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Interview mit Maik Wacker (Frontmann bei Silent Overdrive und Agoraphobia) Seid geraumer Zeit schon stand “Mosh”-Maik auf unserer Liste der potentiellen Opfer für ein Interview. Nun haben wir ihn endlich dran gekriegt und mit ihm ein Interview abgehalten, bei dem er aus dem Nähkästchen plaudert. Viel Spaß beim lesen.
Hallo Oimel. Ja, bei mir ist alles klar. Es ist wie immer viel zu tun und es stehen zur Zeit viele Konzerte an. Aber das ist ja sehr positiv. Bist ja mit einer deiner Bands, AGORAPHOBIA, grade dabei das nächste Langeisen aufzunehmen. Hast mittlerweile deine Sangeskünste hierfür schon auf CD, Band, was auch immer gebannt? Kein Band. Die Zeiten sind wohl für immer vorbei. Wobei, die Bandmaschine hatte auch große Nachteile und dass es halt organischer klingt, hm, naja, ich bin mir nicht sicher ob viele ein so gutes Gehör haben. Ich hab’s wohl nicht *lach*! Ja, ich bin grad im Studio und sing meine Parts ein. Danach ist der Splatter dran. Ich hab jetzt alle Songs fertig und wir werden an einigen Parts noch ein wenig arbeiten. Leider müssen wir zur Zeit das ganze unter der Woche über die Bühne bringen da wir am Wochenende meist ein Konzert haben. Zum Glück haben wir ein eigenes Studio, sonst wäre das gar nicht möglich. Neben AGORAPHOBIA singst du auch noch bei SILENT OVERDRIVE. Ist das leicht, beide Bands unter einen Hut zu bekommen oder wird’s hier und da dann doch ein wenig stressig? Naja, ganz einfach ist es nicht. Was aber nichts damit zu tun hat, dass es einen Konkurrenzkampf zwischen meinen beiden Bands gibt. Das ist nämlich nicht der Fall. Beide Bands verstehen sich echt gut. Es ist eher so, dass ständig irgendwas anderes ist. Meist dann auch noch geballt. Man hat mal ein Wochenende frei und dann gleich wieder 2 Konzerte an einem WE. Oder sogar an einem Tag, was echt an die Substanz geht. Man muss Musik schon sehr mögen um sich das zu geben *g*. Bis jetzt hatten wir echt Glück und kaum Terminüberscheidungen. Wir schauen dann halt welcher Termin zuerst stand, aber man kann ja auch miteinander reden wenn es ein wichtiger Gig ist oder so. Aber wie gesagt, meist kommen sich Agges und Silent Overdrive gar nicht in die Quere. Für mich ist es halt doppelte Arbeit da ich ja doppelt so viel probe und ja auch für beide Bands Texte schreibe. Aber man gibt sich den Stress ja gerne. Somit kann man eigentlich nicht von Stress sprechen. *g* In der Vergangenheit hast du ja auch noch in zig anderen Bands gesungen. Kannst uns zu den einzelnen Bands kurz was dazu sagen? Was für Musik gemacht wurde, etc.! So viele waren es auch wieder nicht *g*. Klar, da muss ich aber einige Zeit zurück blicken *g* Also als erstes war da Piledriver. Wir spielten eine art Punk/Thrash. Piledriver spaltete sich bei der Auflösung in zwei Bands! Die eine war die Punkband Blank und wir machten mit Seraphim weiter und spielten ab sofort Doom-Metal. Durch unseren damaligen Schlagzeuger Marc Quenzer, kam ich dann zu O.B.H., die noch nen zweiten Sänger suchten. Ich kam ja eh eher aus dem Hardcore und so stieg ich bei O.B.H. ein (die aus Metamorphosis entstanden sind, die Ex-Band vom Splatter!!!) Wir spielten erst deutschen Funcore, dann richtigen Hardcore mit deutschen Texten, die dann nach und nach den Englischen Texten wichen. Durch viele Besetzungswechsel wurde aus O.B.H. dann acrid mit Michael Oechsler am Schlagzeug, Claus Ludigkeit an der Gitarre, Alex Müller an der zweiten Gitarre und Ashok am Bass. Ich sang wie immer und schrieb alle Texte. Wir spielten im Gegensatz zu O.B.H., wo wir eher den Biohazard Hardcore spielten, bei acrid mehr den Sick of it all Hardcore mit reichlich modernen Passagen. Dazu kommen verschiedene Projekte. Da wäre Bobbafett. Zusammen mit Musikern von Seraphim (Fossy an der Gitarre), Musiker von acrid (Michael am Schlagzeug und Claus am Bass) und ich am Gesang, spielten wir S.O.D. Hardcore mit lustigen aber krassen Texten. Es gibt ein Demo, dass aber nie wirklich veröffentlicht wurde.
