Queens Of Metal Open Air 2008
19. - 21.06.08 – Kleinwenkheim

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Wenn man bedenkt, wie der Auftakt vor zwei Jahren finanziell verlief und man letztes Jahr quasi null auf null rausgekommen ist, kann man den Veranstaltern nur ein Lob aussprechen, dass sie sich nie unterkriegen ließen und dieses Jahr bereits das dritte QOM Open Air haben steigen lassen.

Wer die letzten male schon mit von der Partie war, wird gleich gemerkt haben, dass sich auf dem Festivalgelände einiges geändert hat. So wurde das Partyzelt a) größer und b) an anderer Stelle aufgebaut. Die Bühne wurde etwas gedreht und es wurde noch ein zweites größeres Zelt aufgestellt in welchem man sich mit Speisen verköstigen konnte. Futter, da wären wir dann auch schon beim nächsten Punkt. Denn hier wurde „die wohl beste Speisekarte des Metals bundesweit“ (Zitat Andy, „Schwermetall der Film“ / Dragon Metal) aufgetischt. Und das alles zu mehr als günstigen Preisen. Neben dem Futter wurde auch Getränketechnisch weiter aufgestockt und da das Festival direkt in die Fußball EM fiel, hat man sich auch nicht lumpen lassen, um die Viertelfinalspiele auf Leinwand zu übertragen.

Pünktlich zum Festivalauftakt am Donnerstag, durfte man auch gleich den Sieg der DFB-Elf gegen Portugal und den Halbfinaleinzug kräftig mit feiern. Im Anschluss an das Spiel lies Dj Hotte etliche Hits aus allen Genres des Metals durch die Boxen wummern. Dass an diesem Abend kein Auge und vor allem keine Kehle trocken blieb, war da selbst verständlich.

Freitag, 20.06.08

Bandmäßig durfte Freitags die aus dem Queens of Metal Umland stammende Band ELENSIS das Festival eröffnen. Mit Songtexten die sich weitgehend mit der nordischen Mythologie beschäftigen, will man die Band eigentlich recht schnell irgendwo in eine Schublade stecken. Aber das will nicht so recht funktionieren. Weiblicher Gesang, der durch die vom Schlagzeuger beigesteuerte Backingvocals angereichert wird trifft auf ein Soundgebräu, dass irgendwo zwischen Power Metal einlagen und gelegentlichen Einschüben aus dem Black Metal variiert. Musikalisch weiß die Truppe zu begeistern, allerdings wollte der Funke auf das Publikum nicht so recht überspringen.

Richtig düster wurde es im Anschluss bei MORT. Die Black Metal Truppe, eben aus dem Frankenland, gibt es noch gar nicht allzu lange. Zumindest nicht in der Konstellation. Zunächst als Soloprojekt begonnen, scharte sich Frontmann Kvaltar Musiker um sich, um die Musik auch auf der Bühne präsentieren zu können und das taten sie in beachtlich guter Manier. Eingängiger Black Metal, variabel zwischen flotten Parts und fast groovigen Ansätzen wurde hier geboten. „Kein stupides Gebolze“ (Andy, Dragon Metal / Schwermetall der Film). Zum teil mit deutschen und auch englischen Texten versehen, erinnert die Band musikalisch und auch textlich an Bands wie CARPATHIAN FOREST oder MYSTIC CIRCLE.

Wer denkt, dass von der Irischen Insel nur Ale oder Irischer Folk kommt, der wurde nun eines besseren Belehrt. GROUND OF RUIN, waren den langen Weg nach Kleinwenkheim gereist, um den Franken zu zeigen was ordentlicher Death / Thrash Metal ist. Und das taten die Jungs und wie. Da kommt die Truppe hierüber lässt eine ordentliche Brise über das QOM-Land fegen, dass einem glatt die Spucke weg bleibt. Versehen mit zusätzlichen leichten Black Metal Anleihen, war die Truppe jetzt schon ein kleines Highlight auf dem QOM 08. Neben den Death Thrash Riffs, die sich die Klinke in die Hand gaben, konnte man auch eine leichte melodische Note vernehmen, die mit ordentlicher Doppelbasswalzen unterlegt wurde. Hier auch einen ordentlichen Respekt an die Veranstalter, dass sie sich keine Kosten und Mühen gescheut haben, die Truppe nach Deutschland zu holen.

