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Last Winternight Festival V 27.03.2010 – Rock- und Popverein Wiesloch mit Abrogation, Slartibartfass, Arven, Demento u. Rache
Die Räumlichkeiten des Rock- und Pop-Vereins sind Besuchern der vorherigen „Letzten Winternächte“ schon gut bekannt. So wurde auch das fünfte – quasi das Jubiläumsfestival – auch wieder in den heiligen Hallen des Vereins zur Förderung der Rock- und Popmusik in Wiesloch veranstaltet. Wie es bisher immer war musste man sich auch dieses mal keine Sorgen machen, ob es denn vor Ort ordentliche Verpflegung gibt. An einer Bar im Eingangsbereich (neben der eigentlichen Konzertstube) gab es verschieden Getränke – sowohl alkoholischer als auch nichtalkoholischer Art – zum Verkauf. Ein paar Barhocker luden zum Hinsetzen ein, während nicht wenige auch mit einem Stehplatz am Tresen zufrieden waren. In selbigem Eingangsbereich gab es auch wieder einen Verkaufsstand mit Schmuck, Tonträgern und anderem Merchandise. Dieses Jahr waren hier der MDD Shop und das Team von Schwermetall – Der Film vertreten. Direkt daneben wurden wie in den Jahren zuvor auch wieder belegte Brötchen und Hot Dogs verkauft (letzteres für 2,50 Euro). Eine kleine Neuerung gab es dieses Jahr mit Simone Deichmann’s „Phantasiegalerie“, direkt beim Einlass. Hier wurden melancholisch wirkende Fotos und Bilder in unterschiedlichen Größen (von Poster bis Postkarte) verkauft, meist Bildnisse von Schlössern, Statuen und Motive aus der Natur, alles in schwarz/weiß. Etwas gab es leider im Bereich der (Männer-)Toiletten zu bemängeln. Nicht die allgemeine Sauberkeit war das Problem, Toilettenpapier war auch genügend vorhanden – nein, es schien wohl irgendwo ein Rohr oder eine Spülung undicht geworden zu sein. Somit wurde der Boden dort immer feuchter, je später der Abend wurde. Es schien allerdings kein mit Fäkalien belastetes Abwasser zu sein, nur um dies hier klar zu stellen.
Aber kommen wir nun zum eigentlichen Festival. Nach dem bereits um 18 Uhr die Pforten öffneten, durfte gegen 19 Uhr dann die erste Band des Abends die Bühne entern. Opener dieses Jahr waren die Jungs von RACHE aus Ebertsheim aus der Pfalz. Anfangs als Soloprojekt ins Leben gerufen scharte Bandkopf M.V. eine Livetaugliche Band um sich, um ihren Black Metal auch in die Konzerthallen zu bringen. Nach einem Besetzungswechsel, der letztes Jahr vollzogen wurde, kamen ein neuer Gitarrist und ein neuer Sänger zur Band, so dass nun M.V. (Gitarre), Aarson (Schlagwerk), Morian (Gitarre) und Fenris (Stimmwerk) die Band komplettieren. Trotz der noch relativen Unbekanntheit der Band konnte sie dennoch einiges an interessiertem Publikum vor die Bühne locken. Musikalische Vergleiche kann man bei RACHE vielleicht mit Bands wie Nargaroth ziehen, von welcher zum Abschluß des Auftritts auch eine Coverversion dargeboten wurde. Im allgemeinen War der Auftritt der jungen Truppe weitgehend in Ordnung. Lediglich zu Beginn des Konzertes hatte man den Eindruck, als ob die Herren an den Klampfen aneinander vorbei spielen würden. Aber das änderte sich bereits ab dem dritten Song, welcher mit einer sehr eingängigen Melodie aufwarten konnte. Gesangstechnisch kam der neue Sänger an den alten nicht ganz heran, wobei die Bühnenpräsenz überzeugender wirkte. Die neu besetzte Gitarrenposition sorgte allerdings für eine klangliche Verbesserung. Trotz der überschaubaren Besucherzahlen – was sich über den gesamten Abend hinweg zog – konnten die Schwarzheimer doch für einige fliegende Matten sorgen.
