Knüppelnacht 2007
27.10.07 – Halle 101, Speyer
mit Hatchery, Nyctophobia, Silent Overdrive, a.death.experience, Boiling Blood, Necrotized

Ein weiteres male stieg in der alterwürdigen Halle 101 in Speyer die fast schon legendäre Knüppelnacht. Auch wenn die Bands nur teilweise vom Knüppelgrad her zu einer Knüppelnacht passen, haben die Veranstalter ein gutes und abwechslungsreiches Billing zusammen gestellt.

Den Anfang an diesem Abend machten die Jungs von NECROTIZED. Da ihr eigentlicher Sänger kurzfristig den Gig absagen musste, konnte die Truppe kurzfristig Christian (Gitarrist bei DESTRUCTION OF DAWN) für den Posten am Mikro rekrutieren. Da die Truppe nur drei Tage zeit hatte, um den Ersatzsänger Bühnentauglich zu machen, hieß es für die Jungs drei Tage lang proben und die Finger wund spielen. Das Resultat konnte sich aber dennoch sehen lassen. Christian machte am Gesang eine gute Figur und bei seinem Stageacting musste man schon Angst haben, dass er vor lauter Bangen den Kopf abschraubt. Vor der Bühne ist um kurz nach 19 Uhr noch recht wenig los, aber nach und nach füllt sich die Halle. Und die neurotischen Zuspätkommer haben eine lustige Truppe und vor allem ein geniales „Sweet Home Alabahma“ im Death Grind Gewand verpasst.

Bei der Knüppelnacht im vergangenen Jahr hatte es die nun folgenden BOILING BLOOD recht übel erwischt. Nach etlichen Verzögerungen spielte die Truppe damals vor einer Hand voll Leute mitten in der Nacht. Diesmal durften sie noch einmal ran, aber diesmal zu deutlich früherer Stunde. Resultat war, dass vor der Bühne doch deutlich mehr los war. Mit Old School Thrash der Marke Slayer wurden hier schon mal die ersten Nackenwirbel ordentlich zum quietschen gebracht. Als hätte die Band zum Frühstück einen ICE verschluckt, gingen die Herren doch mächtig gut ab und ihre Mucke ebenso. Seid fast einem halben Jahr haben die Herren des älteren Semesters mit Flo einen doch deutlich jüngeren Gitarristen mit an Bord, der mit einer mächtig kultigen Klampfe den Auftritt bestritt. Mit Songs wie „The Evil inside“, das auf der 2005er Promo CD zu finden ist, konnten die Jungs einen sehr soliden Gig absolvieren.

Aus Frankfurt am Main kamen mit A.DEATH.EXPERIENCE eine Melodic Death Metal Kapelle in die pfälzische Metropole getuckert, um ihre Songs den Fans um die Ohren zu pfeffern. Mit „Once More” und „Experience“ wurde gleich mal gezeigt, wo der Hase lang läuft und doch sehr ordentlicher Death Metal dar geboten, der neben den moderneren Anleihen mich hier und da auch an AT THE GATES erinnerte. Aber auch Bands wie DARK TRANQUILLITY oder HYPOCRISY sind hier und da deutlich als Einfluss herauszuhören, wie beim Song „Into purple skies“ der mit langsamer Melodie anfängt und dann mächtig eiertretend weiterrumpelt. Die Truppe konnte mit recht gutem Songwriting trumpfen und auch einen sehr guten Gig abliefern.

Nach zwei Bands aus der Pfalz und einer aus Hessen wurds nun mal Zeit für eine symBadische Band. SILENT OVERDRIVE aus Sinsheim enterten nun die Bühne und bretterten auch gleich mit „Disease“ los. Trotz des miesen Sounds, der an diesem Abend wirklich alle Bands heimsuchte, zeigte die Truppe ihre Liveerfahrung und wusste vom ersten bis zum letzten Takt, wie sie die Meute vor der Bühne mitreisen kann und tat das auch und zwar ohne Ausnahme. Die Fans ließen keinen Song aus um zu bangen. Weder bei dem Mosher „In Hell“, dem Titelstück der 2005er EP „Babylon Nation“, dem neuen Stück „My Decision“ noch bei der Mitgrölhymne „Lost your belief“ legten die Fans eine Pause ein und ließen unentwegt die Matten kreisen. Nach etlichen Zugaberufen gab es dann noch den Song „The Story Ends“ zum Abschluss eines wirklich sau starken Auftritts.