Ganz aus dem Westen der Republik kamen EDGE OF THORNS. Musikalisch an Größen wie METALCHURCH oder SAVATAGE angelegt, war die Truppe in diesem Jahr die erste, die aus dem Heavy / Power Metal Sektor die Bühne entern durfte. Ich muss zugeben, nicht mein Fall, aber dennoch konnte die Truppe einige Metalheads vor die Bühne locken und sie zum mitmachen animieren. Eingefleischte Fans des seichteren Metals sollten definitiv mal die neue Scheibe „Masquerading of the wicked“ antesten.

Nun gab es wieder eine Thrashkeule. Und was für eine. DELIRIOUS eröffnet mit „Triple Six“ ihr Set. Thrash Metal der an alte Bay Area Zeiten erinnert und sich vor Vergleichen mit Größen wie TESTAMENT oder FORBIDDEN nicht scheuen braucht, bekommt man hier schön brachial um die Lauscher geprügelt. Hier gibt es aber bei weitem nicht nur stumpfes gethrashe. Nein. Die Truppe hat noch viel mehr auf dem Kasten und so überrascht ihr schwergewichtiger Frontmann gar mit gekonntem cleanen Gesang, während seine Bandkollegen ein Riffinferno über Franken hereinbrechen lassen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, war es der Truppe auch gegönnt, dass sich weitaus mehr Leute vor der Bühne tummelten. Denn letztes Jahr fiel ihr Auftritt buchstäblich ins Wasser, nach dem ein Wolkenbruch sämtliche Metalheads vor der Bühne vergrault hatte und sie quasi einen leeren Platz beschallten. Von den Veranstaltern bekamen sie daraufhin eine zweite Chance und diese haben sie auch mehr als gut genutzt.

Die bunten Hunde des diesjährigen Festivals waren eindeutig die 4 Jungs von GRAILKNIGHTS. Vor allem optisch unterschieden sie sich auf den ersten Blick von den restlichen Bands. Bekleidet mit waschechten Superheldenoutfits und farblich abgestimmtem Corpse-Paint, machen sich die selbsternannten Helden erneut auf die Suche nach dem heiligen Gral. Unterstützt vom Publikum, das in die Rolle des „Battlechoir“ schlüpft und ihrer Stute „Zapf Beauty“, die für den Nachschub an „Flüssignahrung“ sorgt, stellen sie sich dem bösen Dr. Skull. Dieser lässt es sich natürlich nicht nehmen, gemeinsam mit seinem ork-ähnlichen Diener, der Bühne und der Menge davor einen Besuch abzustatten. Mit ihrem „epic melodic Deathmetal“ fahren die Hannoveraner eine partytaugliche Mischung auf, die mit ihren oftmals mehrstimmigen Chorälen zum Mitsingen einlädt. Auf jeden Fall ein interessanter Auftritt mit hohem Unterhaltungsfaktor. Dem Publikum hat es anscheinend auch gefallen, denn des Öfteren sind mir während dem restlichen Festival, kleinere Gruppen begegnet, die Lieder der Truppe grölend über den Zeltplatz torkelten.

Jetzt standen die Bonner Jungs von PERZONAL WAR auf dem Plan. Seit nunmehr 12 Jahren machen sie den Untergrund der Metal Szene unsicher. Ihr musikalischer Grundstein liegt eindeutig im melodischen Thrash – Metal und Vergleiche mit Größen wie METALLICA sind aufgrund stimmlicher Ähnlichkeiten zwar verständlich, aber dennoch überholt. Denn bei PERZONAL WAR dürfte eine breitere Masse auf ihre Kosten kommen. Sowohl Fans von Bands wie SOILWORK, IN FLAMES oder PARADISE LOST werden Lieder für sich entdecken, wie auch Freunde der etwas härteren Gangart. Leider waren die Metalheads wohl noch etwas geschwächt von der vorherigen Gralsuche, denn die Reihen lichteten sich etwas. Die Übriggebliebenen jedoch, holten auch noch das letzte bisschen Energie aus ihren Nackenmuskeln.