DEMENTO, die bereits auf dem 3. Last Winternight Festival im Jahre 2008 zugegen waren, standen auch dieses mal an zweiter Stelle des Line-Ups. Wie schon damals wartete die Band mit progressivem Death Metal auf, der mit teilweise ungewöhnlichen Songstrukturen, Tempowechseln und „Breakdowns“ angereichert war. Im Gegensatz zum damaligen Auftritt war eine überwiegend neue Setlist im Gepäck, die viele Stücke des aktuellen Albums „Unruh“ beinhielt (übrigens zu erstehen über die Band, sei es auf Konzerten oder über MySpace). Einige der Stücke hatten eine beachtliche Länge von bis zu ca. 10 Minuten und es fanden sich zudem Songs mit deutschen Texten im neuen Repertoire, besonders positiv fiel das bisher nur live hörbare Stück „Kalamität Taumelnd“ auf. Ein Einstieg in die Songs fällt wegen der ungewohnten Stilmittel und Techniken dennoch einigen Leuten schwer, trotzdem war der Platz vor der Bühne von einigen interessierten Konzertbesuchern bevölkert. Auf diesem Auftritt mit dabei war der neue Bassist „Stephan“, der eine fehlerfreien Einstand leistete. Erwähnenswert ist auch, dass sich bei diesem Auftritt die Ex-Mitglieder Jochen Pfeffer (Bass) und George Patti (Gitarre) noch einmal die Ehre gaben aufzuspielen. Kaum ist das erste Album draussen, wartet man doch mit einiger Neugier auf kommende musikalische Ergüsse, sind doch einige der Lieder aus der Setlist noch nicht als Aufnahmen erhältlich.
Aus dem Großraum Frankfurt kam dann der dritte Act des Abends. ARVEN, eine Heavy Metal Band, die – mit ausnahme des Schlagzeugers – komplett aus Frauen bestand. Gesanglich – man kann es sich schon denken – ging es eher opernhaft daher, was sich bei so manchem Besucher nicht ganz als ohrenverträglich erwies. Neugierige Blicke und Ohren konnte die Band aber dennoch vor die Bühne locken und auch etliches fliegendes Haar war zu sehen. Musikalisch gibt es hier zum einen Power Metal der zum Bangen nicht supobtimal ist und – vorallem durch die Keyboardspuren erzeugter – Symphonischer Heavy Metal. Durch den Gesang werden Parallelen zu Bands wie Nightwish oder Edenbridge natürlich gleich gezogen. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber die Band fand dennoch wohl Anklang beim Publikum, was die recht hohe Anzahl an Zuhörern zu bestätigen schienen.
SLARTIBARTFASS haben sich dem Pagan Metal verschrieben. Jetzt werden aber manche vielleicht denken, was hat Slartibartfass mit Pagan Metal zu tun. Nun gut. Slartibartfass ist in Douglas Adams Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ der Erbauer Norwegens. Da Pagan Metal bekannter weise textlich in der Regel die Germanische oder Nordische Mythologie thematisiert, kann man hierbei also nachvollziehen, wieso sich SLARTIBARTFASS ebenso getauft haben. Aber zurück zum Festival. Als Co-Headliner durften SLARTIBARTFASS nun die Bühne entern. Die aus Ulm kommenden Heiden wahren der Einladung gefolgt, um beim fünften Last Winternight Festival ihren Pagan Metal unter die Leute zu bringen. Auf Grund dem nach wie vor vorherrschendem Zustrom zum Pagan und Viking Metal dürfte es nicht allzuschwer sein, der doch ganz ordentlichen Vielzahl an Pagan Metal Anhängern seine – auch noch so magere – musikalische Kost näher zu bringen. Die „Schwabenkinder“ stechen aus dem doch ganz schön übersättigten Pagan Metal Bereich ein klein wenig heraus. Hauptgrund hierbei dürfte wohl der von Jessica Live gespielte Dudelsack