Nacht der drohenden Schatten VI
26. Januar 2008 - Halle 101, Speyer
u.a. Baptism, Urn, Irrlycht, Pestnebel

Besonders neugierig waren wir auf die diesjährige Nacht der drohenden Schatten, war uns doch das letztjährige Festival sehr gut in Erinnerung geblieben, was nicht zuletzt an dem Auftritt der Band Irrlycht lag, welche auch dieses Jahr wieder vertreten war. Als nach und nach die Bands angekündigt wurden, konnte sich so mancher „Schwarzmetaller“ schon getrost seine Karte bestellen. Spielen sollten diesen Januar Supplicium (Frankreich), Pestnebel (Deutschland), Irrlycht (Deutschland), Urn (Finnland), Darkestrah (Kyrgyzstan/Deutschland), Hell Militia (Frankreich) und Baptism (Finnland).

Einige Minuten vor Konzertbeginn waren schon sehr viele Metaller (auch aus dem Ausland wie z.B. Luxemburg, Frankreich oder der Schweiz) eingetroffen und versorgten sich an den Ständen von Darkland Records, Heidens Hart, Obscure Abhorrence und Undercover Records mit CD’s, Schallplatten, Aufnähern und weiterem Merchandise, das natürlich thematisch sehr auf den Abend zugeschnitten war. Weniger Kaufinteressierte deckten sich an der Bar mit entsprechenden Getränken ein; es gab die üblichen nichtalkoholischen Getränke, also auch das obligatorische Zeug und auch diversen harten Alkohol. Wie es häufig bei Veranstaltungen in der Halle 101 der Fall ist, wurde wieder mit einem Bon- und Pfandsystem gearbeitet, für die normalen Getränke gab es Becher der Größe 0,4 Liter. Ein Bier kostete wie z.B. auch Cola oder Fanta günstige zwei Euronen und war damit sehr bezahlbar. Die Toiletten waren auch gegen Ende des Abends und am frühen morgen noch so weit sauber, das sie für alle nötigen Geschäfte benutzt werden konnten.

Mit ein klein wenig – aber kaum merklicher – Verspätung waren dann Supplicium auf der Bühne, wie die meisten Künstler an diesem Abend geschmückt mit Corpse/War-Paint und dem im Black Metal üblichen „Schmuck“. Bekannt war uns der Name der Combo schon vorher, aber bisher wurde nicht mehr als eine Demo veröffentlicht, also war es nicht genau einzuschätzen, was den Besucher erwarten sollte. Dafür, dass die Band den Opener darstellte, legte sie einen fast tadellosen, gnadenlosen Auftritt hin, der vor allem von einem dominanten Schlagzeug geprägt war. Lediglich der Spielfluß war durch verlorene Drumsticks und ein gefallenes Mikro etwas beeinträchtigt, was aber nicht sonderlich negativ auffiel.

Gespannt waren nicht wenige der Festivalbesucher auf Pestnebel, einem Projekt von Pestmeister Tairach (u.A. Fiend). Wie von den Alben her gewöhnt wurde kompromissloses, „trockenes“ Schwarzmetall gespielt, womit die Band nicht wenige direkt vor die Bühne locken konnte und dort von Chaos, Verfall und Misanthropie kündete. Die Melodieläufe waren zumeist im Hintergrund gehalten und gingen leider teilweise etwas im kriegerischen Geknüppel unter.

Irrlycht, bereits vom vorigen Jahr bekannt und von nicht gerade wenigen erwartet waren als nächstes am Zuge. „Willkommen zur Nacht der drohenden Schatten. Wir sind Irrlycht – Lokalmatadoren“, erklärte der finster anmutende Isegrimm passenderweise zu Beginn des Auftritts. Wer sich über neues Material gefreut hätte, wurde in dieser Hinsicht leider enttäuscht – es wurde die bisher aufgenommene Irrlycht-MCD komplett und in gleicher Songfolge gespielt, aber das wie im Vorjahr schon sehr souverän und überzeugend. Zum passenden Ambiente wurde wieder mit einigen Fackeln verholfen, eine Peitsche wurde vom Sangeskünstler geschwungen und auch die einzige Einlage des Abends im Feuerspucken wurde geboten.

