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Distortion Zone Festival
Genau dies tat man dann auch an einem Samstag Abend, Anfang Mai. Mit dem Gedanken, dass man – auf Grund von eigener Verspätung – so manche Band wohl verpasst habe, war man doch etwas überrascht, dass man „nur“ den Opener THE RÄTZ verpasst hatte. So kam man genau pünktlich zu ¿HORSE?, einer Band aus Karlsruhe, wie man später erfuhr. Schon zu Beginn wurde einem Bewusst, dass die Band mit ihrer Musik keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen würde. Eher im Downtempo-Bereich ist die Musik der Band anzusiedeln. Anfangs erinnerte die Musik ein wenig an My Dying Bride. Aber auch Bands wie Black Shape Of Nexus, Neurosis oder Isis könnte man als adäquade Vergleichsmöglichkeiten Nennen. Im Billing des Abends stellte die Band eher eine Exotenrolle dar, was wohl erklären dürfte, wieso vor der Bühne verhältnismäßig wenig los war. Die Musik der Band wußte – zumindest für Leute, ohne Scheuklappen – doch zu begeistern. Der Auftritt war soweit auch in Ordnung, wobei die Truppe ihre Samples von der Bühne aus mit einem Laptop beisteuerte, was irgendwie einen semiprofessionellen Eindruck hinterlies. Gehört hat man von diesen Samples leider fast nichts. Gestört hatte es aber nicht und für Fans von Doom, Sludge etc. ist die Band dennoch zu empfehlen. Eine weitere mir unbekannte Band waren die Jungs von STONEVICE. Anfangs dachte ich, wir hätten es hier mit einer Band aus dem Ausland zu tun, da der Frontmann nur auf Englisch quatschte. Aber dann sickerte durch, dass die Band zu meiner Überraschung gar aus der Gegend – genauer gesagt aus Wiesloch stammte. Die recht Junge Truppe brachte dann modern angehauchter Thrash nach St. Leon was vor der Bühne dann für mehr Bewegung sorgte. Die Musik kam sichtlich besser beim Publikum an. Nach einer dreivierteljährigen Pause war der Auftritt der Band quasi ihr Comeback. Der Auftritt an Sich war gut. Auch, wie der Frontmann die Meute vor der Bühne zum mitmachen animieren konnte. Aber dennoch unterstelle ich der Band noch mehr Potential, als sie an dem Abend musikalisch dargeboten haben. LAMERA aus Mannheim waren nun der nächste Kandidat. Zumindest vom Namen her war die Truppe mir schon länger ein Begriff. Aber weder hatte ich sie bis dato live zu Gesicht bekommen, noch sonst irgendwo ihre Musik gehört. Mit dem Hintergedanken, dass die Truppe auch in eher morderneren Gefilden und wohl im Metalcoreeinheitsbrei Anzusiedeln wäre, war ich recht skeptisch. Doch von Anfang an hat die Truppe mir musikalisch einen vor den Latz geknallt, das mir hören und sehen verging. Zwar kann man die Musik wahrlich in morderneren Gefilden ansiedeln und sicherlich sind auch Coreelemente nicht zu verhören. Aber mit welchem Druck die Truppe ihre Musik hier aus der PA herausbrückelte lies mein Kinn erstmal Richtung Erdmittelpunkt sacken. Weitgehend mit Growls bestückt und mit ordentlich Bumms wussten die Songs durch die Bank zu überzeugen. Gesanglich hat mich Gitarrist und Sänger Tom stark an einen gewissen Cristo (Ex-Paniczone, Fall In Grace) erinnert. Und zu unser aller Überraschung, kam eben genau jener welcher für die letzten beiden Songs auf die Bühne, um diese gesanglich vorzutragen. Vor der Bühne war indes deutlich mehr los, was wohl durch den extrem guten Sound mit bewirkt wurde. Aber dennoch, hätte die Truppe mehr Leute vor der Bühne verdient gehabt. Astreiner Auftritt. NEW BORN HATE durften nun die Bühne entern. Aus der Band Agoraphobia hervorgegangen hatte sich die Truppe Anfang des Jahres in NEW BORN HATE umbenannt, da