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Nach ihrem Debüt Album “The Final Resurrection” legten die Melodic Black / Dark Metaller von Lyfthrasyr mit „The Recent Foresight“ im Dezember ihr zweites Langeisen nach. Wir sprachen mit Fontmann und Basser Aggreash und Gitarrist Insorior über das aktuelle Album und die Band.
Lyfthrasyr war ja Anfangs ein Soloprojekt eures Frontmannes Aggreash. Wie kam es dazu, dass sich daraus dann eine Band mit festem Line-up formte?
Aggreash: Nun, zum einen kann ich nicht Schlagzeug spielen und bin kein wirklich guter Gitarrist, weshalb ein echtes Soloprojekt nicht in Frage kam, und zum anderen wollte ich von Beginn an live spielen. Da ich sowohl das Einspielen als auch die Konzerte nicht von Söldnern erledigen lassen wollte, stand also nur ein festes Line-Up zur Debatte. Und die Vorteile liegen auf der Hand: Jeder bringt sich voll in die Band ein und mit der Zeit wächst man zusammen. Wir spielen inzwischen seit zwei Jahren in dieser Besetzung und von Konzert zu Konzert wird unser Zusammenspiel und das Stageacting besser.
Was bedeutet der Name „Lyfthrasyr“?
Aggreash: Die Apokalypse der Nordischen Mythologie, auch als „Weltenbrand“ oder „Ragnarök“ bekannt, überlebte nur ein Menschenpaar, von dem der Mann den Namen „Lifthrasir“ trug. Wir haben diesen Namen in seiner Schrift etwas modifiziert und ihn letztendlich primär wegen des guten, interessanten Klanges gewählt, aber auch, weil er für etwas Neues steht.
Verarbeitet ihr diese Thematik zur nordischen Mythologie auch in euren Lyrics?
Aggreash: Nein.
Wie läuft im Hause Lyfthrasyr das Songwriting ab?
Aggreash: Ein Song entsteht bei mir meist mit einigen Keyboardideen und/oder interessanten Drumrhythmen. Um diese herum werden Gitarren, Bass und Gesang arrangiert, damit alles recht schnell in gutem Kontext steht. Es gefällt mir beispielsweise nicht, ein paar wenige Pilotspuren zu schreiben und den Rest dann über die Zeit dazu wachsen zu lassen, da ich recht schnell konkret wissen möchte, ob ein Part Zukunft hat oder besser wieder entfernt wird. Dadurch ist alles sehr durchdacht – manchmal vielleicht auch zu sehr – und es entsteht viel Ausschuss, da ich eine Idee recht schnell verwerfe, wenn sie sich nicht von alleine in meinem Kopf festsetzt oder ich echtes Potential entdecken kann.
Wie lange braucht ihr, bis ihr einen Song fertig habt?
Aggreash: Mindestens ein bis zwei Wochen, nicht selten ein bis zwei Monate. Ich bin kein Freund allzu spontaner Ideen, da mir diese meist wenige Tage später schon nicht mehr gefallen. Nur wenn mich Melodien oder Parts nach mehreren Tagen noch überzeugen, bleiben sie im Song enthalten.
Bei euren Liveauftritten kommen ja die Keyboardpassagen vom Band. Habt ihr euch nicht mal überlegt, ob ihr vielleicht den Posten an den Tasten mit etwas Livehaftigem besetzt?
Aggreash: Lange wird es dafür wohl nicht mehr dauern, da uns selbst klar ist, wie nachteilig der momentane Zustand mit Keyboards vom Band live ist. Außerdem haben wir diesen Kritikpunkt – vor allem während und nach der Tour – inzwischen schon so oft gehört, dass es wohl wirklich langsam Zeit wird, daran etwas zu ändern. Bislang hatten wir es vermieden, da wenige Leute in der Band Vieles einfacher machen: Weniger Meinungsverschiedenheiten, einfachere Organisation, weniger herumzuschleppendes Equipment, billigere und einfachere Anreise zu Konzerten, etc. Allerdings ist das Keyboard bei Lyfthrasyr so essentiell, dass dafür einfach jemand auf der Bühne stehen sollte.
Vor kurzem habt ihr mit „The Recent Foresight“ euer zweites Album herausgebracht. Wie waren die ersten Reaktionen auf das Album?