Alle guten Dinge sind drei. Mit Ausnahme von LENG TCH’E. Hier hat es nun beim zweiten Versuch endlich geklappt, die Truppe aus Belgien zum QOM zu holen. War ihnen im vergangenen Jahr doch urplötzlich der Schlagzeuger abhanden gekommen, musste die Band ihren Gig canceln. Doch beim zweiten Anlauf hats dieses Jahr nun hingehauen und so kommt die Truppe mit neuem Line Up und ihrer neuen Scheibe „Marasmus“ hier in Kleinwenkheim an und knallt der moshenden Meute im Pit vor der Bühne von Beginn an ne ordentliche Portion Stoner Grind vor den Latz, dass es grad so scheppert. Musikalisch sicherlich nicht jedermanns Sache, doch konnte die Truppe weitaus überzeugen mit ihrer Musik und den variablen Kompositionen, die mal ordentlich knüppeln oder mal mit ordentlich groove um die Ecke kommen.

Den Preis für die originellste und ausgefallenste Band des Festivals haben VAN CANTO sicherlich schon in der Tasche. Metal ohne Instrumente? Klingt seltsam, aber es funktioniert. Nur von einem Schlagzeug unterstützt stellen sich die fünf Jungs und Sängerin Inga der Menge. Eine außergewöhnliche Band, die sicher nicht jedem gefällt. Und so scheiden sich die Geister schon bei den ersten Klängen von „Stora Roeverdansen“, was einigen aus Ronja Räubertochter bekannt sein dürfte. Neben einigen eigenen Songs bringen sie auch Coverversionen unter anderem von Iron Maidens „Fear of the dark“ und Metallicas „Battory“. Entweder man mag sie oder man lässt es bleiben. Aber in beiden Fällen muss man zugeben, dass sie ihre Sache verdammt gut machen. Bei der Menge kommt es gut an und es wird kräftig mitgesungen. Eine andere Art Musik zu machen, vor allem da Metal und Akapella eigentlich ja so gar nicht zusammen passen wollen. Doch eine gelungene Abwechslung ist es allemal. Auch für die Sänger selbst, die ja neben Van Canto, in anderen Bands wirkliche Instrumente spielen.

Ring frei für die schwedischen Metaller von SABATON. Zahlreich haben sich die Metalheads eingefunden, um der Powermetal Band der etwas anderen Art zu huldigen. Allein thematisch weichen sie von der grauen Masse ab, da sich ihre Texte hauptsächlich mit Kriegsgeschehnissen auseinandersetzen. Das übrige tut die markante, raue Stimme von Joakim Broden. Das sich die Jungs auf der Bühne mehr als wohl fühlen, sieht und hört man den Schweden sofort an. Und so haben sie kaum Probleme, die Masse mit Liedern wie „40:1“ und, das ihren Fans gewidmete „Panzer Battalion“ mitzureißen. Die Stimmung ist am Kochen und so entschließen sie sich sogar dazu den Ohrwurm „Attero Dominatus“ zu spielen, was gleichzeitig auch den Höhepunkt ihres Auftritts bedeutete. Ein souveräner Gig der sympathischen Jungs von Sabaton, der jedem, der auf melodischen Metal mit eingängigen Melodien und Ohrwurmqualitäten steht, wohl noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Mit den Jungs von DYING FETUS geht es von den zuvor melodischen Klängen, über zu knallhartem Gemetzel. Wer auf Brutal Death Metal/Grind steht, dem wird es bei DYING FETUS an nichts mangeln. Und nicht nur musikalisch sondern auch körperlich gibt es im Mosh-Pit mächtig eines in die Fresse. Teilweise ist es schwer sich auf die Band zu konzentrieren, da man sehr damit beschäftigt ist seine körperliche Unversehrtheit vor dem rasenden Pit zu schützen. Nichtsdestotrotz schmeißen die Amerikaner mit technisch hochwertigen Klangkeulen um sich, dass einem Hören und Sehen vergeht. Ein gelungener Auftritt, der sicherlich nicht nur die Band selbst, sondern auch die zahlreichen Fans an den Rand ihrer körperlichen Fähigkeiten gebracht hat.