die (zukünftige) Musik durch Besetzungswechsel mit den alten Agoraphobia nicht mehr viel gemein hat. Da das Repertoire von N.B.H. noch nicht so groß ist, wurden natürlich noch einige Stücke aus Agoraphobia-Tagen gespielt. Sowohl vom Album „Sick“ als auch von „The Fire Inside“ wurden Songs gespielt, welche von den Fans natürlich dankbar angenommen wurden. Mit ein paar neuen Songs konnte man auch einen Eindruck davon bekommen, wo der Weg von N.B.H. noch hingehn wird. Der Weg der mit „The Fire Inside“ eingeschlagen wurde, wird die Band wohl weitergehn. Dies erwecken zumindest die gespielten neuen Songs, wobei man hier und da sich wohl auf Experimente gefasst machen sollte. So wurden bei einem der neuen Stücke – Name is mir leider entfallen ;) – fast schon ruhigere Passagen angeschlagen und so schwang dieser Song zwischen besagten Abschnitten und flotteren Songfragmenten hin und her. Die anderen neuen Stücke kamen mir zum Teil etwas progressiver vor. Im Vergleich zu LAMERA war der Sound bei NEW BORN HATE nicht ganz so gut, wodurch es nicht ganz so einfach ist, sich ein objektives Bild von den neuen Stücken zu machen. Zum Gig an sich kann man nicht viel sagen, außer, dass er wie in alter Agoraphobia – und nun wohl in neuer NEW BORN HATE – Manier sauber abgearbeitet wurde und den Fans vor der Bühne auch ordentlich eingeheizt wurde. Zum Abschluß des Abends waren die regionalen Durchstarter von CYPECORE angeheuert worden. Die junge Truppe aus Sinsheim, die in der doch relativ kurzen Zeit, in welcher sie die Gegend beackern, hat schon den einen oder anderen Kontest für sich entscheiden können, oder war zumindest beachtlich weit gekommen. Hier hatte es die Truppe in fast heimischen Gefilden auch mit weitgehend heimischem Publikum zu tun, wodurch es ein leichtes Spiel war, die Meute auf ihre Seite zu ziehen. Manche Musiker macht es sicherlich neugierig, wie denn ihre Musik klingt, wenn sie vor der Bühne stehn. So hat man ein Experiment gewagt, Kumpels eingeladen, welche Cypecore imitierten und sich selbst eben unter das Publikum gemischt. Die CYPECORE-Jungs durften so ihren Song „Final Hour“ vom Pit aus verfolgen. Instrumental hat die CYPECORE II Truppe – ich glaube sie nannten sich Highscore oder so ähnlich – ihre Arbeit astrein erledigt. Lediglich gesanglich wars nicht ganz astrein. Aber dennoch ein amüsantes Zwischenspiel. Das Konzert war für uns danach dann aber auch schon vorbei, da wir uns wieder auf den Heimweg machten. Während CYPECORE sich wieder auf die Bühne begaben und das Theme zu Tetris spielten machten wir den Abflug. Zum Festival an sich, gibt’s überhaupt nichts zu meckern. Die Bandauswahl war gut und mit The Rätz, ¿Horse? und Stonevice hat man auch noch recht unbekannte Band auf das Billing gepackt und den Jungs eine nette Supportmöglichkeit geboten. Auf vielen Konzerten und Festivals meckert man ja eigentlich, dass die Preise für Essen und Getränke zu teuer sind. Nicht so aber beim Distortion Zone Festival. Hier konnten selbst extrem klamme Schüler und Studenten sich ordentlich einen hinter die Binde gießen, ohne Angst haben zu müßen mit leerem Geldbeutel wieder den Abgang zu machen. Ok, es sei denn, sie hätten wirklich alles versoffen. Die Preise waren auf jeden Fall – ja fast schon zu günstig. Auch war das Angebot an Verköstigungen sehr gut. Zur Location selbst kann man auch nicht im geringsten meckern. Aller erste Sahne das Festival! Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs nächstes Jahr das Festival wieder aufziehen. Oimel |
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