Insorior: Eigentlich durchaus positiv. Wir hatten ein wenig Bedenken, die Leute, denen die erste Platte gefallen hat, jetzt etwas zu verschrecken, weil die neue Platte deutlich komplexer, schneller und härter ist. Das war bisher zum Glück nicht der Fall. Da die Veröffentlichung aber erst anderthalb Monate zurückliegt, kann man sicher noch kein richtiges Resümee ziehen.
Sind für euch die Reaktionen aus der Presse, die überwiegend gut waren, sehr wichtig?
Insorior: Ja! Bis auf wenige mittelmäßige Bewertungen haben wir nur positive Reviews erhalten, was uns sehr freut und zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Pressereaktionen sind natürlich sehr wichtig für uns und unsere Weiterentwicklung, da man so eigentlich am besten herausfinden kann, was vielleicht noch verbessert werden sollte. Aber trotzdem ist uns das Feedback der Fans noch wichtiger als die Pressestimmen.
Seid ihr im Nachhinein mit dem Endresultat zufrieden? Es ist ja oft so, dass Musiker nie 100%ig zufrieden sind und immer noch hier und da etwas geändert hätten. Wie ist das bei euch?
Insorior: Also unzufrieden sind wir sicher nicht. Ich denke innerhalb des vorgegebenen Zeitplans haben wir bestimmt auch das Optimum herausgeholt. Wir haben - denke ich - wirklich viel gelernt, weil wir mit sehr guten Leuten zusammengearbeitet haben, und werden nächstes Mal wohl auch einiges von dem gelernten einbringen können aber im Großen und Ganzen sind wir doch zufrieden mit dem Resultat.
Aggreash: Natürlich sind wir nicht 100%ig zufrieden… Neben der nicht ganz optimalen Zeitplanung, die uns deutlich zu viele schlaflose Nächte kostete, wissen wir auch genau, was uns selbst am Sound oder den Songarrangements nicht ganz gefällt. Dennoch bin ich mir sicher, dass wir einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben in der Entwicklung vom Debüt „The Final Resurrection“ zu „The Recent Foresight“. Und es gibt immer noch ein nächstes Album, auf dem man sich weiter verbessern kann und wird.
Was bedeutet der Albumtitel für euch?
Aggreash: „The Recent Foresight“ heißt übersetzt „Der moderne Blick in die Zukunft“. Dieser Titel nimmt das Leitthema für sämtliche Songtexte vorweg, nämlich einen Versuch, auf abstrakte Weise aufzuzeigen, dass dieser „moderne“ und recht negativ geprägte Blick in die Zukunft heutzutage den früheren auffällig ähnlich ist. Als Ursache kann man meiner Meinung nach ausmachen, dass die zugrunde liegenden Probleme nach wie vor dieselben sind mit Antriebslosigkeit oder Handlungsunfähigkeit auf der einen, aber auch Übermotivation oder falscher, unrealistischer Zielsetzung auf der anderen Seite. Die Gründe dafür sind also eher in menschlichen Charakterschwächen als in heutigen Gegebenheiten zu suchen. Der Blick geht zwar nach vorne, wirklich neu sind die Gedanken dazu allerdings nicht.
Worin seht ihr den Unterschied zum Vorgängeralbum „The Final Resurrection“?
Insorior: Das erste Album ist ein wenig langatmiger und auch etwas softer. Die neue Platte ist wesentlich kompakter, aggressiver und hat mehr Death Metal Elemente. Insgesamt ist unser Stil auf „The Recent Foresight" deutlich eigenständiger geworden.
Aggreash: Auch im Keyboard gab es einige Änderungen: Waren es auf „The Final Resurrection“ noch vermehrt eher Standard-Black-Metal-Sounds, so verwenden wir inzwischen einerseits aufwendig programmierte Orchester- und Chorarrangements und auf der anderen Seite sehr experimentelle elektronische Klänge.
Habt ihr die Arbeiten zum aktuellen Album genauso durchgezogen wie zuvor oder seid ihr anders zu Werke gegangen?
Insorior: „The Final Resurrection“ war noch ohne eingespielte Drums und komplett von uns selbst abgemischt. Dieses Mal haben wir die Drumaufnahmen und den Mix im Studio gemacht, was Aggreash und mir ermöglicht hat, uns mehr auf die Musik und die Aufnahmen konzentrieren zu können.
Welche Songs würdet ihr den Fans als Anspieltipps für eure beiden Platten nennen?
