Interview mit Dorn

Seid rund zehn Jahren gibt es bereits DORN. Zunächst als Soloprojekt, schließlich als mehrköpfige Band. Aber viel mehr als melodischer Black Metal Geheimtip ist die Band nie wirklich geworden. Wir sprachen mit Bandkopf Roberto und Bassist Micha.

Vermutlich wird der eine oder andere mit einer Band Namens DORN nicht viel anstellen können. Stellt euch doch mal kurz vor, wer ihr seid, wo ihr her kommt, etc.!

Micha: Nach einigen Besetzungswechseln bestehen wir momentan aus Roberto (Gitarre + Gesang), Micha (Bass) und Jule, die uns bei unserer Bühnenshow unterstützt. Drums und Keys sind zur Zeit nicht besetzt, was Dank der heutigen Technik jedoch kein allzu großes Problem mehr darstellt.
Wir kommen aus Potsdam bzw. Berlin.
Musikalisch nennen wir unser Schaffen „Melodic Black Metal“, aber das ist im Grunde nur ein beliebiges Label von vielen, etwas, das wie viele andere teilweise passt und teilweise nicht passt. Eine komplett passende Schublade haben wir bis jetzt noch nicht gefunden.

Bis 2000 war Roberto auch bei RIGER beschäftigt. Wie kam es, dass neben RIGER dann auch DORN ins Leben gerufen wurde?

Roberto: Das lag daran, dass ich eine andere Art von Musik machen wollte. Also habe ich damals neben Riger einfach ein Side-Projekt gestartet. Damals noch solo.

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Anfangs war DORN ein Soloprojekt. Was war der ausschlaggebende Grund daraus eine bühnentaugliche Band zu formen?

Roberto: Nachdem ich Riger verließ, habe ich einige Jahre allein weitergemacht mit DORN. Aber irgendwann kam bei mir auch der Wunsch auf, wieder live zu spielen. Also entschloss ich mich dazu, aus dem Soloprojekt eine Band zu formen.

Wie kamen die Mitmusiker letztendlich mit DORN in Kontakt? Wurde Anzeigen geschaltet oder wie lief das ab?

Micha: Ich war damals in einer anderen Band und Roberto war ein Bekannter unseres damaligen Gitarristen. Irgendwann stand er bei uns im Proberaum, hat uns seine Musik vorgestellt und gesagt, dass er noch Leute sucht, mit denen er als Band auf der Bühne stehen kann.
Da meine damalige Band bereits von ersten Auflösungserscheinungen gezeichnet war, hab ich mir das mal näher angesehen, Roberto kennen gelernt und tja, bin dann dabei geblieben. Das ist jetzt ungefähr… weiß nicht genau… 6? 7? Jahre her.
Andere Musiker kamen meist durch Anzeigen in einschlägigen Internet-Foren, sind aber inzwischen alle wieder Geschichte

Wie hat sich seit dem die Band entwickelt? Gab es viele Line-Up Wechsel?

Micha: Leider viel zu viele, ja. Wir hatten mal eine Sängerin (Ira), einen Drummer (Sebastian) und 2 Keyboarder (Lars, Jennie), die leider alle aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei uns sind.
Das macht natürlich ein paar Probleme. Beim Schreiben der Songs müssen wir uns ums Schlagzeug mit kümmern, auf der Bühne fehlt manchen Zuschauern das Verständnis für Instrumente, die „vom Band“ kommen und jede Neubesetzung einer Position bedarf immer viel Einarbeitung, Erklärung, sich-aneinander-gewöhnen usw.
Wir haben in der Zwischenzeit gelernt, ganz gut mit der Situation umzugehen, dennoch wären uns natürlich ein Drummer und ein Keyboarder aus Fleisch und Blut lieber.
So viel zur personellen Entwicklung. Musikalisch kann man wohl sagen, dass wir mit jedem Song versuchen, die eingeschlagene Richtung weiter zu vervollkommnen. Wir versuchen immer, viel Emotion und Dramatik in unsere Musik zu packen und diese mit Eingängigkeit zu verbinden.
Lyrisch wenden wir uns immer mehr einem durchgängigen Konzept zu, einem roten Faden, der alle Songs miteinander verbindet. Man kann sagen, dass wir dabei sind, eine eigene Welt zu erschaffen, mit immer wiederkehrenden Charakteren und ihren Beziehungen zueinander

Welche Bedeutung hat euer Bandname DORN?

