heute leider viel zu viele gibt, waren Modeheavys oder Ich-trag-jetztsowas-um-cool-zu-sein-Typen. Da kamen dann so fragen wie:“ Aha Metallica Master of Puppets…weißt du überhaupt wie das erste Album von denen hiess?“ oder „Anthrax was kennste denn von denen?... usw. Es reichte oft schon wenn man sagen konnte man habe die Band an nem Konzert gesehen und sich dort den Aufnäher besorgt oder man kenne diesen und jenen Song und finde die halt einfach geil. Je mehr man wusste umso besser und umso grösser war die Anerkennung der anderen.

Kutten (4)Ganz schlecht wares wenn man sagte:“ ich hab den nur drauf weil der geil aussieht….“ So manche Kutte ging da plötzlich in Flammen auf oder lag zerfetzt am Boden. Mit ganz viel Glück wurde ledigtlich der Patch runter gerissen wenn man Pech hatte gabs nochn blaues Auge. Jaja als nachwuchs Heavy (mit Kutte) hatte man es nicht so leicht wie heute. Aber hatte man den Test erfolgreich bestanden gab es meist erstmal nen Bier spendiert und man war im Kreis der Auserwählten aufgenommen oder durfte halt gern mit den alten Hasen abhängen. Mich wollte mal ein nicht-Kuttenträger testen, der ist dann aber ganz schnell von den andren Heavys drauf hingewiesen worden das er besser die Klappe halten sollte da er in der Hinsicht gar nix zu melden hätte.

Tja so was das auch mit dem Zusammenhalt damals noch. Was einer Kutte nun noch zur absoluten Vollendung fehlte war die Kuttentaufe.

Die Kuttentaufe: Wie diese ab zu laufen habe, da gab es unterschiedliche Ansichten hier mal die 2 gebräuchlichsten Varianten:

1. die Party-spontan-Taufe

man hing auf ner Party rum hatte schon gut einen im Tee und überlegt was man jetzt anstellen könnte oder auf was man noch trinken könnte. Da fiel plötzlich einem ein das die Kutte von sowieso noch gar nicht getauft wäre. Also Kutte ausziehen, sämtliche Getränke drüber geleert, vorsichtig nicht alles, man will ja noch was runter schütten ;) , die Kutte aufm Boden rum gekloppt drauf rum gesprungen , Jubel , fertig weiter saufen!

Etwas strenger nahm man es da schon mit der 2. offiziellen Taufe da wurde dann extra ne Party organisiert alle Freunde eingeladen gut Party gemacht meist Open Air und dann um 12 wurde die Kutte genommen mit diversen Getränken voll geschüttet, einige pieselten auch drüber einer fuhr noch mit m Mofa drüber ( Achtung! Nicht auf der Kutte bremsen!!) und dann wurde ein Loch gebuddelt und die Kutte bis zum nächsten Morgen vergraben. Der Besitzer durfte sie dann morgens ausgraben und das herrlich stinkende Ding mit nach Hause nehmen .Wo die heilige Kutte erstmal 3 Wochen auf dem Balkon hing damit wenigstens ein bisschen von dem Gestank verschwand. Denn waschen darf man eine Kutte nicht schon gar nicht wenn sie getauft ist. Ok es gibt kleine Ausnahmen in Notfällen. Wie bei mir geschehen als ich von nem Kumpel sein Fläschchen mit Kunstblut in meine Tasche gesteckt hab, das Zeugs ausgelaufen ist und meine Kutte orangerot leuchtete da hab ich sie genommen in die Dusche gehängt Duschdas drauf (damit das widerliche rot weggeht) und sie abgebraust. Aber eben sowas ist nur in absoluten Notfällen erlaubt!! So ich hoffe ich konnte euch die Philosophie der 80er Kutten und ihrer Träger etwas näher bringen und evtl. konnte ich auch den einen oder andrer von Euch für diese schöne Metaltraditon begeistern. Stay heavy!!!!!

Gorefield

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