Aggreash: Direkt in die Fresse gehen der Opener „Rage towards Apathy“ und „Exhaling the Spirit of Time“ auf dem neuen Album “The Recent Foresight”. Wer es etwas komplexer möchte, sollte in “Venture and Value” reinhören. Mein persönlicher Favorit ist „Rage towards Apathy“.
Auf dem Debüt „The Final Resurrection“ würde ich „Bloodlust“, „Forgotten Hope for the Relinquished“ oder „Sections of fascinating Cruelty“ empfehlen, wobei Letzterer mein Lieblingssong auf dieser CD ist.
Wie würdet denn ihr eure Musik beschreiben? Von welchen Bands seht ihr euch beeinflusst?
Aggreash: Wir bezeichnen unsere Musik ja selbst als Melodic Black/Dark Metal, was auf das Debüt „The Final Resurrection“ vermutlich besser passte als auf „The Recent Foresight“, aber wohl dennoch den stilistischen Hauptteil ausmacht. Inzwischen sind auch vermehrt Anteile von Death Metal und elektronischer Musik dabei, was sich am einfachsten durch einen Wechsel meiner eigenen Lieblingsbands erklären lässt: War ich zu Beginn noch mehr von Dimmu Borgir oder Cradle of Filth beeinflusst, so sind es mittlerweile eher Bands wie Rammstein oder Machine Head, in großem Maße aber auch Filmsoundtracks.
Am 05.12. habt ihr im Schwimmbadclub in Heidelberg eine Releaseparty durchgezogen, bei der neben euch auch noch Crystal Crow und Katharsis aufgetreten sind. Wie habt ihr die Party erlebt und wie kam es zu der Gigkonstellation von den drei Bands?
Insorior: Die Party war in Ordnung. Uns war es sehr wichtig, das neue Album wenigstens bei einem Konzert in Deutschland vorzustellen. Im Schwimmbad-Club hatten wir schon gespielt und mit Crystal Crow hatten wir auch schon ein Konzert zusammen gespielt und die Jungs hinterher kennen gelernt.
Aggreash: Wir hatten uns viel Mühe gegeben, den Leuten etwas Besonderes zu unserem Release zu bieten mit einer besonderen Lichtshow. Leider waren nicht so viele Leute da, wie wir uns erhofft hatten. Vor zwei Jahren noch hatten wir im Schwimmbad-Club – ebenfalls unter der Woche – vor etwa dreimal so vielen Leuten gespielt. Dennoch war es auch für uns etwas Besonderes und wir hatten viel Spaß. Was die Wahl der beiden anderen Band angeht, kannten wir Crystal Crow ja bereits und lernen Katharsis über Christoph Brandes von den Iguana Studios kennen. Dort haben wir die Drums für „The Recent Foresight“ aufgenommen und Christoph spielte uns einen Song von Katharsis vor, weil deren Stil grob in unsere Richtung geht und sie auch dort aufgenommen hatten.
In vergangenen Jahr seid ihr ja gemeinsam mit Kataklysm, Behemoth und Aborted auf Tour gewesen. Wie waren denn für euch die Erlebnisse on Tour? Gab es besonders lustige Vorkommnisse? Wo führte euch die Tour überall hin? Hattet ihr während der Zeit viel Kontakt zu den anderen Bands?
Aggreash: Es war eine tolle Erfahrung, immerhin war es unsere erste Tour und dann gleich mit so namhaften Bands. Die Konzerte waren allesamt sehr gut besucht und wir wurden sowohl von der Tourleitung als auch von den anderen Bands wirklich fair behandelt: Wenn beispielsweise Aufbau und Soundcheck mal etwas länger dauerten, was nicht selten der Fall war, oder der Einlass so kurz vor offiziellem Beginn war, so dass noch kaum Publikum da war, durften wir meist später anfangen, was als erste Supportband alles andere als selbstverständlich ist.
Lustige Ereignisse gab es viele, da die Stimmung allgemein sehr angenehm war und alle gut miteinander auskamen. Die Jungs von Aborted waren dabei meist die größten Spaßvögel und „bekämpften“ sich mit Behemoth, indem man beim Auftritt der jeweils anderen Band auf die Bühne rannte und irgendwelchen Schwachsinn trieb. Den Höhepunkt des Ganzen gab es dann beim letzten Konzert in Lyon als Aborted mit Corpse Paint im Behemoth-Stil auftraten und – bis auf die Songs natürlich – eine Behemoth-Show nachahmten.