Hm, mehr wars eigentlich nicht. Ok, ich hatte halt immer zwei Bands am Start aber die hielten sich auch meist ne Weile. Ach ja, ich sang sogar mal kurze Zeit bei Te Deum! Zu der Zeit lösten sich Seraphim auf, ich stieg bei Silent Overdrive ein, danach lagen acrid auf Eis und ich wurde Sänger bei Agges. Von deinen ehemaligen Bands dürften wohl SERAPHIM und ACRID die bekannteren sein. Mit SERAPHIM hattet ihr ja auch mäßigen Erfolg. Ihr hattet zwei Demo-Tapes und 1999 eure erste Demo-CD “Hope” veröffentlicht und auch Gigs unter anderem mit den damals noch weniger bekannten NOCTE OBDUCTA gespielt. Wie kam es denn dazu, dass sich SERAPHIM auflösten? Da darf man O.B.H. nicht vergessen. Aber das ist schon über 10 Jahre her. Die Jüngeren dürften diese Band schon gar nicht mehr kennen. Aber wir waren recht erfolgreich damals. Aber zurück zum Split von Sepraphim. Uns ging es so wie es vielen Bands geht, die Besetzungswechsel waren irgendwann der Tod der Band. Es war so, dass irgendwann nach und nach die Leute ausgestiegen sind, da sie das Interesse an der Musik verloren haben oder keine Zeit mehr hatten. Und es kamen keine neuen Leute nach. Zu der Zeit gab es auch nicht wirklich viele die Metal spielen wollten, und Doom schon gar nicht! Zum Schluss waren wir noch zu viert, aber dann verließ uns unser Schlagzeuger, da er doch lieber Hiphop hörte und an seiner Karre rumbastelte. Unser Gitarrist hatte wegen seinem Studium auch keine Zeit mehr und da waren Fossy und ich alleine. Nur mit Bass und Gesang geht’s leider nicht *g* also beschlossen wir aufzuhören. Es wäre eh nicht mehr dieselbe Band gewesen. Es war eine tolle Zeit, die ich auch nie vergessen werde. Wir waren aus heutiger Sicht unsere Zeit ein wenig voraus. Als wir anfingen gab es noch nicht mal Bands wie Theater of Tragedy *g*. Wäre es für dich denkbar, dass es eine SERAPHIM-Reunion geben könnte? Das ist eine sehr unwahrscheinliche Annahme, da viele der ehemaligen Sepraphim Mitglieder gar keine Musik mehr machen und wahrscheinlich kein Metal mehr hören. Ich hab auch gar keinen Kontakt mehr außer zu Jenny, die ich ab und zu treffe oder zu Fossy, der ja selbst noch aktiv ist. Ich glaube einer unserer Gitarristen, der Matze, hat wieder ein Band gegründet. Jenny soll da singen. Aber das sind nur Gerüchte die ich gehört habe. Zur Zeit würde das eh nicht gehen da ich in 2 Bands aktiv bin und da völlig ausgelastet bin. Prinzipiell hab ich da nix dagegen. Fossy und ich haben sogar vor ein paar Jahre darüber geredet. Aber den meisten fehlt wohl die Zeit oder der Wille. Wie sieht es mit ACRID aus? Die Band liegt ja eigentlich “nur” auf Eis. Wieso eigentlich? Und wird es hier in Zukunft wieder was zu hören geben? Gute Frage. Das würde und Michl Oechsler (Schlagzeug) auch gern wissen. Acrid wurden ja nie aufgelöst. Es war einfach so, dass Michl und ich irgendwann alleine da standen. Ashok (Bass) tauchte gar nicht mehr auf und wohnt mittlerweile in Frankreich und ist mit seiner Familie beschäftigt. Claus (Gitarre) hatte andere Probleme und einfach keine Zeit mehr für die Musik. Und Alex (Gitarre) wurde Vater und hatte auch keine Zeit mehr. Wobei Michl und ich zu Alex Kontakt haben und er hätte schon wieder Bock. Ich glaube auch, dass die Jungs einfach die Schnauze voll hatten vom Musikgeschäft. Es war grad zu der Zeit als das mit dem Skatefestival abging. Wir produzierten dafür eine 3 Song Maxi, sollten dort spielen