Karkadan - Interview mit Frontmann Robby

Schon drei Jahre ist es her, seit die Stuttgarter Band „Karkadan“ uns ein Album um die Ohren gehauen haben. Ergänzed zu unserem Review über diese CD („Utmost Schizophrenia“, Anm. d. Red.) stand uns die Band nun Rede und Antwort über ihre Geschichte, das Miteinander, die Musik, ein neues Album und musikalische Vorbilder.

Sleepless: Wie würdet ihr eure Band hinsichtlich Mitglieder und Stil vorstellen?

Robby: Zunächst ist die Stilfrage gar nicht so einfach zu beantworten abgesehen davon, dass wir uns selbst natürlich nicht gern in eine Schublade stecken lassen. Auch die Schreiber tun sich in Reviews zum letzten Album oder Konzerten recht schwer. Mittlerweile würde ich unsere Musik grob als melodischen Death Metal mit progressivem Einschlag bezeichnen. Am einfachsten ist es, wenn man mal auf unserer MySpace-Seite vorbeischaut und sich selbst ein Bild macht. Zum momentanen Line-Up der Band sei gesagt, dass das wohl die am längsten konstante Besetzung in der 10jährigen Geschichte der Band ist, nämlich seit nunmehr reichlich 2 Jahren. Am Bass haben wir Gruni, am Schlaghzeug Hannes, die Gitarren werden vom Duo Joe und Philip zum klirren gebracht und ich (Robby) bin an den Vocals für den räudigen Ton im Sound zuständig.

Sleepless: Könnt ihr uns eine kleine Zusammenfassung über die Gründungsgeschichte der Band präsentieren?

Robby: Da gibt es eigentlich nicht viel besonderes zu berichten. Ich habe die Band 1997, also vor genau 10 Jahren, ins Leben gerufen, weil ich einfach Bock auf extremen Metal hatte und unbedingt was eigenes machen wollte. Damals hatten wir noch ein völlig anderes Line-up, zwischenzeitlich stand ich sogar alleine da. Umso toller ist es, jetzt eine Mannschaft gefunden zu haben, die wirklich einiges auf dem Kasten hat und wo auch zwischenmenschlich die Chemie stimmt. Das merkt man auch auf unseren Konzerten, wo wir jedes mal auf und abseits der Bühne sauviel Spaß an der Sache haben.

Sleepless: Zur Band: Wie kennt ihr euch untereinander? Ist die Band als ein "Freundschaftsprojekt" entstanden, oder hat jemand von euch angefangen und dann die anderen Instrumentalisten mit in's Boot geholt?

Robby: Wie gesagt, die Besetzung hat im Laufe der Zeit ständig gewechselt. Ich hab das ganze initiiert mit dem Gedanken, frische extreme Musik zu kreieren, die auch ein wenig Anspruch hat, der dann nach und nach weiter gestiegen ist. Alle jetzigen Mitglieder sind mehr oder weniger über eine vorherige Freundschaft in die Band gekommen.

Sleepless: Welche musikalischen Vorbilder habt ihr bzw. welche Bands oder Musiker haben euch besonders inspiriert oder in eurem Klang beeinflusst? Gibt es sogar speziell andere Stile, denen ihr für euch nacheifert oder die ihr gerne neben dem Metal hört?

Robby: Ich denke das ist bei uns ganz arg breit gefächert. Unseren gemeinsamen Nenner finden wir aber bei Megadeth, Hypocrisy, Opeth und eher unmetallischen Sachen wie Uzeb (Jazz Fusion). Aber da hat jeder in der Band seine eigenen speziellen Vorlieben, die man teilweise auch auf der Homepage nachlesen kann.

Sleepless: Könnt ihr uns erläutern, wie bei euch ein Stück entsteht? Gibt es bei euch jemanden, der sich in erster Linie auf die Texte konzentriert? Schreibt ein bestimmtes Mitglied die Musik oder entsteht diese überwiegend im Zusammenspiel?