Dorn Band (1)Roberto: Lange habe ich über einen Namen nachgedacht. Er sollte auf jeden Fall kurz und auch deutsch sein. Bei der Überlegung habe ich mich auf meine Texte bezogen. Da ich lyrisch damals eher in die gesellschaftskritische
Richtung tendiert bin, passte der Bandname ganz gut. Ein Dorn wird nicht gleich jemanden umbringen, aber schmerzhaft kann er trotzdem sein. Genauso gut kann er einen Schlafenden wecken.

Wie wichtig sind für euch eure Lyrics und welche Themen behandelt ihr in euren Songs?

Micha: Um es vorweg zu nehmen: die Lyrics sind uns ausgesprochen wichtig.
Es war von Anfang an so, dass es auf jedem Album ein größeres Thema gab, das in mehreren Songs behandelt wird. Da waren zunächst Gesellschaftskritik („Falschheit“), zwischenmenschliches („Brennende Kälte“), Auswirkungen vergangenen Tuns („Schatten der Vergangenheit“) und Selbstmord („Suriel“).
Seit „Spiegel der Unendlichkeit“ arbeiten wir an einem durchgehenden Konzept, das auch auf dem kommenden Album weitergeführt werden wird. Im Wesentlichen dreht es sich dabei um einen ewig währenden Kampf zwischen abstrakten Mächten, die bei uns durch Winter und Feuer symbolisiert werden.
Ins Reale übertragen kann jeder Gegensatz darauf projiziert werden: Gut gegen Böse, Arm gegen Reich, Glaubenskriege, Standeskämpfe usw.

Ist es für euch sehr wichtig deutsche Lyrics auf euren Alben zu verwenden?

Roberto: Naja, wichtig ist relativ. Es ist meine Muttersprache und ich beherrsche sie besser als z.b. Englisch. Zudem kommt noch hinzu, dass man in deutsch doch viel härtere Wörter findet. Englisch ist alles so weich. Außerdem kann ich in Deutsch besser ausdrücken, was ich denn zu sagen habe.

Wer ist bei euch für die Texte zuständig?

Roberto: Ich

Wie läuft bei euch das Songwriting ab?

Roberto: Meistens schreibe ich ein "Gerüst". Dann schraubt man hier und da noch herum, möchte noch ein Zwischenstück, ein Outro usw. Der Musik merkt man sicherlich auch an, dass ich meistens mit den Synths beginne. Danach kommt der Rest. Früher schrieb ich fast ausschließlich allein. Heute sind die eigenen Ansprüche so dermaßen gestiegen, dass ich Hilfe beim Schreiben brauche. Da kommt Micha ins Spiel.

„Spiegel der Unendlichkeit“ aus dem Jahre 2007 ist bisher euer letztes Album. Wird es in absehbarer Zukunft etwas neues von euch zu hören geben?

Roberto: Ja, natürlich. Nur, wie ich eben erwähnte, ist es gar nicht so einfach mit seinen eigenen Ansprüchen klar zu kommen. Wir haben bereits neues Material, spielen es auch schon live. Also neues Album ist incoming.

Was bedeuten die einzelnen Albumtitel für euch?

„Falschheit“:

Roberto: Falschheit handelt von der Falschheit der Menschen. In den verschiedensten Lebenslagen und in meinen bisherigen Erfahrungen.

„Brennende Kälte“:

Roberto: Das Album handelt von den zwischenmenschlichen Gefühlen und ihrer Ironie. Deshalb ist auch der Albumtitel sehr gegensätzlich gewählt.

„Schatten der Vergangenheit“:

Roberto: Die Texte behandeln das wohl bekannte Problem, dass einem immer ein Schatten anhaftet, wenn man irgendetwas in der Vergangenheit getan hat, das Menschen zu Urteilen veranlasst.

„Suriel“:

Roberto: Suriel ist der gütige Todesengel. Das Album handelt vom Tod, von Suizid und von meinen Ansichten über das gesamte Thema.

„Spiegel der Unendlichkeit“:

Roberto: Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse. In zweiter Ebene ist hier auch der Glaubenskrieg kritisiert.

Eure Plattenfirma CCP Records ist von Anfang an euer treuer Wegbegleiter. Wird das auch weiterhin so bleiben oder denkt ihr auch über einen möglichen Wechsel zu einer anderen, vielleicht größeren und bekannteren Plattenfirma nach?