Nach erneuter Pause sollten die finnischen Black/Thrasher von Urn musikalische Brachialität erzeugen. Gespielt wurde auch Material vom kommenden Album „Desecrators And Soul Destroyers“, das über Dynamic Arts Records im Februar 2008 erscheinen soll. Das vom Titel her ähnliche Stück „Soul Destroyer“ war nur einer der vielen Songs, den die finnischen Black/Thrash-Pioniere an diesem Abend zum besten gaben. Je nach Neigung zog es die anwesenden Gäste nach vorne und nicht wenige ließen ihr Haupt kreisen.

Darkestrah, welche ursprünglich aus Kyrgyzstan kommen, waren die fünfte Band am Start. Zur Überraschung vieler stammte das Gekrächze, das sich unausweichlich den Weg ins Gehör suchte, von einer Frau. Hier und da gesanglich an Dani Filth erinnernd, hatte die Musik von Darkestrah aber auch rein gar nix mit der Truppe von Herrn Filth zu tun. Ein gut arrangiertes Wechselspiel zwischen epischen Einlagen und grässlich in die Menge gerotzten Riffgewittern durfte die Hörer entzücken. Einziges Manko war, dass die Stücke sich häufig in die Länge zogen und dabei ein klein wenig Langeweile aufkam. Nichtsdestotrotz konnte die Truppe vollends überzeugen.

Mütiilati on-Fanatiker waren sicherlich sehr gespannt auf Hell Militia, da ja Meynach mit seinem Projekt damals sehr aktiv im französischen Black Metal-Untergrund war. Optisch bot diese Band – anstatt nur dem üblichen Corpsepaint – einen zusätzlichen „Schockeffekt“. Auf einer kleinen Leinwand wurden, während die Lieder vorgetragen wurden, schockierende und obskure Szenen von extremer Pornographie und Folter gezeigt, was nichts für schwache Nerven war. Passend zu der Setliste, die von den rudimentären Anfängen ihrer vorhergehenden Demos bis hin zu den zeitgemäßen Werken, alles beinhaltete, wurden stets andere Videos vorgeführt, die allerdings zu sehr für visuelle Ablenkung sorgten, als dass man sich ausgiebig auf die Musik hätte konzentrieren können.

Zum Abschluß kamen die ersehnten Baptism, welche ihren ersten Auftritt außerhalb von Finnland spielten. Entsprechend viel war dann auch vor der Bühne los, da man im Laufe des Abends von einigen Besuchern erfahren konnte, dass einige in erster Linie wegen Baptism teils Hunderte von Kilometern angereist waren. Eine der sich selbst am treuesten finnischen Black Metal Bands durften ihren sofort erkennbaren, aber dennoch traditionellen „Eliterian Black Metal“ vorführen. „Grimmige Künste der Melancholy“ stehen als das Naturell der Band, welche mit ihren Stücken einen in ihre gottlosen und melancholischen Tiefen hinabreist. Ein beeindruckender Auftritt! Mehr kann man hierzu nicht sagen.

Fazit:

Ein durchaus sehr gelungenes Hallenfestival, das knapp 500 Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung - ja sogar aus dem Ausland – angezogen hatte. Die Getränke waren durchaus bezahlbar, Merchandise gab es in Hülle und Fülle, der Klang der auftretenden Kapellen war durchweg gut und nicht zu bemängeln.

Lediglich soll hier einigen Besuchern noch etwas eingeschärft werden: Ihr wart auf einem Black Metal Konzert, nicht im Kindergarten! Also wenn ihr euch mit der Thematik, dem Auftreten, den Stilmitteln und allem sonstigen daran nicht identifizieren oder abfinden könnt, solltet ihr besser in eurer behüteten, beheizten Wohnung auf euren Kuschelmöbeln bleiben.

Marius, Oimel

Links zum Thema:

http://drohende-schatten.de (Festivalpage)
http://www.baptism.cjb.net (Homepage der Band Baptism)
http://evilness.com/hellmilitia/index2.htm (Homepage der Band Hell Militia)
http://www.darkestrah.vze.com (Homepage der Band Darkestrah)
http://www.urn666.com/main.php (Homepage der Band Urn)
http://www.irrlycht.de (Homepage der Band Irrlycht)

SUPPLICIUM

 

PESTNEBEL

 

 

IRRLYCHT

 

 

URN

 

 

DARKESTRAH

 

 

HELL MILITIA

 

 

BAPTISM