Robby: Das ist völlig verschieden. Wir haben Songs, die innerhalb von nur 2 bis 3 Proben entstanden sind, während wir an anderen Songs wiederum ein viertel Jahr feilen. Das hängt von der Komplexität und vom vorhandenen Material ab. Mittlerweile gibt es erste Songs, die passend auf Texte geschrieben wurden aber der Gros der Songs erfährt den üblichen Weg, dass jemand mit einem Riff daherkommt oder schon einem ersten Arrangement mit mehreren Riffs oder Leads und dann wird das Ganze mit weiteren Ideen zu einem Song zusammengezimmert, eventuell komplett umarrangiert. Erst dann folgt meistens der Text oder die Anpassung eines vorhandenen Textes an die Songstrukturen. Wir haben aber auch schon ganze, im Nachhinein gesehen wirklich gute, Songansätze in die Tonne getreten und uns lieber auf einen neuen, uns in dem Moment vielversprechenderen Ansatz konzentriert. Die Texte schreibe vorwiegend ich, da gibt es schon mal Konzepte wie für die nächsten Alben, wo ich auch schon die optische Komponente oder sogar Video-Idee und Homepage-Layout passend in der Hinterhand habe. Das war nicht immer so, diese Arbeitsweise kristallisiert sich aber nach und nach heraus.

Sleepless: Wie schätzt ihr die Resonanz des Metal-Publikums auf euch ein?

Robby: Pauschalisieren kann man das nicht. Wir haben schlechte und gute Tage und es gibt schlechte und gute Locations wo wir dementsprechend mehr oder weniger Resonanz bekommen. Aber anhand von Reviews und den Reaktionen der Fans nach dem Konzert können wir behaupten, dass die Reaktionen auf unsere Live-Shows durch die Bank gut bis sehr gut sind, besonders in letzter Zeit. Da machen sich dann auch ein bisschen die Erfahrungen bezahlt, die man nach und nach gemacht hat. Wie schon zuvor gesagt, haben wir ne Menge Spaß auf unseren Konzerten und ich denke das springt oft auch aufs Publikum über.

Sleepless: Liveauftritt: Wie sollte der perfekte Karkadan-Liveauftritt aussehen? Gab es diesen schon?

Robby: Perfekte Auftritte gibt es nicht. Man hat als Musiker immer irgendwas, dass einem nicht so gut gefallen hat, wo man vielleicht sauberer hätte spielen können oder Ähnliches. Weit vorn mit dabei sind sicherlich die Auftritte in Oslo auf dem Inferno Festival 2007, wo es trotz Nervosität erstaunlich gut lief, der LKA-Longhorn Auftritt Ende Juni 2007, wovon wir auch ein kleines Live-Video ins Netz gestellt haben und auf dem Summer Breeze Open Air 2007, einfach weils ein gigantisches Gefühl war, auf der großen Bühne zu stehen und unseren neuen überlangen Song zu präsentieren.

Sleepless: Wie seit ihr auf den Stil "Black Heavy Metal" gekommen? Ergab sich das einfach beim Zusammenspiel oder war dieser Klang von euch grundsätzlich konzipiert und gewollt?

Robby: Das stimmt ja so gar nicht mehr - mittlerweile würde uns wie gesagt melodischen progressiven Death Metal bezeichnen. Bei unserem Debüt hatten wir noch einen deutlichen Melodic Black Metal Touch, wie man ihn bei den aufstrebenden Bands zu dieser Zeit finden konnte. Aber wir hatten auch immer diese klassischen Heavy Metal Riffs und die typischen Soli, wie sie im extremen Metal-Bereich nicht so oft zu finden sind. Deshalb war das damals die passende Umschreibung. Ich denke gerade in der Musik ist ein kalkuliertes, wir klingen jetzt wie XYZ, völlig daneben, wir wollten ja nichts kopieren, sondern etwas Neues erschaffen.