Dorn Band (2)Micha: Keine ganz einfache Frage. Grundsätzlich kann man als Band mit unserem Bekanntheitsgrad wohl schon zufrieden sein, wenn man überhaupt einen Labelvertrag angeboten bekommt. Der ganze Prozess eine CD aufzunehmen und zu vertreiben, wird dadurch schon wesentlich erleichtert.
Wer kann schon sagen, was die Zukunft bringt? Die Zusammenarbeit mit CCP war keine schlechte, obwohl man natürlich immer Dinge findet, mit denen man unzufrieden ist, wenn man nur sucht. Ob es hier bei einem anderen Label tatsächlich besser oder schlechter ist, wissen wir im Moment aber nicht. Wir sind einer weiteren Zusammenarbeit mit CCP nicht abgeneigt, sind aber auch nicht mit ihnen verheiratet. Es wird wohl so laufen, dass wir sehen, welche Angebote wir bekommen, wenn das neue Album weit genug ist, dass wir über die Aufnahmen nachdenken können.

Was macht den Sound von DORN aus und wie hat er sich eurer Meinung nach in den Jahren seid bestehen von DORN verändert?

Roberto: Das wohl markanteste an Dorn ist - und wird es sicherlich auch immer bleiben - die sehr keyboardlastige Atmosphäre. Ich mag kein Geknüppel, ich mag Rhythmus. Das gepaart mit Piano, Streichern, Chören und man hat DORN.

Wo liegen eure musikalischen Wurzeln und in wiefern zeigt ihr euch davon beeinflusst?

Micha: Meine musikalischen Wurzel liegen irgendwo in den 80ern: Metallica, Megadeath, Iron Maiden, Moonspell, Amorphis, später kamen dann Samael, Dimmu Borgir, Machine Head, Fear Factory, Opeth, Katatonia, Hypocrisy oder auch Tristania hinzu.
Inwiefern uns das beeinflusst ist schwer zu sagen. Es ist einfach die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, die ich seit Jahren mehr oder weniger intensiv höre. Sicher ist sie auch im Kopf, wenn wir neue Songs schreiben, obwohl es nie so war, dass wir klingen wollten, wie diese oder jene Band.

Sind die DORN-Mitglieder auch noch in anderen Bands aktiv oder konzentriert sich jeder einzelne voll und ganz auf DORN?

Roberto: Alle von uns sind nur bei DORN.

Was treibt ihr abseits der Musik den lieben langen Tag?

Roberto: Neben dem alltäglichen Arbeitstag bin ich doch ein sehr passionierter Gamer in der MMO-Szene. Für sehr viel mehr bleibt mir kaum Zeit.

Micha: Viel gibt es da nicht zu erzählen, der Löwenanteil an Zeit geht tatsächlich für den Job und Dorn drauf. Wenn dann noch Zeit bleibt, verbring ich sie mit meiner Freundin oder Bekannten, geh ganz gern mal auf Konzerte, fahr im Sommer zu Festivals usw.

Wie seht ihr die Zukunft von DORN? Gibt es noch das eine oder andere Ziel, dass ihr erreichen wollt?

Micha: Sicher gibt es noch Ziele, aber keine in Richtung Weltherrschaft oder ähnliches. Wir wollen so, wie es mit Dorn läuft, weiter machen. Hoffen, dass wir 2010 die Songs fürs neue Album fertig schreiben und in einem vernünftigen Studio aufnehmen können.
Ansonsten versuchen wir Nach wie Vor möglichst viel aufzutreten und unsere Musik live präsentieren zu können. Wir hoffen natürlich hier auf die eine oder andere Zusage bei Festivals oder bekannteren Clubs.
Abrunden ließe sich unser Wunschzettel durch ein beständigeres Line-Up, bei dem ein Drummer und ein Keyboarder dabei sind.

Danke für das Interview. Zum Abschluss gehören die letzten Worte euch.

Micha: Auch wir bedanken uns für das Interview. Seid gespannt, was es 2010 von uns zu hören gibt, besucht ein Konzert von uns und schaut mal bei www.d-o-r-n.de oder www.myspace.com/dornmetal vorbei, vielleicht gibt es da demnächst einen Vorgeschmack aufs neue Album

Oimel

(© Pics by Dorn)