Nach ihrem rasanten Aufstieg im Folk Metal bereich dürften die Finnen von KORPIKLAANI jedem ein Begriff sein. Die Band die sich selbst als „Gruppe aus den finnischen Wäldern“ bezeichnet, besticht mit ihrer Gute-Laune Musik und den eingängigen Melodien von Liedern wie „Journey man“ oder „Cottages and Saunas“. Hier bekommt auch der hartgesottenste Metaller Lust das Tanzbein zu schwingen, oder wenigstens den Met- oder Bierhumpen zu heben. „Beer beer“, eine Hymne an das liebste Getränk vieler Metalheads, ist genau das, was das trinkfreudige Volk braucht. Denn auch für Leute, denen KORPIKLAANI, was eher unwahrscheinlich ist, noch kein Begriff sind, sind viele Refrains leicht zu merken und mitzugrölen. Die Truppe, die nicht nur so heißt, sondern auch so aussieht wie ein „Klan des Waldes“ mischt finnische Volksmusik mit Metal. An sich mittlerweile nichts mehr neues, jedoch sind KORPIKLAANI um einiges partytauglicher als manch andere Band des Genres. Die Fröhlichkeit der Waldmänner steckt an und so liegt man sich schon nach den ersten Klängen in den Armen. Eine riesige Feier unter freiem Sternenhimmel, was will man mehr? Der Alkohol fließt in Strömen und natürlich ist die Feierei auch nach den letzten verklungenen Tönen noch lange nicht vorbei, sondern erreicht gerade erst ihren Höhepunkt. Ein Auftritt, der den Waldschrat in jedem Metaller geweckt haben dürfte und jedes noch so kleine Häufchen Trübsal mit lustigen Klängen hinfort geweht hat.

Samstag, 21.06.08

Der Samstag wurde von der Band mit dem zungenbrecherischen Namen KRWTH eingeleitet. Nicht nur der Name, der übrigens von einem walisischen Saiteninstrument stammt, sondern auch die Anzahl der Musiker ist ungewöhnlich. Sowohl Gitarre, Keyboard und Gesang sind doppelt besetzt und so stehen sieben Männer und eine Frau auf der Bühne, vor der sich trotz der frühen Stunde schon einige Leute versammelt hatten. Für Sängerin Anja war das Queens of Metal, der letzte gemeinsame Auftritt, denn sie hat die Band mittlerweile schon verlassen. Und so wollen sie verständlicherweise noch ein letztes Mal richtig Gas geben. Mit einer Mischung aus melodiösem Death, Gothic und Black Metal gelingt ihnen das auch ziemlich gut. Abwechselnder männlicher und weiblicher Gesang, sehr melodische Parts und doch teils thrashiges Gehämmer gestalten den Auftritt abwechslungsreich und interessant. Nicht jedermanns Geschmack, aber auf jeden Fall eine talentierte Gruppe, die es schafft einige verkaterte Metalheads wieder auf Touren zu bringen.

Mit den Bielefeldern von LOST WORLD ORDER ging es nun wieder thrashmäßig ordentlich zur Sache. Gekonnt lässt die Truppe in ihrer Musik den Bay Area Thrash und auch den guten alten deutschen Thrash Metal wie ihn KREATOR zelebrier(t)en, verschmelzen. In Bezug auf KREATOR erinnert Frontmann Mat stimmlich ein wenig an Mille. Aber wie dem auch sei. Den Fans vor der Bühne, die noch nicht ganz aufnahmefähig waren, hat es dennoch weitgehend gefallen und mit guter Mucke lässt es sich immer besser aufwachen, zumindest geistig, den körperlich waren schon einige auf das Festivalgelände gekommen.