und wir schrieben das Titelstück für das Event. Viel Versprechungen, die wir eh nicht glaubten und dann bekamen wir noch mecker, dass wir so negativ eingestellt seien. Das muss man sich mal vorstellen. Am Ende war es so wie wir es uns dachten. Kein Versprechen wurde eingehalten, das Festival war ein Desaster, da keine Werbung gemacht wurde und wir standen mit nichts da. Keine Maxi, kein Auftritt, rein gar nichts. Der Veranstalter leistete ein Offenbarungseid und Shelter (mit denen wir spielen sollten) suchten den Mann, weil er niemanden bezahlt hatte. Kein einziger Angestellter sah Kohle. Naja, wir hatten drei gute Songs aufgenommen und machten noch ein wenig weiter aber irgendwie scheint bei den anderen der Frust größer gewesen zu sein als der Spass und so verlor sich das ganze. Die Enttäuschung war so groß. Wir hatten so viel Arbeit rein gesteckt und wie immer hatten wir einfach Pech. Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Dennoch ist acrid nicht aufgelöst. Michl und ich sind weiterhin acrid und das wird auch immer so sein. Vielleicht finden wir irgendwann die richtigen Leute um weiterzumachen. So lange liegt die Band auf Eis, denn es muss die gewisse Magie wieder da sein bevor es weitergeht. Sonst bringt das nix. Und eine Zeitfrage ist es auch, wie immer *g*. Michl ist mit seiner Band Spielweise sehr erfolgreich und auch zeitlich sehr eingebunden. Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen *g*. Aber im Moment wohl eher nicht. Ich hab ja wie gesagt genug zutun *g* Langweilig ist mir nicht.
Findest du? Das liegt dann wohl an meiner Stimme *g*. Ich war, bin und bleibe wohl immer im Herzen der Hardcore Szene verbunden, obwohl ich ein sehr breiten Musikgeschmack habe. Ich bin ja ein Hardcore Sänger und ich denke das wird auch immer so sein. Wobei ich ja eigentlich mit Doom-Metal angefangen habe *g*. Meine alten Bands wie O.B.H. und acrid waren ja eh HC Bands. Seraphim hatte mit so einem Sound allerdings überhaupt nichts zu tun! Silent Overdrive klangen am Anfang auch ganz anders. Mit der Zeit wurden wir immer härter und ich war wohl nicht ganz unschuldig daran *g*. Agoraphobia ist je eh eine Deathcore Band, also kann ich dort auch wieder meine HC Wurzeln ausleben. Wobei ich mit der Zeit gelernt habe auch etwas anders zu klingen und nicht nur HC Shouts rauszulassen. Ich denke dass es schon Unterschiede gibt. Bei Agges sing ich z.B. anders als bei Silent Overdrive. Jedenfalls kommt es mir so vor *lach*. Dennoch, meine Stimme ist meine Stimme und ich glaub ich kling eh sehr eigen und habe für mich meinen Stil gefunden. Aber man kann das selbst so schwer beurteilen, da man sich selbst ganz anders hört als die anderen. Abgesehen davon, mag ich Harcore-Einflüsse in der Musik! Keine Musik groovt so sehr wie Hardcore und ich würde nicht in einer Band spielen, die nicht groovt. Ich mag zwar auch schnell Sachen, aber es muss auch grooven, denn nichts ist so brutal wie ein Mosh-Part nach einem schnellen Part *hehe*. Stehst du selbst auch mehr auf die Musikrichtung Hardcore oder schlägt in dir ein Metalherz? Da ich vom Sternzeichen her Zwilling bin und eh zwei Herzen in meiner Brust schlagen, sag ich mal beides *g*. Bei mir ist es eher so, dass ich einen sehr breiten Musikgeschmack habe. Es gibt für mich nur gute und schlechte Musik. Und keine Angst, so was wie Schlager hör ich niemals und ich hasse Volksmusik *g*. Aber ich denke in