Insgesamt umfasste die Tour 19 Konzerte in 10 Ländern um Deutschland herum, fand aber leider komplett ohne Deutschlandkonzerte statt, was wohl unser größtes Manko war. Immerhin hatten wir aber noch ein mehr oder weniger „Heimkonzert“ in Strasbourg, das wirklich phantastisch war und für uns einen der absoluten Tourhöhepunkte darstellte.
Kontakt zu den Bands hatten wir sehr viel, da man durch das gemeinsame Reisen in den Bussen schon fast wie eine Familie zusammenlebt. Wir fuhren mit Behemoth in einem Nightliner und feierten eigentlich jeden Abend nach den Konzerten recht ausgelassen zusammen, da die Jungs wirklich sehr sympathisch und nicht abgehoben sind. Aber auch Kataklysm waren sehr nett und umgänglich und luden uns zuletzt sogar noch auf das Nuclear Blast Festival im Oktober ein, was wir natürlich dankend annahmen.
Seid dem ihr bei Twilight unter Vertrag seid, kann man ja sagen, dass es bei euch steil Bergauf geht. Neben der erwähnten Tour habt ihr schon etliche Gigs, auch auf Festivals gespielt. Nimmt das ganze viel Zeit in Anspruch?
Insorior:’ Die Konzerte selbst sind eigentlich der weniger zeitintensive und stressigere Teil. Der Hauptstress ist eher die Produktion und vor allem die und die ganze Technik, die wir bei Lyfthrasyr einsetzen, zum Laufen zu bringen... Auf die Konzerte selbst freue ich mich dann eigentlich immer.
Aggreash: Neben der Produktion und natürlich den Konzerten machen wir auch einen Teil der Promotion und das meiste Booking selbst. Das alles kostet immens viel Zeit und wir hoffen, bald noch mehr davon „outsourcen“ zu können, zum Beispiel mit einer Booking-Agentur. Wie Insorior schon gesagt hat, kostet bei Konzerten die Vorbereitung die meiste Zeit, vor allem wenn neue Songs oder vorzubereitende Showideen dazukommen.
Wie kam denn die Kooperation mit Twilight zustande?
Insorior: Ich hatte bei Twilight eigentlich angerufen, um einen Vertrieb für "The Final Resurrection" zu finden, denn uns war das Selbstverschicken auf Dauer zu stressig und wir wussten damals gar nicht, dass Twilight nicht nur Vertrieb ist, sondern auch ein Label. Der Rest ergab sich dann während dem Gespräch...
Seid ihr auch noch in anderen Bands aktiv oder konzentriert ihr euch voll und ganz auf Lyfthrasyr?
Insorior: Aggreash und ich konzentrieren uns momentan voll auf Lyfthrasyr, Skytorian trommelt außerdem noch für Necroid, einer Death Metal Band aus Stuttgart.
Was werdet ihr im Jahr 2008 mit Lyfthrasyr alles unternehmen? Habt ihr schon Zusagen für diverse Open Airs?
Insorior: Wir werden auf jeden Fall versuchen noch ein paar Konzerte in Deutschland zu spielen – wenn es sich anbietet auch im Rahmen einer Tour. Am Festival-Booking arbeiten wir natürlich auch. Da der Großteil der Reviews aber erst gerade erschienen ist, dauert es noch ein wenig, bis wir mehr sagen können. Die eine oder andere Zusage haben wir aber bereits und werden sie zeitnah veröffentlichen.
Wenn ihr weiter in die Zukunft blickt. Wo wollt ihr mit Lyfthrasyr noch hin? Gibt es Ziele, die ihr mit der Band unbedingt noch erreichen wollt oder lasst ihr alles auf euch zukommen?
Aggreash: Mein persönliches Ziel war es schon immer, auf richtig großen Festivals wie Wacken zu spielen. Eine größere Tour und eine professionelle Produktion haben wir inzwischen, vielleicht schaffen wir die Festivals jetzt ja als nächsten Schritt. Und wenn noch nicht jetzt, dann eventuell mit dem nächsten Album, das es auf jeden Fall auch geben soll.
Dann bedanken wir uns für das Interview und wünschen euch für die Zukunft noch viel Erfolg.
Euch ebenfalls vielen Dank für das Interview! Bis zum nächsten Mal!
Oimel
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