Als nächstes kam die Überraschung des heutigen Tages. Die Gewinner des Bandcontest, ORPHAN HATE aus Berlin. Und schon nach kurzer Zeit wird einem klar, warum sie den Contest gewonnen haben. Was die vier Jungs und Frontfrau Sina zum Besten geben ist ein musikalischer Tritt in den Metal-Hintern. Die erst 22-jährige Sängerin beeindruckt mit brachialen Growls, bei denen wohl so manches männliche Wesen vor Neid erblassen dürfte, rauen Shouts und doch wieder sehr weiblichen Gesangspassagen. Eine Vielfalt, die den melodischen Death Metal der Hauptstädter von anderen Bands mit Sängerin unterscheidet. Vor allem die männlichen Banger fraßen ihr quasi aus der Hand, was wohl nicht nur an ihren Gesangsqualitäten gelegen hat. Eine Band von der wir in Zukunft wohl noch öfter zu hören bekommen werden.

Bei THE NEW BLACK wird man doch glatt an alte Zeiten erinnert. Mit dem Theme zu „Ein Colt für alle Fälle“ entert die Truppe die Bühne und zelebriert ihre recht schwer einzuordnende Musik. Weitgehend im Hard Rock a la BLACK LABEL SOCIETY anzusiedeln, weißt die Truppe aber auch thrashige Ansätze oder auch mal ne leichte Countrynote in ihrer Musik auf. Mit Bandmitgliedern die unter anderem auch bei SINNER, RUNAMOK und ABANDONED tätig sind, legte die Truppe einen sehr guten und auch recht professionellen Gig hin. Aber alles in allem musikalisch dann doch eher was für die, die nicht so auf die Knüppelsalami stehen und es lieber etwas gemächlicher zur Sache gehen lassen.

Nun sollten eigentlich die Tschechen von FLESHLESS an die Reihe kommen, doch aus irgendwelchen Gründen hatte die Truppe mit RUNAMOK die Position getauscht, so dass nun mit RUNAMOK eine weitere Truppe aus dem Frankenland das Queens of Metal Open Air rocken durfte. Wie schon bei THE NEW BLACK stehen auch bei RUNAMOK Bandmitglieder im Dienst, die bei anderen Bands, wie z.B. FINAL BREATHE oder STORMWITCH mit von der Partie sind bzw. waren. Aber mögen die Jungs aus noch so unterschiedlichen Lagern entstammen, kreieren sie mit ihrer Mucke, die neben Old School Thrash a la ANTRHAX, ANNIHILATOR oder MEGADETH auch rockige Sachen wie CHROME DIVISION verinnerlicht, ein ganz eigenes und vor allem partytaugliches Metalgebräu, das Laune auf mehr macht. Als finales Sahnehäubchen huldigten die Jungs dem „geilsten Gitarristen der Welt“ Dimebag Darrell und coverten Panteras „Cowboys from Hell“.

Und schon wieder vergeben wir einen Preis. Diesmal an die wohl ungewöhnlichste Stimme des ganzen Queens of Metal. Was Sänger Vladimir von FLESHLESS da fabriziert, ist eine Mischung aus tiefstem Gegrunze und dann der Wechsel in ein Quieken, das wohl schon so etwas wie das Markenzeichen der Tschechen geworden ist. Die restliche Truppe schleudert brutalen Grind Death Metal in die Menge, der vor allem bei den doch wärmeren Temperaturen einigen Kopfschüttlern den Rest geben dürfte. Eine halsbrecherische Mixtur aus Grind- und Moshpassagen, dazu Gesang, der nach einem flüchtenden Metal-Ferkel klingt. Alles in allem ein Auftritt bei der jedem Freund der brutalen Gangart das Herz aufgehen dürfte.

