Interview mit Erik Teichert (Parsifall/The Slightest Evil)

Ehrlich und ungezügelt!

Was nicht alles passieren kann, wenn man jemanden nach einer Zigarette fragt! Gerade durch diese kam dieses Interview hier zu stande. Als man sich austauschte und sich herausstellte das Redakteur und Musiker sich gegenüber standen (dies war beim Zabbaduschder 6 Festival) kam das eine andere zum anderen und man vereinbarte einen Termin für ein Interview. Erik Teichert seines Zeichens Drummer bei Parsifall und The Slightest Evil, hat sich zum sich meinem Kreuzverhör über seine beiden Bands "Parsifall" und "The Slightest Evil" und dem Metal allgemein gestellt.

Hallo Erik. Wie bist Du zum Metal gekommen und durch welche Band/Bekannten etc. wurdest Du darauf aufmerksam?

An sich war ich durch den Musikgeschmack meiner Eltern schon immer von Hard Rock und Metal umgeben, konnte aber bis ins Alter von so 14-15 Jahren nichts damit anfangen (klar… in dem Alter lässt man sich ja noch von MTV diktieren, was man zu hören hat). Harte Musik mögen habe ich aber mit Bands wie Slipknot und Limp Bizkit gelernt, und dann begann ich, mich für die Musik aus dem CD-Regal meiner Eltern zu interessieren. Naja, und den finalen Stoß gab mir eine AC/DC-Coverband auf einem Festival in Würzburg. Da lernte ich Live-Rockmusik inklusive der Menschen kennen und lieben.

Was fesselt Dich so sehr an dieser Musik und welche Arten des Metals hörst Du am liebsten?

In erster Linie fesselt mich Metal (und andere harte Musik) so sehr, weil er ehrlich, direkt und ungezügelt ist. Für mich ist diese Art von Musik ein unmittelbarer Ausdruck von Emotion und Charakter (egal ob in Lyrics oder auf dem Instrument) für den man sich weder rechtfertigen noch erst recht nicht entschuldigen muss. Frei nach dem Motto: Akzeptiere mich, so wie ich bin, versuche mich zu verstehen, und respektiere mich…ansonsten lass es bleiben, und lass mich in Frieden – diese Einstellung versuche ich auch, im Alltag (so weit wie möglich) zu leben.

Der zweite Aspekt ist sicher die muikalische Vielfalt, Kreativität und musikalische Freiheit, die mich als Musiker natürlich früher oder später faszinieren musste.

Meine Vorlieben liegen mittlerweile vorwiegend im Bereich Melodic Death, neuerer Thrash, und Metalcore (die härteren Geschichten) naja, und alles was so dazwischen liegt…achja, und natürlich DREAM THEATER…die sind ja fast schon ne eigene Musikrichtung.

Welche Alben sind für Dich in Deiner Alben-Sammlung unverzichtbar?

Hm, dafür setze ich mir jetzt mal selber ein Limit von 5 Scheiben …öhm:

Dream Theater - Awake
Hatesphere - The Sickness Within
Soilwork - Natural Born Chaos
Lamb of God - Sacrament
Children of Bodom - Hate Crew Deathroll

Was waren die ersten Bands, die du regelmäßig gehört hast?

Aalso, als ich begann, härtere Sachen zu hören waren das wie erwähnt so Geschichten wie Limp Bizkit und Slipknot, später war ich dann so hauptsächlich auf Power-Metal quer von Edguy über Gamma Ray, Iced Earth und Rage (die beiden letzteren höre ich nach wie vor sehr gerne) und durch den Einstieg bei The Slightest Evil habe ich dann die extremeren Geschichten entdeckt.

Welche Bands hörst Du heutzutage regelmäßig?

Meine Faves neben den in der Top 5 genannten Bands sind In Flames, Machine Head, Raunchy, Illdisposed, und Mnemic.

Was machst Du hauptberuflich und wie lässt sich Deine Arbeit mit Auftritten verbinden?

