Horns Up Festival II
12.07.08 – Festplatz Meckesheim

u.a. Born From Pain, Undertow, Agoraphobia, Cypecore, Silent Overdrive

Nach dem letztjährigen Horns Up Festival – damals noch als Indoorveranstaltung in Wiesloch – nutzten die Jungs von Agoraphobia die Gunst der Stunde und zogen gemeinsam mit dem Kerweverein Meckesheim das Horns Up Festival II als Open Air auf.

Den Anfang zum diesjährigen Horns Up durfte die Truppe DEMONSLUT machen. Die aus der Sinsheimer Gegend stammende Band gibt es schon seid sage und schreibe fünf Jährchen, aber irgendwie hab ich bisher noch nie etwas von denen gehört. Ja so etwas soll auch mal vorkommen. Wie dem auch sei. Die Truppe durfte als erste an dem Abend oder besser gesagt noch jungen Nachmittag auf die Bühne und der noch spärlich vertretenen Menschenmasse ihren Stonerrock darbieten. Da das Festival an sich vom Billing her doch um einiges härter ausgerichtet ist und die DEMONSLUTs stilistisch doch ein wenig aus der Reihe tanzen, konnte man es ihnen auch nicht verübeln, dass die Metalheads lieber noch ein kühles Blonde zu sich nahmen. Aber dennoch konnte die Truppe mit ihrer Musik, die für „Weiber und so en scheiß“ bestimmt ist, dennoch überzeugen.

Deutlich mehr war dann bei CYPECORE los. Als Ersatz für die abgesprungenen IRONY aufs Billing gepackt, konnte die Truppe von Anfang bis Ende vollends überzeugen. Nicht nur, dass vor der Bühne nun deutlich mehr los war, nein auch die erste „Wall of death“ geht auf das Konto der jungen Truppe. Man muss sich aber auch nicht wundern. In den grad mal 10monatigen Bandhistorie hat es die Truppe mehr als deutlich geschafft sich einen Namen in der Gegend zu machen und zählt somit unweigerlich zu einer der aufstrebendsten Bands in der Region. Mit ihrem melodischen Deathmetal treffen sie genau den Nerv ihrer meist jüngeren Fans und schaffen es so immer wieder den Bereich vor der Bühne mit moshenden und bangenen Metallern zu füllen. Als kleines Sahnehäubchen auf den klasse Gig gestattete auch der Weihnachtsmann uns einen Besuch ab und lies es sich nicht nehmen selbst sich mal als Stagediver zu probieren. Die einzige kleine Kritik die man verlauten lassen kann ist die Tatsache, dass man die Truppe ruhig zwei, drei Slots später auf die Bühne hätte lassen können.

Eine bei uns doch relativ unbekannte Band kam mit BURNSAFE an die Reihe, was man dann auch wieder an dem verhaltenen Zuschauerstrom vor der Bühne merkte. Aus der Band ANODYNE-29 hervorgegangen und mit Ex-Bandmitgliedern u.a. von BLACK SHAPE OF NEXUS verstärkt macht die Wormser Truppe mit ihrem eher rockig angehauchtem Metal die Bühnen unsicher. Das die Jungs keine unbescholtenen Bubies sind und schon ziemlich Erfahrung haben, zeigt sich auch im Songwriting und so auch in Songs wie „Truth & Faith“, die sich gleich im Ohr festsetzen. Mögliche musikalische Vergleiche kann man mit Bands wie BLACK LABEL SOCIETY, MONSTER MAGNET oder auch CHROME DIVISION ziehen.

Nun wurde es wieder Zeit für eine lokale Band. Nach CYPECORE waren nun SILENT OVERDRIVE die nächsten Lokalmatadoren, die das Horns Up rocken durften. Und das taten sie auch mit Unterstützung eines neuen Gitarristen, der an diesem Nachmittag seinen Einstand feierte. Zu Songs wie „Babylon Nation“, „Faceless“ oder auch „Lost your belief“ war vor der Bühne natürlich niemand mehr zu halten und so wurde auch hier wieder gemosht was das Zeug hielt. Zu letzterem Song war auch lautes mitgrölen der Meute zu vernehmen. Eine überaus gute Figur machte der neue an der Klampfe, der hier und da auch kleine Solis einbaute, wo eigentlich gar keine sind. Sehr feine Sache. Da dürfen wir mal gespannt sein, wie er sich im Songwriting zu weiteren neuen Stücken der Thrashcore-Truppe einbindet. Was man allerdings bei den Fans vor der Bühne üben muss, ist das „Zugabe“ rufen. Hätte Frontmann Maik nicht selbst da etwas nachgeholfen und das vorgemacht, wäre es wohl gänzlich in die Hose gegangen.

In der ganzen metalcoreverseuchten Zeit gibt es hin und wieder dann doch Bands, die es zustande bringen eine eigene Note in ihren Core mit einzubringen. Eine dieser Bands, die es leider viel zu selten im Metalcore gibt, ist ENRAGED BY BEAUTY. Diese Tatsache haben wohl weitaus mehr Leute erkannt, auf dem Horns Up allerdings noch zu wenige. Da hat es doch eine weile gedauert bis sich der Platz vor der Bühne wieder füllte und die Truppe aus dem Südwesten der Republik abgefeiert wurde. Songs wie „FleshColoured“ zeigen recht deutlich, dass man es hier mit mehr zu tun hat, als mit Metalcore aus dem Einheitsbrei. Klar lassen sich Einflüsse von Größen wie HEAVEN SHALL BURN nicht wegleugnen, aber auch Bands wie THE BLACK DAHLIA MURDER kann man hier und da heraushören. Auf alle Fälle gute Mucke und auch ein guter Auftritt. Allerdings ging dieser für einen Gitarristen wohl nicht ganz schmerzfrei zu Ende. Schon zu beginn des Auftritts schien er sich den Fuß verknackst zu haben und zockte den Gig vom Drumpotest aus zu Ende.