Für Sänger Bacchus und Schlagzeuger Evil Edward ist der Auftritt ihrer Band HATRED so etwas wie ein Heimspiel. Beide sind sie Mitorganisatoren des Queens of Metal und lassen sich, anlässlich dem Release des neuen Silberlings „Madhouse Symphonies“ nicht lange bitten und zeigen zusammen mit HATRED wo der Thrash-Hammer hängt. Die Schweinfurter versprechen schnellen Bay-Area Thrash Metal à la EXODUS oder TESTAMENT, gepaart mit Power Metal Elementen. Und was diese Jungs versprechen, dass halten sie auch. Ein Auftritt der auf jeden Fall in die Nackenmuskulatur geht. Auch kleine Hindernisse wie Heiserkeit oder Muskelkater können die Truppe nicht davon abhalten, dem gierigen Publikum zu beweisen, dass sie sich nach ihrer einjährigen Pause zusammen mit der neuen Scheibe, mehr als deutlich zurückmelden.

Die Stuttgarter END OF GREEN werden wohl jedem, vor allem der etwas jüngeren Generation, ein Begriff sein. Während die Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt, werden auf der Bühne düster melancholische Klänge angeschlagen. Wie nicht anders erwarten liefern die Schwaben eine professionelle Show und abwechselnd rockig gekreischte Nummern und depressive Gänsehautsongs. Das vor allem die weiblichen Fans mehr als angetan waren, dürfte vor allem an Sänger Michelle Darkness gelegen haben, der ja auch auf Solopfaden erfolgreich unterwegs ist. Dass die Band, die nun schon seit 16 Jahren besteht, Erfahrung hat, merkt man ihnen sofort an. Für viele wird der selbstbezeichnete Depressed Subcore mit dem die Jungs auffahren wohl schon zu kommerziell sein, doch muss auch jeder zugeben, dass sie in dem was sie tun nun mal verdammt gut und erfolgreich sind. Nicht umsonst werden END OF GREEN in einem Atemzug mit Größen wie TYPE O NEGATIVE oder KATATONIA genannt. Ein mitreißender Auftritt der wohl das noch so harte Metaller-Herz, und vor allem die zahlreichen Pärchen, ein wenig zum Träumen gebracht hat. Wer das ganze unberührt überstanden hat, ist entweder ein Steinklotz oder war einfach schon zu betrunken.

Nun war endlich die Band an der Reihe, auf die ich mich persönlich am meisten gefreut hab, FLESHCRAWL. Mit ihrer brachialen Schwedensuppe, lassen sie selbst die alten nordischen Heroen wie ENTOMBED, DISMEMBER oder EDGE OF SANITY glatt vergessen. Mit „Flesh Bloody Flesh“ eröffnet der fünfer sein Todesblei-Set und legt gleich „Damned in fire“ und „Made of flesh“, allesamt vom 2004er „Made of flesh“ Album, nach und zeigen von Beginn an, dass es hier mehr als ordentlich zur Sache geht. Vom brandneuen Album „Structures of death“ wurden selbstverständlich auch neue Songs präsentiert, doch was vielen Fans sehr gut gefallen haben dürfte, war die Tatsache, dass die Jungs vom “As Blood Rains From The Sky, We Walk The Path Of Endless Fire“ die Songs „Under the banner of death“ und „As Blood rains from the Sky“ zum besten gaben. Als dank an den Death Metal Underground und dessen Supporter gab es noch „Slaughter at dawn“ vom 97er „Bloodred Massacre“ Album, ehe dann doch viel zu schnell ein verdammt starker Gig der Schwaben zu Ende ging.

„Oldschoooooool“ kann man im Programmheft lesen, wenn man bei ONSLAUGHT angekommen ist. Und das kann man ohne wenn und aber auch so stehen lassen, ok vielleicht noch ein paar Ausrufezeichen hinten dran setzen, dann passt’s noch besser. Zehn Jahre herrschte Absolute Funkstille bei den Thrashern ehe sie sich 2006 mit „Killing Peace“ zurückmeldeten, um der Metallandschaft zu zeigen, dass auch heutzutage guter alter Thrash Metal noch Massenkompatibel ist. Die Truppe aus Britannien kann man getrost in einem Atemzug mit Größen wie TESTAMENT, EXODUS, OVERKILL oder auch SLAYER nennen. Stellt sich nur die Frage, wer von wem mehr abgekupfert hat. Wie dem auch sei, auf alle Fälle tat die Truppe in Kleinwenkheim das was sie am besten kann, nämlich live ne klasse Nummer aufs Parkett legen, auch wenn es zu Beginn soundtechnisch nicht alles so astrein klang.