Hm, also zurzeit arbeite ich in nem Supermarkt in der Getränkeabteilung auf 400 € Basis und beginne ab Oktober, Medienmanagement an der FH Würzburg zu studieren. Das heißt, zeitlich bin ich sehr flexibel, will auch immer eher mehr als weniger proben und Auftritte spielen, das klappt dann aus verschiedenen Gründen natürlich nicht immer so, wie man sich das vorstellt. Na Ja, und mein richtiges Berufsleben liegt ja noch ein wenig in der Zukunft, mal sehen wie es da dann aussieht. Ich hoffe natürlich, dass ich diesem Hobby (naja, eher Leidenschaft) so lange und ausgiebig wie möglich nachgehen kann, weil es auch ein großes Stück Lebensqualität für mich bedeutet.

Du bist ja bei 2 Bands tätig. Einmal bei The Slightest Evil mit der Du Melodic Death/Black spielst und bei Parsifall, die eine Mischung aus Disbelief und Neurosis darstellen. Wie unterscheiden sich die Bands aus Deiner Sicht? Lebst Du so Deine musikalischen Visionen aus?

Das kann man durchaus so sehen. Diese beiden Bands füllen mich als Schlagzeuger vollends aus, und ich kann in beiden Bands verschiedene Vorstellungen einfließen lassen. Da die kreativen Prozesse in den jeweiligen Bands durchaus unterschiedlich aussehen, kann ich auch im Bereich des Drummings immer neue Ideen entwickeln und umsetzten und befinde mich so in einer recht konstanten Phase der Weiterentwicklung. 

Bei "The Slightest Evil" bist Du schon seit 2003. Zu "Parsifall" bist Du erst später gestossen. Inwiefern hat sich durch Dich der Sound von Parsifall geändert? Hat der Sound von Parsifall auch Auswirkungen auf Dein Spiel bei "The Slightest Evil"?

Ich denke schon, dass sich der Sound von Parsifall durch mein Spiel verändert hat, da ich einen anderen Stil habe, als mein Vorgänger. Zumindest wurde ich aus diesem Grund in die Band geholt. Hauptsächlich ist mein Einfluss aber eher indirekter Natur und sieht so aus, dass nun unser Gitarrist alle die Ideen umsetzten kann, die mein Vorgänger aufgrund einer anderen Vision, wie Parsifall klingen sollte, eher abgelehnt hat.

Mein Schlagzeugspiel bei „The Slightest Evil“ wird durch die Arbeit bei Parsifall im Bereich Groove und Tightness beeinflusst. In die langsameren Parts bei „TSE“ fließt da schon so ein wenig der Parsifall-Stil mit ein. (Soweit, wie man das halt als Drummer beeinflussen kann). Umgekehrt klingen meine schnellen Parts bei „Parsifall“ natürlich auch ein wenig ähnlich zu denen von „TSE“, aber ich denke, das ist normal. Ich versuche dabei immer, das Drumming in einer Band mit passenden Elementen aus der jeweils anderen zu bereichern.

Für was steht der Name Parsifall? Ich verstehe diesen als ein Wortspiel aus dem Ritter Parsival und und dem Wort Fall. Was ist der Sinn dahinter?

Leider muss ich dich hier enttäuschen, damit habe ich mich leider noch nicht beschäftig. Aber ich werde den Dave mal danach fragen, und schreib dir, sobald ich dir ne Erklärung dafür geben kann.

[Anmerkung der Redaktion: Erik war so nett und hat uns im Nachhinein eine Erklärung für den Bandnamen zukommen lassen. Hier die Erläuterung:

(das englische Original wurde von Styx ins deutsche übersetz) “Die gesamte Musik sowie die Texte richten sich nach dem was Dr. Martin Luther King, Jr. einst sagte und er als unverdientes Leiden bezeichnete. PARSIFALL glauben, dass wir viel zu lernen haben von denen, denen unverdientes Leid wiederfuhr und das was wir zu lernen haben kann man nur dann verstanden werden, wenn wir uns mit den Leuten befassen, die dieses Leiden erlebt haben. Der späte Mythologe und Philosophe Joseph Campbell sagte, dass die Geschichte von Parsifal darauf basiert das es des Ritters Opferwille war Mitleid zu zeigen, in dem er seinen König fragte "Was bedrückt euch?" und somit beide heilte, den König und das wüste Land.”