mir schlägt ein Hardcore-Herz weil ich eben aus dieser Szenen komme. Wobei diese Szene nicht mehr viel mit der jetzigen Hardcore Szene zu tun hat. Man könnte also sagen ich bin ein Hardcoreler der Metal hört *g* und das lange bevor es sowas wie Metalcore gab. Ich finde es eh komisch, dass erst jetzt der Begriff Metalcore bekannt wurde, dabei machen das Pro-Pain schon seit über 10 Jahren! Ausserdem find ich die Klamotten der HC-Szene besser *g* Aber wie gesagt, ich hör ja noch viel andere Musikarten. Was hörst du denn selbst für Bands? Was sind deine Favoriten? Jetzt wird’s kompliziert! *hehe*. Da muss ich mich jetzt sehr beschränken. Ich liebe Musik und wenn ich eine Band gut finde muss ich alle CDs besitzen *g*. Ausserdem bin ich eh so was wie ein Sammler. Ich dürfte jetzt so um die 2.000 CDs besitzen! Und ich rede hier von originalen CDs, denn wenn eine Band es wert ist, dann zahlt man auch! wobei ich finde, dass der Preis von 18,-Euro für eine CD schon eine Frechheit ist. Wenn wenigstens die Band dabei verdienen würde, aber das tut sie ja nicht. Ok, dann mal ne kleine Auswahl, denn wie gesagt, das würde jetzt zwei, drei Seiten füllen *g* Ich weiss ja nicht mal wo ich anfangen soll! *g* Einer meiner Lielingsbands ist Pitchshifter ab der www.pitchshifter.com! Eine sehr geile Band, die HC, Punk mit BreakBeats und Drum & Bass mixed. Einfach geile Musik! Ich mags ja eh wenns groovt wie sau und ich steh auch auf elektronische Spielereien.
Im Hardcore mag ich Bands wie die Ryker’s, natürlich Sick of it all (beste Live-band der Welt), Madball, Barcode oder Shelter. Throwdown ist auch klasse, besonders die neue. Die klingen wie noch eine Lieblingsband von mir, Pantera. Bei altem Zeugs fällt mir sofort Metallica, Suicidal Tendencies, Sepultura, Grave, Mucky Pub, Iron Maiden, S.O.D., Sodom und Megadeth ein. Damit bin ich aufgewachsen. Ein sehr gute Band ist auch Diary of Dreams! Die Band hat eh eine besondere Bedeutung für mich. Dann wäre da noch die Misfits und Danzig zu nennen. Ein wenig Black Metal hör ich auch, Naglfar, Dimmu Borgir und Cradle of Filth, besonders die neuen Sachen, obwohl viele die hassen *g*. Ich hör aber auch Mayhem. Oder eben Bands wie Untoten, Heaven Shall burn, Overkill, The Retrosic, Anthrax, und und und. Das kann ich jetzt noch ne Weile so weiter führen! Auf der Homepage unter Profile kann man auch viele Bands nachlesen, die ich gut finde. Was sind denn deine absoluten Lieblingssongs? Einzelne Songs, nun gut, diese Liste würde ja noch länger werden *g*. Ich bin eh mehr der Typ der immer CDs am Stück hört und nicht nur einzelne Songs. Ich versuch mich kurz zu halten *g*. Metallica – the thing that should not be Und was deine Lieblingsplatten?
Down - die Nola!!! (ich muss mich zwingen aufzuhören *g*) Hast du auch irgendwelche Peinlichkeiten in deinem Plattenschrank stehen? Wer hat das nicht? Wobei ich zu all meinen CDs steh, auch wenn es welche gibt die ich nie wieder hören werde *g*. Ich hab zB noch paar Platten von ganz früher daheim, da sind Maxi Singles von den Fatboys dabei und so! Aber dafür hab ich auch Raritäten wie die “She’s on it” von den Beasty Boys. Oder alte Metallica Platten. Ich hab z.B. zwei Mucky Pub Platten, die viel wert sind. Aber hab auch ein paar echte scheiss Platten! Da will ich lieber nicht drüber reden *lach*. Was denkst du über den “Trend” Metal mit Hardcore zu verwursteln, sei es in Metalcore oder wie bei deinen beiden Bands Death- bzw. Thrashcore? Naja, das gab‘s ja schon immer, nur ist es jetzt halt Trend. