Interview mit Lamera

Es war einmal eine Zeitungsannonce. Nein, hier ist jetz nicht die von Metallica die Rede, sondern von der Mannheimer Truppe LAMERA, deren Anfänge mit einer Anzeige in der Sperrmüllzeitung beginnen. Einem Album und einigen Gigs später hat sich die Truppe zu einem kleinen Geheimtip gemausert, der zwar in der Region noch nicht so bekannt ist, aber auf dem besten Wege dazu ist, dies zu ändern.

„Lamera“, dazu schweigt mein 15-bändiger Brockhaus. Was soll des bedeuten?

Wir wollten einen Bandnamen haben, der nicht nach einer bestimmten Schublade riecht. Unsere Musik sollte dem Namen eine Bedeutung geben und nicht umgekehrt. Daneben sollte man sich den Namen auch noch einfach merken können. Am Ende ist der Name dann unserer Phantasie entsprungen.

Und in Echtzeit? Was erwartet einen auf nem Lamera-Gig? Wie rockt die aktuelle Debuettscheibe?

Auf unseren Gigs erwarten einen: Emotionen, Power und Metal. Die Songs der aktuellen Scheibe rocken auf jeden Fall gut. Wir erhalten bei unseren Gigs durchweg positives Feedback.

Ihr kennt meine Kritik bei „Sleepless“. Könnt ihr mit meinem Vergleich zu Combos wie Pantera, Fear Factory und Metallica leben? Wo liegen eure echten Vorbilder? Wo würdet ihr euch selber einordnen?

Also der Vergleich umfasst zumindest zum Teil die Bands die wir gerne hören. Die Musik von Metallica hat sicherlich jeden von uns bisher begleitet. Pantera eigentlich auch. Obwohl nicht alle von uns uneingeschränkt auf Pantera stehen. Fear Factory kennt eigentlich kaum einer von uns wirklich. Tom hat wohl ein oder zwei CDs von den Jungs, aber sonst ist uns deren Musik nicht so geläufig. Aber vielleicht ist dein Vergleich ja mal ein Grund reinzuhören.

Unsere Einflüsse sind sicherlich noch deutlich vielfältiger als die zwei der drei genannten Bands. Im Endeffekt beeinflusst einen ja alles was man hört irgendwie – bewusst oder unbewusst. Zu unseren stärksten Einflüssen zählen wir nicht nur diverse Metal-Bands wie Lamb of God, Metallica, Helmet, Meshuggah oder COB sondern sicherlich auch Sachen aus dem Alernative- und Rock-Bereich.

Generell sind unsere Einflüsse ziemlich weit gefächert und bei uns allen sehr unterschiedlich. Es gibt nur wenige Bands oder Musiker bei denen wir komplett auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Der ein oder andere bei uns hört auch durchaus Jazz, Pop oder Instrumentalmusik nebenher.

Selbst einordnen tun wir uns mit unserer momentanen Musik nur ungern aber Modern Thrash Metal trifft das Ganze eigentlich nicht schlecht. Die Bezeichnung hat einer deiner Webzine-Kollegen benutzt und damit können wir eigentlich ganz gut leben.

Wie sich unsere Musik aber weiterentwickeln wird, kann man schwer sagen. Wir machen immer das worauf wir Lust haben. Am meisten kommt es uns darauf an, dass die Musik die wir machen uns und dann auch unsere Zuhörer auf eine gewisse Art und Weise bewegt. Es gibt nichts Schlimmeres als belanglose, dahinplätschernde Musik.

Wir werden auch sicherlich nie einen Song live spielen oder auf CD bannen, der uns nicht irgendwie am Herzen hängt. Da kann man es auch gleich sein lassen. Es gibt sowieso schon viel zu viele Bands, die zweitklassige CDs abliefert, auf denen maximal 2-3 Lieder gut und der Rest Lückenfüller sind.

Der Silberling moscht übelst. Wie waren die bisherigen Reaktionen?

Sehr positiv eigentlich. Wir wussten, dass die CD gut ist, aber waren wirklich über das sehr gute Feedback überrascht. Gespannt sind wir auf jeden Fall noch auf weitere Reviews und mehr Feddback von unseren Fans. Die Verbreitung unserer CD ist ja gerade erst am anlaufen. Promoten wollen wir unser CD und unsere Musik in nächste Zeit vor allem über zahlreiche Gigs.

Generell muss man sagen, dass wir die CD weitaus kritischer sehen, als viele der Leute. Für eine erste CD und unter anbetracht unseres Budgets, welches wir hatten, ist das Teil echt der Hammer.

Aber unsere nächste CD wird sicherlich eine Steigerung darstellen. Sowohl von den Songs, vom spielerischen, wie auch vom Sound. Dort wird dann sicherlich noch sorgfältiger gearbeitet und auch mehr Erfahrung in die Aufnahme einfließen.

Könnt ihr mehr zu den Aufnahmen sagen? Wie ging es im Studio ab?

Die Aufnahmen haben sich trotz relativ kurze Gesamtzeit im Studio über einen sehr langen Zeitraum erstreckt. Merih Gürlek, der mit uns die CD aufgenommen hat, hat quasi drei bis vier mal im Monat Feierabend oder am Wochenende ein paar Stunden Zeit gehabt, um mit uns aufzunehmen. Das hat das ganze schon sehr anstrengend gemacht.

Aber sonst lief alles sehr harmonisch. Merih ist ein super Kerl, der weiß, was er macht. Und bei uns lief das Ganze auch erstaunlich gut, obwohl das für jeden von uns das erste Mal im Studio war. Die Gitarren wurden jeweils in ca. 5 Stunden mit zwei Spuren pro Song eingespielt. Das war echt hart und ging auch nur dank guter Vorbereitung. Auch die Drums und der Bass gingen recht schnell von der Hand.

