Hörsturz Festival II

06.10. Jugendhaus in Rheinstetten (bei Karlsruhe)

Wieder einmal ließen die Karlsruher Metalheads (www.karlsruher-metalheads.de.vu) ein Festival über die Bühne gehen und zwar das Hörsturz Festival Teil II. Als Veranstaltungsort hat man das Jugendhaus in Rheinstetten ausgewählt. Im Gebäude der dortigen Sport-/ Festhalle untergebracht, bot das Jugendhaus genug Platz, um ein solches Event zu veranstalten.

Eigentlich sollte das Festival um 18 Uhr bereits beginnen, allerdings hatte eine Band kurzfristig abgesagt und so betrat die erste Band, MAZED, erst um 19 Uhr die Bühne. Auf einem Flyer war „Heavy Deadly Metal“ zu lesen. Was immer das auch heißen mag. Die Songs kamen mal etwas flotter und mit ner punkigen Attitüde um die Ecke, aber größtenteils waren sie doch eher schleppend um nicht zu sagen, lahm. Das Publikum war auch Anfangs noch recht verhalten, wobei das mit der Zeit stärker werdende „Mitmachen“ der Meute sich auch nur in Beifall ausdrückte. Die Sängerin grunzte sich zwar einen ab, auch mal mit Unterstützung des Drummers, aber das nutzte auch nicht viel. Auch für die Coversongs „Paranoid“ von BLACK SABBATH und „Breaking the law“ von JUDAS PRIEST kann man der Truppe hier keine Pluspunkte für den Gig vergeben. Wie ich im nachhinein gehört habe, soll es die Band noch nicht allzu lange geben und ihr wisst ja; Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Außerdem muss man auch erst mal genug Eier in der Hose haben, um sich überhaupt auf ne Bühne zu stellen und Musik zu machen.

Wesentlich flotter, auch was die Bühnenpräsenz angeht, ging es dann bei KAISHAKUNIN zur Sache. Da haut der Gitarrist einmal in die vollen und muss nach ein paar Sekunden auch gleich mal seine Saite wechseln. Aber das war auch gleich behoben und so konnte die Truppe mit ihrem Hardcore gleich weiter munter drauf los prügeln. Ansatzweiße wurde ich vom musikalischen her auch an MASTODON erinnert. Die Truppe ging auf der Bühne ab, als hätten sie einen Schwarm Hummeln im Arsch. Der Frontmann keifte sich schier die Lunge aus dem Leib und stachelte die Meute vor der Bühne schon recht ordentlich an. So war es nicht verwunderlich, dass doch deutlich mehr vor der Bühne los war und auch schon eifrig gebangt und gemosht wurde.

Aber das geht noch besser. Und, dass es noch besser geht zeigten VOICES OF MINE. Mit der recht wagen Beschreibung „Modern Metal“ angekündigt, wurde schon nach ein paar Takten klar, wo der Hase lang läuft. In ihrer Musik haben die Jungs Einflüsse von Acts wie KORN, SLIPKNOT, SYSTEM OF A DOWN oder auch DISTURBED zu einer geballten Ladung „Arschtritt Suppe“ verrührt. Und dazu dann noch eine ordentliche Briese Death Metal. Entsprechend variabel war neben der Musik auch der Gesang von Sänger Marvin, der mich bei den cleanen Gesangsparts ab und zu an den DISTURBED Fronter erinnerte. Hier gab es mal ein paar schleppendere Riffs, dann gab es wieder welche, der Marke Genickbruch und dann auch sehr moderne Parts, wo man die oben genannten Bands deutlich heraushören kann. Für einen gewissen Herrn Bush aus dem Amiland gab es dann auch noch den entsprechenden Song „Downtown“. Der Menge hat es gefallen und so war die Stimmung auch entsprechend sehr gut.