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich bei vielen Metalcore Bands nicht weiss, warum die Metalcore heissen, denn für mich klingen die meisten Bands überhaupt nicht nach Core. Aber cool ist, dass es wieder mehr harte Musik gibt. Aber wie jeder Trend, stirbt auch dieser irgendwann und das sterben hat schon begonnen. Dennoch muss ich sagen, dass es ein paar richtig gute Bands gibt wie Heaven Shall burn. Aber eigentlich gibt es dieses Metalcore Ding schon sehr lange. Pro-Pain haben für mich rein musikalisch schon immer Metalcore gespielt. Oder nimm S.O.D.! Ich mag dieses vermixen der Musik eh recht gern, da dabei was sehr interessantes rauskommen kann. Was ganz neues zu erfinden ist eh fast unmöglich in der heutigen Zeit. Also vermischt man verschiedene Richtungen. Dabei entstehen Bands wie Pitchshifter oder Faith No More. Früher gab es ja auch den Begriff “Crossover”! Wenn das noch jemand kennt *g*. Man sollte sich eh nicht zu viele Gedanken über Schubladen machen. Wenn es rockt, dann rockt es *g*. Wobei ich mit dem Metalcore Trend recht wenig zu tun habe. Wie gesagt, es gibt gute Bands, aber mit der Hardcore Szene hat Metalcore meist recht wenig zu tun. Was jetzt nicht negative klingen soll. Ich find es gut, dass zB gerade Metalcore Bands sehr viel Wert auf die Texte legen und nicht über Drachen singen *g*. Da ist denk ich der eigentlich Bezug zum HC. Das und die Breakdowns! Und ich liebe Breakdowns *g*. Du bist ja schon ein paar Jährchen im Underground unterwegs. Was denkst du über die Entwicklung des Undergrounds und der Szene in den letzten zehn, fünfzehn Jahren? Da hat sich einiges getan! So wie es früher war wird es nie wieder sein. Aber das ist nicht wertend gemeint. Früher war es halt anders. Es gab viel weniger Bands. Es war alles ein wenig leichter. Dafür auch teurer. Heute kann doch jede noch so kleine Band eine CD aufnehmen. Früher gab es nur Demotapes. Wer ne Platte machte, hatte meist eine Plattenfirma. Alles hat zwei Seiten. Ich versteh auch nicht warum alle dauernd motzen und sagen, dass früher alles besser war. Das stimmt doch gar nicht. Man hatte viel weniger Konzerte, alles dauerte viel länger, ein Demo aufzunehmen war scheiss teuer und dauert seine Zeit! Und der Sound war sehr bescheiden. Es gab kein Internet, das alle verbindet und man musste Briefe per Hand schreiben. Jetzt schickt man einfach eine Mail an alle. Man kann heutzutage viel einfacher Konzerte ausmachen. Man kennt Bands, die aus Japan kommen oder Amerika. Andererseits ist es schwerer geworden, da es viel viel mehr Bands gibt und jeder für nicht all zu viel Geld eine CD machen kann. Egal wie gut oder schlecht die Band ist. Alleine durch das Internet ist die Welt viel kleiner geworden. Der Kontakt zu anderen Bands oder auch den Leuten ist viel einfacher durch Mails oder Seiten wie Myspace. Sowas gab es früher gar nicht! O.B.H. zB hatte nie eine Homepage, da fast niemand Internet hatte. Wir mussten Briefe schreiben, Demokassetten kopieren (mit einem eigens dafür gebauten Verteiler in Form einer Kaffeedose mit Anschlüssen für 8 Tape-Decks *g*) und aufgenommen haben wir mit einer Bandmaschine. Ob das jetzt besser oder schlechter war, muss jeder für sich entscheiden. Es war eben anders. Wie bist du denn selbst zu der Musik der härteren Gangart gekommen?