Original Text:

"All of the music and lyrics address the theme of what Dr. Martin Luther King, jr., called the redemptive power of unearned suffering. PARSIFALL believes that we have a lot to learn from those who have endured unearned suffering,and that what we have to learn can only truly be understood by empathizing with those who have undergone this suffering, and then acting with compassion to do whatever we can to help them. The late mythologist and philosopher Joseph Campbell, telling the story of Parsifal, stated that it was the knight´s willingness to demonstrate mitleid to the suffering Fisher King by asking him, "What ails you?" that then healed both the King and the Waste Land"]

Wie sieht es mit derzeitig mit Veröffentlichungen im Hause "Parsifall" und "The Slightest Evil" aus?

Bei „The „Slightest Evil“ ist gerade ein Album in Arbeit hier fehlen noch Bass und Gesang, sowie ein, zwei Gitarrenspuren. Sollte aber dieses Jahr noch fertig werden.

Mit Parsifall wollen wir noch im Sommer eine kleine 3-Track Demo für Promo-Zwecke aufnehmen, und Anfang nächsten Jahres geht’s dann zu Andy Classen ins Stage One Studio für ne professionelle Demo, mit der auch Labels auf uns aufmerksam gemacht werden sollen.

Was möchtest Du mit beiden Bands noch alles erreichen?

Mman träumt ja immer mal wieder davon, vielleicht irgendwie vom Musikmachen leben zu können, aber diese Illsuionen sind eher teil meiner Tagträume, wenn mir mal wieder langweilig ist, oder die Arbeit gerade scheiße ist ;)

Jetzt bin ich erst in mal gespannt, wie die neuen Parsifall auf CD klingen und natürlich hoffe ich, dass die TSE-Scheibe endlich fertig wird, da das aus verschiedenen (vor allem zeitlichen) Gründen sich schon ein wenig hinzieht.

Naja, und es wäre super, mit beiden Bands einen Plattenvertrag zu ergattern, und ich halte das an sich bei beiden Bands nicht für so unrealistisch. Das eigentliche Ziel für mich jedoch ist es, noch möglichst lange mit diesen beiden Bands Musik zu machen, da mir das sehr am Herzen liegt, und ich hoffe dass unsere jeweiligen privaten und beruflichen Situationen uns noch möglichst lange Raum dafür lassen. Dabei möchte man natürlich vor möglichst vielen Menschen auftreten und vielleicht mit etwas Glück auch ein wenig dabei in der Welt (zumindest mal in Europa) herumkommen, und seine Musik präsentieren.

Haben schon irgendwelche Labels Interesse an einer Deiner beiden Bands gezeigt?

Also, bei „The Slightest Evil“ noch nicht, aber das liegt wohl auch an unserem Bekanntheitsgrad. Wir haben bisher bis auf einmal nur in unserem Kreis gespielt, und versuchen dann mit unserem Album das Interesse der Labels für uns zu wecken.

Bei Parsifall weiß ich nicht so genau, ob früher vielleicht schon mal Interesse von Labels bestanden hat, aber nachdem die Band immer noch ungesigned ist, denke ich mal, dass in der Hinsicht auch noch nicht so viel ging. Wie auch bei TSE wollen wir mit der nächsten Scheibe versuchen, die Labels von uns zu überzeugen.

Was sind für Dich die schönsten Erinnerungen und Erlebnisse die Du mit Deinen Bands und der Szene gemacht hast?

Hm, an sich ist es da für mich sehr schwierig, bestimmte Momente heraus zu nehmen, da ich jeden Moment, den ich mit den Bands verbringe, genieße und davon zehre. Ganz besonders schön sind natürlich die Momente auf der Bühne, (vor allem, wenn das Publikum abgeht) und die Zeit, die man um die Auftritte herum miteinander verbringt.

Gab es auch schlechte Zeiten?

Glücklicherweise habe ich weder privat noch im Bezug auf die Szene/meine Bands wirklich schlechte Zeiten durchlebt.

Und nun noch die berüchtigten letzten Worte!

Danke an euch für das Interesse an meinen Bands, zieht euer Ding weiter durch…

und dran denken: Immer locker durch die Hose atmen!

Vielen Dank für das Interview Erik und viel Erfolg mit Deinen beiden Bands von mir und dem Rest des Sleeplesszines.

Styx