Sleepless: Wie Verbunden seid ihr allgemein mit dem "Black Metal"? Seid ihr sehr involviert oder wollt ihr euch grundsätzlich von der mittlerweile sehr großen Masse abheben (was euch aufgrund eures eigenen Sounds an sich sicher ist)? Was haltet ihr von der Szene? Wie sieht es mit Corpsepaint aus? Marsch gegen das Christentum?

Robby: Also mit Black Metal verbindet uns eigentlich nur noch unser Debüt und persönlich kann ich nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass ich mit dem heutigen Black Metal nur noch entfernt etwas am Hut habe. Die typischen Klischees waren zu meiner Jugendzeit noch wirklich eine coole Sache, man hat sich rebellisch gefühlt, aber heute sind wir alle etwas erwachsener und da ist es nicht das oberste Ziel, möglichst rebellisch zu sein und sich abzugrenzen. Wir hören alle die Musik, die uns gefällt und sicher sind auch ein paar Black Metal Klassiker dabei, aber wenn ich in den News lese, dass in Frankreich ein paar Kiddies wieder Kirchen angezündet haben und damit den ganzen Leuten, die endlich die Metal Festivals aus ihren Dörfern raus haben wollen, wieder genügend Munition geliefert haben, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Sleepless: Wenn ihr zurück blickt, wie würdet ihr sagen hat sich Karkadan entwickelt? Was gefällt euch an der Band und deren Entwicklung, was hättet ihr gerne anders, wo seht ihr selbst Raum für Verbesserungen? Was waren die größten Momente, welche die Beschissensten?

Robby: Zu verbessern gibt es nichts. Die Band hat eine natürliche Entwicklung durchlaufen und steht jetzt musikalisch gesehen einige Stufen höher als nur am Anfang, aber das Ende der Fahnenstange ist definitiv noch nicht erreicht. Es war schon immer eine Prämisse von Karkadan, die Weiterentwicklung und den eigenen Sinn für Musik über alles andere zu stellen. Trotzdem wissen unsere Fans, was sie von uns erwarten können, und Überraschungen sind mittlerweile wohl alle von uns gewohnt. Wir haben uns schon viel zu oft zwischen die Stühle gesetzt. Die größten Momente sind einfach Konzerte mit großartigen Reaktionen der Besucher und natürlich auch das Entstehen neuer Musik. Beschissene Momente in dem Sinn gab es nur wenige, wie z.B. erst morgens um 4 auf die Bühne zu können, weil die Veranstaltung nicht richtig funktioniert hat.

Sleepless: Wird es in Bälde ein neues Album geben? Denn, dass euer "jüngster" Longplayer "Utmost Schizophrenia" erschienen ist, ist ja doch schon einige Jahre her...

Robby: Wir arbeiten im Moment an neuem Material, in verschiedenste Richtungen, es existieren Konzepte und Pläne, die ich hier noch nicht näher erläutern möchte. Interessierte können mich gern auf unseren Konzerten ausfragen, da gebe ich meist noch das ein oder andere Detail mehr Preis.

Sleepless: Ergänzungsfrage: Es ist ja davon auszugehen, dass ihr einige neue Stücke im Repertoire habt. Wie würdet ihr diese beschreiben, wie heissen sie, um welche Themen dreht es sich lyrisch?

Robby: Beschreibungen sind hier fast unmöglich, da sie sich stilistisch wie von uns gewohnt sehr unterscheiden. Das nächste Album wird definitiv sehr abwechslungsreich, ich hoffe, die Leute kommen damit klar. Wie gesagt, da mehr zu verraten oder selbst schon zu kategorisieren wäre fehl am Platze. Dazu sind Live-Konzerte die bessere Möglichkeit. Das nächste Album "Against Time" befasst sich mit dem Thema Zeit und wie wir heute damit umgehen, die Lyrics mischen sich aber zugleich mit weiteren Aspekten. Es stehen schon viele Ideen, aber wir müssen hier noch einiges an Arbeit investieren, besonders in Sachen Songwriting.