Mit NYCTOPHOBIA kam als nächstes dann ein Exot auf die Bühne. Exot, aber nur was das Billing angeht. Denn mit ihrem melodischen Black Metal tanzen die Jungs und das Mädel bei einem doch recht „corigen“ Billing doch mächtig aus der Reihe. Auch was die Songtexte angeht, tanzen sie ein wenig aus der Reihe, zumal alle in deutscher Sprache verfasst sind. Von ihrem aktuellen Werk „Nyctophobia“ wurden auch gleich ein paar Stücke gespielt, unter anderem die „Ballade“ „Des Tages blutiges Werk“. Entgegen des Wunsches von Sänger Dominik wurden dann aber doch eine Hand voll Feuerzeuge in die Höhe gestreckt. Aber es waren ja nur ein paar Metalheads, die nicht hören wollten, denn die meisten waren dann doch lieber am bangen. Was auch nicht verwunderlich war, zumal die Musik hier und da dann doch mit ein paar Death Metal Riffs aufwartet, die einfach zum bangen einlud. Auch die Ansagen von Frontmann Dominik waren teils erheiternd. Gesanglich bekam er übrigens von Keyboarderin Maria Unterstützung, die neben cleanem Gesang auch mal einen ins Mikro krächzte, dass einem schier hören und sehen vergeht. Im Januar soll die nächste Scheibe der Truppe erscheinen und als Kostprobe bekam man auch gleich „Der Mensch in mir ist tot“ oder auch „Berge des Wahnsinns“ zu hören. Und da fällt einem doch gleich auf, dass die neueren Stücke vom Songwriting her doch ein wenig erwachsener geworden sind, was nicht heißt, dass die Stücke des Erstlingswerks nicht weniger gut wären. Im Gegenteil. Metalheads, die auf melodischen Black Metal stehen, wie er von Bands wie MIGHT OF LILITH, LIFTHRASIL oder teilweise auch ältere GRAVEWORM steht, der sollte sich NYCTOPHOBIA definitiv mal zu Gemüte führen.

Nun war es dann Zeit für ENTRANCE TO EXIT. Und hier muss man gleich sagen. Die Musik von den Jungs ist nichts für jedermann. Teils melodischer aber moderner Death Metal trifft hier auf geballte Synthies. Teilweise wurden hier Erinnerungen an MINISTRY wach. Allerdings dröhnten hier nicht die ganze Zeit tecknoartiger Ohrenkrebs aus den Boxen, sondern auch mal „normale“ Keybaordparts, die dann doch mehr erträglich waren. Im späteren Verlauf des Gigs, verzichtete man dann komplett auf die künstlichen Klänge und so gab es dann metallischen Krach. Die Songs waren teils sehr komplex und fanden so nicht wirklich den Weg ins Ohr. Den Gesang teilten sich zunächst der Keyboarder und Gitarrist Sergey. Später grunzte sich dann nur noch der Keyboader einen ab. Neben deutschen und englischen Songs gab es auch einen in russischer Sprache. Und als Aufheiterung gab es auch noch ein kurzes Drumsolo. Im großen und ganzen zwar ein recht solider Gig, aber die Musik ist doch sehr gewöhnungsbedürftig und das merkte man auch den Zuhörern an, die doch vermehrt den Weg nach draußen bzw. gar heim suchten.

Mit dem Problem hatten dann auch AGORAPHOBIA zu kämpfen. Denn die Fanmasse hatte sich doch rapide dezimiert. Vielleicht lag es mit unter auch daran, dass bereits weit nach Mitternacht war, ehe AGORAPHOBIA die Bühne enterten. Die Band lies sich davon aber nicht weiter beeindrucken und zockte souverän ihr modernes Death Thrash Metal Brett herunter und konnte so die Meute doch noch zu Moshpits und zum bangen animieren. Neben Songs des Albums „Sick“ (In my thoughts, Misanthropist, Unbreakable) wurden auch wieder etliche neue Stücke gespielt, die auf dem wohl noch in diesem Jahr erscheinenden Album „The Fire Inside“ erscheinen wird. Hierzu zählen unter anderem „The Bait“, „Sometimes“ oder das ultraböse Stück „666“. Nach einer gewährten Zugabe, war dann aber auch für die Jungs von AGORAPHOBIA Schluss und somit auch für die zweite Ausgabe des Hörsturz Festivals.

Zu dem kleinen Festival gibt es eigentlich kaum negatives zu sagen. Das Festival war recht gut organisiert, es gab Merchandisestände, wo man sich mit CDs und Shirts eindecken konnte, auch von den auftretenden Bands und man hatte genug Möglichkeiten sich die Zeit anders zu vertreiben. Sei es am Kicker oder beim chillen auf den vielen Sofas, die herumstanden. Einziges Manko war vielleicht, dass das Billing ein klein wenig zu einseitig war. Nur NYCTOPHOBIA tanzten musikalisch so wirklich aus der Reihe. Den Rest kann man ganz ganz grob in einen Topf werfen. Aber dennoch, war es ein nettes kleines Festival.

Oimel

MAZED

 

 

KAISHAKUNIN

 

 

VOICES OF MINE

 

 

NYCTOPHOBIA

 

 

ENTRANCE TO EXIT

 

 

AGORAPHOBIA

 

 

Das Festival