Zwischendrin hörte ich ne zeitlang auch Techno, als ich so 15 war, es war neu und anders, aber egal was ich hörte, es war seitdem immer harte Musik dabei. Wobei ich schon damals eher der HC Szenen verbunden war da ich keine langen Haare hatte, sondern meist einen Iro oder sehr kurze haare. Wobei wir damals eher Skater waren, die harte Musik hörten! Ich fuhr lieber zu Songs von Suicidal oder Sepultura wie zu Hip Hop. Ich hab zwar mit RAP angefangen, aber ich kannte ja nix anderes und das war damals noch RAP. Hip Hop ist etwas vollkommen anderes. Jedenfalls skateten wir zur Musik von Bands wie Suicidal, Accüsser, Jingo de Lunch, Metallica, Prong, Megadeth, Toy Dolls, oder sogar Judas Priest! Zur Painkiller kann man geil skaten *g*. Bei mir kamen dann immer mehr HC Bands dazu. Oder Sachen wie Rage against the machine. Ich kann mich noch dran erinnern wie ein Kumpel zu mir kam und mir ne Kassette gab und meinte, hör dir das mal an. Das war die erste R.A.T.M. und da kannte sie noch kaum einer. Ich hörte damals auch viel Biohazard. Das war bei O.B.H. der kleinste gemeinsame Nenner! Bei acrid war das dann Pro-Pain und S.O.D. und die Ryker’s. Und wie kamst du auf die Idee in einer Band selbst Musik zu machen? Wie waren denn deine ersten Gehversuche als Musiker? Fossy und ich kannten uns aus der Schule und spielten zusammen auch paar Rollenspiele wie D.S.A. oder Shadowrun. Er spielt Bass und ich wollte auch irgendwie Musik machen. Ich kaufte mir auch einen Bass und Fossy gab mir ein wenig Unterricht. Wir brauchten aber eine Band. Also gründeten wir Piledriver. Es gab viele Besetzungswechsel, ich spielte am Anfang Bass und Fossy Gitarre! Aber irgendwann hatten wir einen Gitarristen und Fossy übernahm den Bass. Und da man auch einen Sänger brauchte, musste der singen der am wenigsten spielen konnte, also ich *g*! Als sich Piledriver dann auflösten, entstanden daraus Serpahim und Blank. Kurze Zeit später stieg ich dann auch bei O.B.H. als Hardcore Sänger ein. Ich begann meine eigene Stimme zu entwickeln! Auf der einen Seite mit Death-Growls und auf der anderen Seite mit Hardcore Gesang! Ich hab viel gelernt und lerne noch heute. Man lernt immer dazu. Technik und all das und dennoch muss man mit Herz singen und seine eigene Stimme finden. Ich merkte schnell, dass ich eh kein Bassist war, sondern Sänger. Ich schrieb Texte und sang und es gibt nix besseres *g*. Am Anfang machte ich einfach und schrie rum oder growlte, später informierte ich mich viel über Gesangstechniken und Übungen, damit ich lernte mit meiner Stimme umzugehen und wie man z.B. nicht heißer wird und sich nicht die Stimme kaputt macht. Schreien ist nämlich nicht gleich schreien *g*. Ich hatte sogar mal Gesangsunterricht. Aber nur um Aufwärmtechniken zu lernen und ein paar Atemübungen. Aufwärmen ist grad bei extremer Musik sehr wichtig. Viele denken ja schreien und growlen wäre voll einfach und das kann ja jeder. Naja, dann sollen die das mal versuchen. Und immer dran denken, es soll ja nicht nur gut klingen, sondern man muss das auch länger als 5 Minuten durch halten *g*. Viele Sänger im Extrem-Musik Bereich werden mir zustimmen wenn ich sage, das es eben nicht so einfach ist und auch nicht jeder kann. Man sollte nämlich auch seine Stimme entwickeln und einen gewissen Wiederkennungswert aufbauen. Noch dazu muss man darauf achten, dass diese Stimme die extreme Belastung auch durchhält. Gerade als Sänger muss man auch vieles achten und auch auf vieles verzichten. Aber ich schweife ab *g*. Wie gesagt, man drückte mir ein Mikro in die Hand und ich fing halt einfach an zu singen und entwickelte mich langsam immer weiter durch viele Auftritte