Mit den Karlsruhern NYCTOPHOBIA gab es nun etwas für die Schwarzmetaller unter den anwesenden Metalheads. Aus der Band SLICE’N’DICE hervorgegangen bringen die Jungs und das Mädel melodischen Black Metal unters Volk, der durch recht gutes Songwriting zu überzeugen weiß. Bei langsameren Passagen werden hier Erinnerungen an NOCTE OBDUCTA und SUN OF THE SLEEPLESS wach. Wird das Tempo dann mal angezogen sind Bands wie HORNA oder auch teilweise GRAVEWORM als mögliche Vergleiche zu nennen. Also eine relativ weite Bandbreite die durch die Musik von NYCTOPHOBIA im Bereich des Black Metals abgedeckt wird, was dann auch Stücke wie das langsame, leicht episch angehauchte „Des Tages blutges Werk“ unter beweis stellen. Neben weiteren Stücken des derzeitig aktuellen Werkes „Nyctophobia“ gab es mit „Berge des Wahnsinns“ und „Der Mensch in mir ist tot“ wie bereits auf vergangenen Konzerten auch, einen Ausblick auf das kommende Album. Sehr solider Gig, den die Truppe hier ablieferte. Lediglich die Ansagen vom Sänger wurden auf Dauer etwas nervig und das net nur bei mir sondern wohl auch bei der Keyboarderin, die des öfteren den Jungs Zeichen gab, dass sie doch endlich weiter spielen sollen.

Den Abschluss der diesjährigen Knüppelnacht bildeten die Thrasher von HATCHERY. Zwar schon zu recht später Stunde, aber dennoch vor einer noch relativ großen Menge an Metalheads gab es hier die Thrashkeule wie sie auch schon von DESTRUCTION und Konsorten geschwungen wurde. „Birth of a bomb“, so heißt das erst kürzlich releaste Album der Truppe und das Titelstück wurde auch gleich zu Beginn des Auftritts durch die PA geprügelt. Mit „The Brohterhood“ gab es ein recht melodisches Stück, das allerdings trotz der eingängigen Melodie nicht die Power vermissen lies, wie sie die anderen Songs aufweisen. Zwar ist der Gesang von Frontmann für manche Ohren vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Musik im allgemeinen kann sich echt hören lassen. Und wer sich die neue CD noch nicht reingepfiffen hat, sollte dies auch mal schleunigst tun. Als nette Zugabe eines sehr guten Gigs, gab es als Schmankerl noch ein Cover der Milzbrandbubies von ANTHRAX.

Fazit: Bei der diesjährigen Knüppelnacht hatte man ein sehr abwechslungsreiches Billing zusammen gestellt. Die Bands konnten allesamt teils sehr gute Gigs abliefern. Einziges Manko hierbei war, wie üblich in der Halle 101, mal wieder der Sound, der auch an diesem Abend deutlich zu wünschen übrig lies, vor allem im Hinblick auf den Teils viel zu leisen Gesang. Das Event hätte darüber hinaus auch noch weitaus mehr Besucher vertragen können und auch verdient gehabt. Aber die Metalheads, die sich auch von dem mit 8 € doch recht üppigen Eintrittspreis nicht abhalten ließen, gingen gut ab und hatten sichtlichen Spaß.

Zu verbessern wäre vielleicht auch die Sache mit dem Bonsystem. Denn es gab hier nur Bons für 10 €uro und da überlegte man es sich dann doch zweimal ob man sich noch einen weiteren Bon holt, wenn man einen aufgebraucht hatte, zumal man kein Restbon wieder zurückgeben konnte. Sollten die Veranstalter nächstes Jahr wieder bei diesem Bonsystem bleiben, dann wäre zusätzlich noch ein 5 €uro Bon nicht übel.

Und wer zum Schluss dann noch immer ein wenig Geld über hatte, konnte sich an den drei Merchandiseständen um das Ersparte erleichtern und so am Baden Metal Stand auch von den auftretenden Bands CDs und Shirts kaufen oder sich an anderen Ständen mit Schallplattenraritäten oder Patches eindecken.

Im großen und ganzen, war es aber wieder ein klasse Konzert, mit guten Bands. Da bleibt nur noch zu sagen. Bis zum nächsten Jahr.

Oimel

NECROTIZED

 

BOILING BLOOD

 

A DEATH EXPERIENCE

 

SILENT OVERDRIVE

 

NYCTOPHOBIA

 

HATCHERY

 

DAS FESTIVAL