sein, der der Musik von SLARTIBARTFASS eine ganz eigene Note verleiht. Auch von der restmusikalischen Darbietung der Band kann man sich recht leicht überzeugt fühlen. Schade für den Auftritt war, dass das Keyboard etwas zu leise war und teils auch ganz im Zusammenspiel unterging. Meiner Meinung nach ein etwas größeres Manko der Band dürfte der Gesang sein. Nicht die Sangeskunst an sich, sondern fiel mehr die Stimmfärbung mag in das restliche Klangbild der Band nicht so recht reinpassen. Aber nichtsdestotrotz hat die Band einen ordentlichen Auftritt abgeliefert und auch für so manche wehende Mähne vor der Bühne gesorgt.
Nun schon zur Nachtzeit kamen die weit angereisten ABROGATION an die Reihe. Zwar waren die Reihen im Publikum schon etwas lichter geworden (was wohl nicht unbedingt an der Uhrzeit sondern eher an der Feierwut der anwesenden Festivalbesucher lag), doch abgefeiert wurde vor der Bühne trotzdem. Die Kapelle lieferte einen eher ungewöhnlichen Auftritt ab, ist man es doch gewohnt, dass viele Bands aus den extremeren Bereichen des Metal eine eher ernste Bühnenshow liefern oder wenig scherzhafte Ansagen beisteuern. „Schwarte“ – wie sich Gitarrist und Stimmarbeiter der Magdeburger nennt – erkundigte sich häufig beim Publikum, ob es denn Spaß hätte und ob es ihm gefällt, wechselte bei den Ansagen die Stimmlagen und Sprechtechniken von normalem Gesprächston zu gekünstelter Erzählstimme oder dem bekannten tieferen Gegrunze. Gespielt wurden viele Titel vom neuen Album „Sarggeburt“, mit dessen Titelstück der Auftritt auch gleich begonnen wurde, und auch Stücke von „1487“ (z.B. Rabenschlacht). Mit Werken wie „Das Blut der Toten“, „Erlkönig“ und „Engelmacherin“ wurden aber auch wichtige „Klassiker“ der Band präsentiert. Instrumental und stimmlich saß alles, man bekam eine Vollbedienung an melodischem Death Metal, die Leads waren präsent wenn sie es sein mussten, unverzerrte Gitarrenteile kamen in perfekt angepasster Lautstärke ins Gehör und auch die Hauptgesangsstimme (Gitarrist Poldi steuerte ab und zu eine Zweitstimme bei) wurde nie zu laut oder zu leise. Man kann den Auftritt der Magdeburger definitiv als DAS Highlight des Abends betiteln. Ohne die Darbietungen der anderen Bands zu schmälern, war ABROGATION ein mehr als würdiger Headliner und Abschluss des fünften Last Winternight Festivals.
Irgendwie viel zu schnell verging dann auch das fünfte Last Winternight Festival. Da es sich um ein kleines Jubiläum handelte – auch wenn es nicht so angepriesen wurde – hätte man sich hier wohl auch von der Bandauswahl bzw. Bandkonstellation doch deutlich mehr erwartet. So ist es wohl auch nachzuvollziehen, dass mit gerade mal 120 zahlenden Besuchern im Vergleich zu den vier vorhergenden Ausgaben des Festivals, fast von einem kleinen Debakel gesprochen werden kann. Aber auch wenn nicht so viel los war: Die Stimmung, die die Anwesenden bereiteten war dennoch um einiges besser als bei so mancher überfüllter Location. Auch die Leistungen der Bands waren durch die Bank durch mehr als in Ordnung.
Links zum Thema:
http://www.last-winternight.de http://www.abrogation.de/ http://www.slartibartfass-musik.de/ http://www.myspace.com/arvenband http://www.myspace.com/dementometal http://www.rachekrieg.de/ http://phantasiegalerie.de/ http://www.mdd-shop.de http://www.schwermetall-der-film.de/
Oimel, Marius
RACHE



DEMENTO


ARVEN


SLARTIBARTFASS


ABROGATION




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