Als Sänger bist du ja in der Regel auch für die Songtexte verantwortlich? Um was handeln deine Songtexte bei AGORAPHOBIA und SILENT OVERDRIVE und um was handelten sie bei SERAPHIM und ACRID? Ja, ich schreib eigentlich alle Texte! Außer bei Seraphim, da waren es der Fossy und ich. Ich finde ein Sänger sollte auch seine texte schreiben. Ich find es z.B. viel viel schwerer fremde Texte zu singen. Ich muss meine eigene Wut rausschreien *g*. Ich muss auch vorher schon festlegen für welche Band ich einen Text schreibe. Ich kann nicht texten und danach mir überlegen in welcher Band ich den Text singe. Irgendwie geht das nicht. Ich finde auch, dass Agges Texte ganz anders sind als Silent Overdrive Texte. Acrid waren pure Hardcore Texte. Es ging über Freundschaft, gegen das System und all das. Seraphim war eher abstrakt. Es ging über Tod und Dämonen. Als ich bei Silent Overdrive einstieg, wusste ich noch nicht genau in welche Richtung die Texte gehen sollten. Ich schrieb da eher Seraphim Texte, da auch die Musik noch anders klang, eher in die Danzig Richtung *g*. Die anderen Fragten mich dann nach ein paar Wochen ob irgendwas mit mir nicht stimmt, da alle meine Texte von Dämonen, Schmerz, Dunkelheit und Blut handelten *lach*. Ich dachte die wollten keine Hardcore Texte. Danach schrieb ich dann doch eher sozialkritische Sachen. *g*. Bei Silent Overdrive sind die Texte etwas allgemeiner und erzählender als bei Agges. Bei agges herrscht eher Wut, Frustration, Rebellion und Hass. Bei S.O. gibt es dann doch ein paar positive Empfindungen *g* und Texte die das Leben wiederspiegeln oder eine etwas beobachtende Sichtweise der Dinge. Bei agges steht man eher mittendrin im Hass. Knietief im blut *hehe*. Aber niemand bringt zum Beispiel Leute um oder brennt Städte nieder wie bei den Agges Texten *g*. Bei Agoraphobia ist es eher so, dass ich alles rauslasse, das ganze dann maßlos übertreibe und all den Haß rausschreie. Nicht, dass meine Texte nicht ernst gemeint sind. Oh nein. Sarkasmus und ein Augenzwinkern ist zwar immer dabei, aber ich schreibe keine Funtexte oder Fantasy Zeugs. Man darf sich selbst zwar nicht zu ernst nehmen, aber mein Spass geht eher in Richtung Sarkasmus. Man muss auch viel zwischen den Zeilen lesen. Wer hat nicht schon Mordgedanken gehabt wenn man wieder so ein Arschloch vor sich stehen hat, der einem noch dumm anmacht? Wer hat solch einen Deppen dann nicht in Gedanken schon mal getötet? Für mich sind meine Texte ein Ventil und dadurch sehr wichtig für mich. Für viele sind Texte ja nur Beiwerk und weil sonst der Sänger nix zum singen hätte! Aber ich war schon immer der Typ, der sich meist auch die Texte durchliest. Ich finde die richtige Musik mit dem richtigen Text kann Leben retten. Ohne scheiss! Es gibt so viel Musik, die einem aus dem Herzen sprechen kann, weil man genauso fühlt. Und ich versuch eben in meinen Texten meine Gefühle rauszulassen, mein erlebtes zu verarbeiten! Eine gute Therapie wie ich finde. Ich lass lieber da meine Wut raus. Und vielleicht bringe ich ja ein paar Leute zum nachdenken oder es gibt Leute die genauso denken. Aber in erster Linie schreibe ich die Texte für mich. Ein Lied wird für mich, so gut es auch ist, erst dann zu etwas ganz besonderem, wenn ich auch den Text gut finde oder mich damit identifizieren kann. Ansonsten ist das Lied eben nur ein guter Song, aber nicht mehr. Was den Unterschied der Texte zwischen Agges und Silent angeht, ich denke Silent Overdrive Texte sind eher Metal, während Agges Texte mehr Hardcore sind. Ja, das trifft es ganz gut *g*. Wobei mir beide Arten von Texten wichtig sind. Schließlich sind ja beides meine Worte *g*.