„The Fire Inside“, so heißt die brandneue Scheibe von AGORAPHOBIA. Und hier war echt Feuer drin. Sowohl vor der Bühne wo die Fans von Anfang bis Ende wirklich nur am moshen und bangen waren, als auch auf der Bühne wo die Truppe einmal mehr einen mächtig guten Gig aufs Parkett legten. Sänger Splatter hatte im Vorfeld schon verlauten lassen, dass dies sein letzter Gig mit AGORAPHOBIA sein wird und einen besseren Auftritt zum Abschluss kann man echt nicht abliefern, dazu noch vor so einer wildgewordenen Fanbase vor der Bühne. Musikalisch gabs eins ums andere mal alles was das Mosherherz höher schlagen lässt. Seien es Stücke die mit einer ordentlichen Schwedennote alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt („666“, „Sometimes“), moderner ausgefallene aber dennoch ordentlich eins auf die Zwölf gebende Stücke („Fed Up“, „Unbreakable“) oder Oldschoolstücke aus den Anfangstagen der Band („Harassed Consciousness“). Da war einfach alles dabei. Als Nachtisch gabs zum Schluss dann noch „Among the living“ von ANTHRAX, bei dem sowohl die Band auf, als auch die Metalschar vor der Bühne, noch einmal zeigen konnte, was in ihnen steckt.

Aus dem Schwabenländle ist das Trio von UNDERTOW nach Meckesheim angereist. Was hier gleich auffällt. Die Truppe lässt sich nicht so recht in eine Schublade stecken. Wenn man unbedingt eine erfinden will, dann würde wohl „Doomcore“ relativ gut passen – oder wie die Truppe ihre Musik selbst betitelt „Kickass Doomcore“. Mit modernen Einlagen, eben aus dem Metalcore-Bereich, essenziellen Einsprengsel aus dem Death Metal und dem doomigen Einschlag, kochen die Jungs schon seid fünfzehn Jährchen ihr eigenes Süppchen, was recht gut schmeckt, oder besser – was sich ziemlich gut anhört. Nach den flotten Gigs von den Vorbands ENRAGED BY BEAUTY und AGORAPHOBIA ist es recht passend, dass es hier etwas „ruhiger“ zur Sache geht, es hätten sich aber ruhig ein paar Leuts mehr vor die Bühne trauen können. Aber der Truppe um Sänger Joschi machte das nichts aus und so hauten die Aalener – gut gelaunt wie eh und je – dem Publikum einen Song nach dem anderen um die Ohren. Zur Zeit befindet sich die Truppe im Studio um den Nachfolger des 2006 über Silverdust Records erschienenen Albums „Milgram“ einzuspielen. Und von diesem Album gabs als Schlusspunkt eines durchweg gelungenen Auftritts „Stomping out ignorance“ zu hören.

Nach der Ruhe kommt der Sturm. So oder so ähnlich könnte man es ausdrücken. Den nun kamen die Holländer von BORN FROM PAIN um dem Horns Up gehörig eins auf die Fresse zu geben und aus den Fans noch einmal das allerletzte herauszuholen. Und das ist der Truppe auch mehr als geglückt. Egal ob auf oder vor der Bühne, überall war der Mob am toben. Die Truppe zeigt hier gleich von Anfang an, wer Herr im Hause ist und prügelt hier einen Moshhit nach dem anderen aus den Boxen. Hier merkt man halt gleich, dass die Holländer Erfahrung darin haben Woche für Woche sämtliche Clubs in Schutt und Asche zu legen. Die Band hatte die Meute vor der Bühne gleich auf ihre Seite gezogen, der Rest war dann eigentlich nur noch Formsache. Die Fans brauchten nicht erst aufgefordert werden bei Songs wie „Relentless“ oder „Behind Enemy Lines“ gehörig das Tanzbein zu schwingen, sie taten das schon von selbst. Auch kein Wunder, den bei dem groovelastigen Hardcore der Holländer bleibt einem auch nichts anderes übrig. Und wenn der Sound dann auch noch so druckvoll aus den Boxen scheppert wie hier, sowieso nicht. Geiler Gig und ein mehr als geiler Abschluss eines geilen Festivals.

Hier dann auch gleich ein Lob an die Soundmännerfraktion, die das gesamte Festival über einen amtlichen Sound hingezaubert hatten. So was bekommt man nicht alle Tage zu hören.

Zum Festival braucht man nicht viel sagen. Alles Top organisiert und wer es doch gewagt hat, sich das ganze entgehen zu lassen, der ist schlicht und ergreifend selber schuld. Für schlappe 10 €uro an der Abendkasse und 8 €uro im Vorverkauf konnte man hier echt nicht meckern. Rund 650 anwesende Leute dürften Bände sprechen. Hoffen wir, dass die Veranstalter den Erfolg als Anlass nehmen nächstes Jahr an Ort und Stelle ein drittes Horns Up Festival aufzuziehen.

Oimel

www.hornsup-festival.de

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