Beim nächsten mal werde wir aber sicherlich noch mehr Vorbereitungen treffen. Bei dem ein oder anderen Song haben wir dann doch nochmal am Gesang oder an der Bass-Melodie rumgetüftelt und experimentiert. Das machen wir nächstes Mal vor der Aufnahme im Proberaum. Dann bleibt auch mehr Zeit für Experimente mit dem Sound.

Generell werden wir das nächstes mal möglichst das meiste an einem Stück machen. So innerhalb von zwei Wochen Urlaub das Ding eintüten.

Ihr kommt aus den USA, Kroatien und Oldgermany. Wie passt dieser kulturelle Mix zusammen?

Super. Wir sind eigentlich generell ne ziemlich witzige Truppe und viel am Lachen. Und auch neben der Band sind wir gut befreundet und gehen auch des Öfteren mal zusammen grillen oder so.

Unsere Bandsprache ist Denglisch. Ein fürchterliches Kauderwelsch zwischen deutsch und englisch. Das macht das Ganze doch immer wieder lustig.

Wie funktioniert das Songwriting?

Tom sitzt oft nächtelang am Flügel und komponiert auf vergilbtem Notenpapier. Haha! Ne, also wir umschreiben das mal so: Tom bringt das Holz mit in den Proberaum, Max baut einen Stuhl daraus, Silvio sagt, dass wir die Beine vergessen haben und dann setzt sich Matej drauf und sagt, dass er sich scheiße sitzt. ;)

Gibt’s n paar klärende Worte zum Cover Artwork?

Das Artwork kommt von Alex Wiercinski, der auch unsere Homepage gemacht hat. Er ist ein alter Kollege von Matej, der Mediengestaltung oder so was Ähnliches studiert. Die Idee zum Artwork kam vom Titel „Destruction Manual“ aus, die Anleitung zur Zerstörung. Daher findet sich immer wieder ein altes Buch auf den Bildern wieder, begleitet von Motiven, die zeigen wie man doch schön was zerstören kann.

Und n paar Worte zu den Texten?

Die Texte entstammen alle der Feder von Tom. Generell geht es ihm bei den Texten darum wahre Gefühle, die einen bewegen, auszudrücken. Es geht auch darum das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten, oder den Leuten einen Spiegel vorzuhalten. Viele der Texte drehen sich daher um unsere Gesellschaft oder bestimmte Gefühle und Situationen im Leben.

Liveerfahrung konntet ihr bereits sammeln...

…auf ca. 15 Gigs in der Region. Dabei haben wir mit Sicherheit auch eine große Lernkurve durchlaufen, da bis auf Matej keiner von uns vorher mit einer anderen Band auf der Bühne war. Mittlerweile sind unsere Live-Shows absolut tight und einfach nur geballte Power.

Wir versuchen jetzt weiterhin uns in der Region einen Namen zu machen. Aber wir sind mittlerweile auch auf der Suche nach Gigs ausserhalb der Rhein-Neckar-Region.

Die Cleanvocals, gekontert von den Screams, sind euer Markenzeichen. Sind hier zwei Sänger am Werk?

Hier gibt’s ein klassisches Jein. Tom singt grundsätzlich die Growls. Beim cleanen Gesang sind Tom und Max am Werk. Hier werden wir in Zukunft auch sicherlich noch viel experimentieren.

Als Metalfreak, dessen Schlagzeugkarierre mangels Proberaum jäh beendet wurde, meine Standartfrage: Wo probt ihr?

In Mannheim, Neckarau. Zuvor waren wir in Muckensturm in einem alten Bauernhof und dann auf der Friesenheimer Insel. Dort haben wir den Proberaum aber aufgegeben, da wir mehr und mehr Gigs hatten und nicht jedes mal unsere Instrumente aus dem 3.OG herunter und wieder raufschleppen wollten.

Wie seid ihr live unterwegs? Kann man euch diesen Sommer erleben?

Da unsere CD erst im April fertig war, haben wir leider die Bewerbungsfrist für diverse Festivals verpasst. Dennoch sind wir eifrig auf der Suche nach Gigs.

Einer unsere nächsten Gigs ist bei „Schall die Halle“ in Bammental am 14.06. Dort werden wir unter anderem mit Smilodon, Baxter und Diabolic Danceclub die Bühne rocken.

Ein weiterer Gig ist am 19.09. im Juz in Lampertheim. Dort werden wir mit Inertia und einem bisher nicht bekannten Überraschungsgast spielen.

Unsere aktuellen Gigs findet man auch immer auf unserer Homepage www.lamera.org oder auf unserer Myspace-Seite. Dort werden auch mit Sicherheit noch einige zusätzliche Gigs auftauchen.

Und wann geht’s das nächste mal ins Studio.

Vielleicht nächstes Jahr. Bisher haben wir schon wieder 5 neue Songs und jede Menge weitere Ideen. Wenn dann bis Ende des Jahres genug Kohlen durch CD-Verkäufe zurückgeflossen sind und wir noch ein paar mehr Songs geschrieben haben, werden wir sicherlich wieder was aufnehmen. Und das wird mit Sicherheit ein Hammer, das können wir jetzt schon sagen.

Zuletzt, das ist bei uns gute Sitte: Was wollt ihr noch los werden?

Jesus was a race car driver!

Danke für das wirklich ausführliche Interview. Alles gute für euch und Lamera.

Angel§layer