Da gibt es viele! Jedes Konzert ist ein kleines Highlight! Aber hier muss ich eindeutig die Tour mit Pro-Pain nennen! Das war der Hammer! Mit meiner Lieblingsband auf Tour zu sein war echt klasse. Und die Jungs sind alle echt voll cool! Am geilsten war der Gig in Prag. Das war der Wahnsinn. Ein weiteres Highlight war für mich der Agges Gig im Verein [Anmerkung der Redaktion: gemeint ist der Rock- und Popverein in Wiesloch] vor über 300 Leuten! Meine Fresse, das war schon geil, wie alle die Songs mitgesungen haben. Ich hab zum Glück eine Live-Aufnahme davon daheim. Oder der Silent Overdrive Gig mit Ektomorf vor über 500 Menschen. Sagenhaft. Ich hoffe auch, dass da noch viel mehr Highlights in Zukunft kommen *g*. Gab es auch Tiefpunkte? Klar, wo Licht ist, ist auch Schatten *g*. Zum Beispiel das oben schon genannte Skate-Festival. Oder die Auflösung von Seprahim. Generell wenn es mit einer Band zu Ende geht. Ist nicht schön, da man so viel Zeit und Gefühl investiert hat. Was machst du denn sonst in deiner Freizeit, wenn du nicht gerade im Proberaum oder auf der Bühne stehst? Freizeit? Was is denn das? *g*. Also, wenn du Hobbys meinst, ich hab keine Hobbys in dem Sinne. Ich sehe Musik machen ja auch nicht unbedingt als Hobby an. Ein Hobby ist etwas was man nebenher tut wie kegeln oder Tennis spielen. Musik machen ist sehr viel aufwendiger. Ich seh das eh so, dass ich Musik mache und nebenher arbeiten gehe *g*. Wenn ich nicht grad was mit meinen Bands mache, dann versuch ich zu entspannen! Ich lese sehr gern, bin ein großer Stephen King Fan, aber auch Terry Pratchett und Christopher Moore. Und ich liebe Filme. Bei fernsehen allgemein kann ich gut entspannen. Da muss man nicht denken *g*. Ich hab auch ne Playstation 2 und ein Gamecube daheim stehen und höre viel Musik! Wenn ich an einem Wochenende mal kein Konzert hab, dann treffen meine Frau und ich uns oft mit Freunden. Was man halt so macht. Früher hab ich viel Rollenspiele gezockt. DSA, Shadowrun, Star Wars und so Zeug. Was sind denn deine Ziele für die Zukunft, sowohl mit deinen Bands als auch im Privatleben? Hm, ich bin eigentlich kein Mensch der nach Zielen lebt. Dann wäre das Leben ja sinnlos wenn man das Ziel erreicht hat *g*. Klar hab ich Ziele, dennoch darf man nie vergessen, dass der Spass auch nicht zu kurz kommen darf. Freundschaft ist sehr wichtig. Meist ist das nächste Ziel was die Musik angeht, neue Songs zu schreiben, eine neue CD aufzunehmen, sich zu verbessern und noch mehr Konzerte zu spielen. Privat ist das bissl anders. Da ich ja grade geheiratet habe, ist der Kinderwunsch schon im Hinternkopf. Aber genaue Pläne kann man da eh nicht machen *g*. Ach ja, ein großer Traum wäre es, auf dem With Full Force zu spielen, Mainstage *g*. Oder eine Tour mit In Flames *hehe*. Noch einmal mit Pro-Pain wär auch geil oder Hatebreed *g*. Was für Ziele hattest du denn, als du mit der Musik angefangen hast? Und welche hast du davon bis dato erreicht? Als wir anfingen war das größte Ziel mal ein Demo aufzunehmen und vor Leuten zu spielen. Das hab ich ja erreicht! Alles andere ist ein Bonus *lach*. Man kann eh nicht planen berühmt zu werden oder so ein Scheiss. Man muss einfach mit dem Herzen dabei sein und die Musik, die man macht selbst mögen. Ich muss selbst Fan sein. Alles andere bringt auf lange Sicht eh nix. Meine Ziele sind halt immer so kleine Schritte. Sich selbst zu verbessern, den Gesang noch mehr zu variieren und so. Klar, hab ich auch Träume. Nur gibt es einen Unterschied zwischen Zielen und Träumen. Aber ohne Träume klappt es auch nicht. Man muss von irgendwas Träumen, denn wo bleibt sonst der Antrieb? Aber solche Träume sind sehr unrealistisch! Als ich anfing war es schwer bekannt zu werden. Heutzutage sollte man deswegen keine Band mehr gründen *g*. Aber das war ja auch nicht der Grund für mich Musiker zu werden.
Daran is der Theo schuld. Liegt auch an meiner HC Vergangenheit und wohl an meiner Art mich zur Musik zu bewegen *g*. Wie gesagt, ich steh auf Breakdowns/Moshparts und das groovige Zeugs! Dazu dann schön Hardcore-Slam-Dance *hehe*! Die letzten Worte gehören nun dir. Hier darfst dich noch mal so richtig auskotzen oder auch nicht. ;) Hab ich das denn nicht schon? *g*. Dann sag ich mal vielen Dank für das Interview. Hat echt Spass gemacht! An alle Leute da draußen, schaut doch mal im Internet vorbei (www.agoraphobia.de und www.silentoverdrive.de) . Ansonsten sieht man sich auf dem nächsten Konzert. Bleibt euch selbst und der Musik treu. Und möge die Macht mit euch sein *g*! Auch von uns vielen Dank für das sehr ausführliche Interview. Oimel |
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