Sleepless: Habt ihr noch Nebeprojekte oder andere Bands, in denen ihr tätig seid? Wenn ja, welche Stile sind vertreten? Oder steht ihr (zu vielen) Nebenprojekten eher kritisch gegenüber?

Robby: Mittlerweile habe nur noch ich eine weitere Band und das auch erst (wieder) seit kurzem. Die Band heißt „The Exorial“ und kann als schwedisch angehauchten Death Metal mit einigen melodischen Elementen beschrieben werden. Ich stand bei der Band, die es auch schon seit 10 Jahren gibt, aus Gaudi schon damals öfter auf der Bühne. Nachdem die Band auf Eis lag, hat man mich für die Reunion-Show auf dem Zabbaduschder Open Air gefragt, ob ich nicht die Vocals übernehmen würde, weil der Original-Shouter mittlerweile in Holland studiert. Der hat sich dann nur bei einem Song die Vocals mit mir geteilt. Da das alles alte Kumpels von mir sind, passt das prima. Mit dem Basser Kai stand ich schon vor 8 Jahren mit meiner damaligen Band Cerecloth auf der Bühne. Tomasz hat nicht nur bei Belphegor die Drums bearbeitet, sondern auch schon bei Karkadan live ausgeholfen - so passt Eins zum Anderen. Schaut mal vorbei auf der MySpace-Seite unter http://www.myspace.com/theexorial !

Sleepless: Wie weit würdet ihr mit "Karkadan" gehen wollen, sollte es euch möglich sein? Bis "ganz nach oben", ständiger Tour/Album/Tour/Album-Rhythmus, häufige Konzerte, viel Merchandise, Interviews oder frei Schnauze wie es euch gefällt, jedoch auch mit der Aussicht z.B. auf mehr "öffentliches Interesse"? Oder würdet ihr lieber grundsätzlich etwas "kleiner" bleiben wollen?

Robby: Eigentlich passt das alles so, wie es im Moment ist. Klar wäre es schön, ein paar CD‘s mehr zu verkaufen. Unsere Veröffentlichungsrythmus wird sich auf jeden Fall auch so erhöhen und große Festivals durften wir ja auch schon eine Menge spielen, sowie einige Mini-Tourneen. Mehr wollen wir nicht, würden uns aber auch nicht wehren, wenn wir jetzt ein klein wenig mehr Unterstützung bekämen. Denn die Doppel-Belastung für mich als Plattenfirmen-Chef und gleichzeitig Bandmitglied macht sich bei Karkadan schon manchmal bemerkbar.

Sleepless: Stellt euch vor ihr dürftet mit einer Band spielen, deren Vorgruppe plötzlich abgesagt hat. Für wen würdet ihr selbst gerne einmal als Vorgruppe einspringen?

Robby: Opeth - ich denke da sind wir uns alle einig, das wäre wohl der größte gemeinsame Nenner. Philip würde vielleicht Megadeth nehmen, Gruni vielleicht Morbid Angel, aber Jo und Hannes auf jeden Fall Opeth und ich würde den Beiden dann wohl zustimmen.

Sleepless: Dieser Platz ist euch zur Verfügung gestellt, um ein paar letzte Worte an uns, das Publikum, Musiker oder wer weiß an wen zu richten...

Robby: Danke für Deine Unterstützung - und ich hoffe, wir sehen alle, die das hier lesen mal auf dem ein oder anderen Konzert. Wir freuen uns über jeden, der mit uns auch mal ein Schwätzchen hält und das ein oder andere Bier trinkt...

Vielen Dank auf nochmal von uns für die Zeit und ausführliche Beantwortung unserer Fragen! You rock!

Das Interview wurde geführt per E-Mail.

Marius

Links zum Thema:

http://www.karkadan.de/
http://myspace.com/karkadan
http://www.s-c-r.de/
http://www.myspace.com/theexorial