Eingesprungen für ILLDISPOSED, beanspruchen jetzt die Dänen von HATESPHERE die Bühne für sich. Der sympathische, erst 20 jährige Sänger Jonathan "Joller" Albrechtsen fühlt sich sichtlich wohl, schreit was das Zeug hergibt, animiert das Publikum und scherzt fröhlich mit seinen Bandkollegen. Diese Stimmung überträgt sich natürlich sofort auf die moshenden Kuttenträger vor der Bühne. Der moderne Thrash/Death Mix der Jungs knüppelt noch mal so richtig, bevor es anschließend zu „ruhigeren“ Klängen übergeht.

Die „ruhigeren“ Klänge gab es nun von der deutschen Power Metal Truppe BRAINSTORM. Ja ja ich hör schon. „uäääh Power Metal“. Aber halt. Hier kriegt ihr nicht so Weichspülermaterial geliefert wie es ED GUY oder (neuere) HAMMERFALL zelebrieren, sondern richtiger Power Metal, der noch weiß wie man einem Metalhead gehörig in den Arsch treten kann und dies auch ohne Aufforderung gleich tut. Kostproben gefällig? Dann führt euch „Falling Spiral Down“ vom erst erschienenen Album „Downburst“, „Worlds are comin’ through“ vom „Liquid Monster“ Album oder „Hights without lows“ von der 2003er „Soul Temptation“ Platte zu Gemüte und lass euch davon überzeugen, dass es auch noch Power Metal jenseits des meist üblichen Schwanz-ab-gejoles gibt. Die aus Stuttgart stammende Truppe um Frontmann Andy B. Franck zu buchen, war definitiv kein Fehler.

Als Schlusspunkt des diesjährigen Queens of Metal Open Air holte man sich die „meiste Band der Welt“ KNORKATOR ins Boot. Wie war im Programmheft zu lesen? „Hier wird keiner trockenen Auges vom Platz gehen. Höchstens euch ist Darkthrone schon zu fröhlich.“ Dann muss mir Darkthrone wohl wirklich zu fröhlich sein, denn bis auf ein paar wenige gute Sprüche von Frontmann Stumpen Sylvannia fand ich die Truppe jetzt gar nicht so witzig. Auch musikalisch war es zunächst über weite Strecken eher mau. Vom Riffing her, sehr an IN EXTREMO erinnernd, hatte die Truppe ihren Gig recht schwach oder besser gesagt durchwachsen angefangen, konnte sich zum Ende des Gigs hin allerdings deutlich steigern. Mit „Böse“ und „Narrenkappe“ schaffte es die Truppe, meiner Meinung nach, ihren Gig noch zu retten. Aber auch andere Stücke, wie zum Beispiel „Wir werden alle sterben“ vom neuen Album „Das nächste Album aller Zeiten“ oder „Zeig mir den Weg nach unten“ vom „Tribute to uns selbst“ konnten überzeugen. Neben den bereits erwähnten Songs „Böse“ und „Narrenkappe“ bildete auch „der ultimative Mann“ musikalisch einen Höhepunkt in dem Auftritt von KNORKATOR.

Im Anschluss ging es laut Plan dann im Partyzelt mit Alleinunterhalter Kuhfotzen-Toni weiter. Allerdings haben wir auch dieses Jahr von ihm nicht wirklich etwas mit bekommen. War er überhaupt da? Egal. Da, als auf dem Festival, waren dagegen auf alle Fälle genügend Metalheads und wie es scheint genügend, sodass sich die Organisatoren auch vor einem weiteren Queens of Metal Open Air im nächsten Jahr nicht abhalten lassen werden. Wir freuen uns jetzt schon aufs QOM 2009!

www.queens-of-metal.de

Kati & Oimel