Summer Breeze 2007
16. - 18.08.07 - Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl

Zehn Jahre Summer Breeze. Angefangen in einem Festzelt, damals noch auf dem Festplatz in Abtsgmünd, hätten die Veranstalter um Achim Ostertag wohl auch nicht gedacht, dass sie zehn Jahre später ein Open Air Festival in dieser Größenordnung veranstalten, das zudem von der Festivallandkarte in Deutschland gar nicht mehr wegzudenken ist. Und zum Geburtstagsfestival in Dinkelsbühl haben sich dann auch noch weit über 60 Bands die Klinke in die Hand gegeben und hier waren namhafte Bands wie SOULFLY, PAIN, AMON AMARTH, IN EXTREMO, BOLT THROWER oder DARK FUNERAL zugegen.

Mittwoch, 15.08.07

Zum Einstand des zehnten Summer Breeze Festivals gab es im neuen Partyzelt bereits Mittwochsabends einen Newcomercontest. Unzählige Bands hatten sich im Vorfeld für diesen Contest beworben. Aus den Einsendungen wurden 20 Bands ausgewählt, die dann von den Communitymitgliedern auf der Summer Breeze Homepage bewertet wurden. Die sechs Bands mit den meisten Votings durften dann um den Openerslot am Donnerstag auf der Painstage spielen.

Den Anfang des Contests machten die schwäbischen Radaubrüder von BRESCHDLENG. Schon vor dem Einlass zum Partyzelt halten laute „Breschdleng, Breschdleng“ – Rufe durch die Reihen. Und im Zelt war es nicht anders. Selbst als die Band noch beim Soundcheck zu Gange war, stachelte Frontmann Wolf das sehr gut gefüllte Zelt an und stimmte auch einige Laola-Wellen an. Die Stimmung war überraschend gut und, obwohl man als Nichtschwabe von den Texten so gut wie nix verstand. In den Reihen gab es etliche textsichere Fans die lautstark mitsangen und bei der Musik die mich hin und wieder an Sepultura und auch Biohazard erinnerte mächtig abgingen. Von der Stimmung her 1A, aber vom musikalischen und vom Songwriting her eher mittelmaß.

Sowohl musikalisch als auch von der Menge im Zelt bildete UNBLEST aus Mönchengladbach das Gegenteil zu BRESCHDLENG. Hier wurde sehr deutlich, wie viele Metalheads nur wegen BRESCHDLENG ins Zelt geströmt waren, denn die Reihen waren während des UNBLEST-Gigs sehr sehr gelichtet. Für hart eingesottene Metalfans war die Musik aber auch nicht das gelbe vom Ei. Stilistisch an die Rocker von 3 DOORS DOWN erinnernd, angereichert mit wenigen kurzen Metalcoreausbrüchen, konnte die Band nur wenige Fans auf ihre Seite ziehen. Aber trotz, dass so wenig los war, zog die Band ihr Ding durch und spielte einen sehr soliden Gig.

Mit MIGHT OF LILITH aus Stuttgart kam dann eine weitere Band, die einen Quasi-Heimvorteil nutzen konnte. Das Zelt war wieder brechend voll und so war auch hier recht schnell wieder eine Superstimmung. Zum leid der Band, war der Sound Anfangs nicht so gut. Die Backingvocals hörte man zunächst gar nicht. Aber der Mischer brachte das schnell wieder auf die Reihe und MIGHT OF LILITH konnte gut gelaunt ihren melodischen Black Metal in die Menge feuern. In der Setliste durfte dann natürlich auch die hitverdächtige Nummer „Lunatic Dictator“ nicht fehlen.

Eine weitere Band aus den Süddeutschen Gefilden waren STITCH aus Ravensburg. Und hier kam dann nach einem kurzen Intro ein gewaltiges Brett auf die Fans vor der Bühne zu. Aus einer Brühe aus Thrash, Hardcore, Death und weiß der Geier was noch wird hier eine ordentliche Suppe gekocht. Nackenbrecherriffs werden hier auf die Meute losgelassen und die bedanken sich mit ordentlichem Kopfschütteln. Mit recht vielen Breaks versehen und somit recht komplex, aber immer schön auf die Fresse. Ein sehr solider Gig und als Dankeschön von den Zuhörern gab es auch noch ordentlich viele Zugaberufe.

Sehr sacht ging es dann wieder bei KARMA.CONNECT zu. Mit modernen Rockklängen und einer kleinen Rockröhre am Gesang kamen die Jungs und das Mädel zum Breeze. Zwar hätte man wohl erwartet, dass auch hier sich das Zelt wieder etwas leert, aber weit gefehlt. Sei es wegen der Musik oder der Frontlady Carmen Rodriguez, das Zelt war auch weiterhin recht gut gefüllt. Entsprechend ihrer Nationalität gab es neben englischen auch spanische Textpassagen zu hören. Hier und da gab es auch noch männliche Vocals zu vernehmen, wodurch ein sehr guter Kontrast entstand, der der Musik gut zu Gesicht stand.

Mit den Kölnern von LAST ONE DYING kam dann eine Metalcoreband auf die Bühne. Zwar gibt es im Metalcorebereich viel zu viele Bands, die sich irgendwie gleich anhören und einfach zu wenig Innovation zeigen, aber hier und da gibt’s dann doch ein paar Bands die, wenn auch nur ein wenig, aus diesem Einheitsbrei die Rübe herausstrecken. LAST ONE DYING ist eine Band davon, vor allem weil man neben dem Sänger noch gesangliche Unterstützung vom Drummer und Gitarristen erfährt und so im Gesangsbereich sehr flexibel agiert. Stilistisch stark von AS I LAY DYING oder auch ansatzweise von BULLET FOR MY VALENTINE inspiriert, konnte die Band doch einige Leute auf ihre Seite ziehen und auch zum Moshen und Bangen animieren. Und wie das Volk vor, ging auch die Band auf der Bühne ab wie n Schnitzel. Resultat war, dass sich sämtliche Gitarrenkabel und Mikrokabel zum Schluss zu einem großen Kabelsalat verwursteten.

 

Donnerstag, 16.08.07

Von den sechs Bands, des Newcomercontests wurden letztendlich die Ravensburger STITCH als die Glücklichen ausgewählt, die heute das 10. Summer Breeze auf der Painstage eröffnen durften. Eine wirkliche Überraschung war es eigentlich keine, zumal STITCH neben MIGHT OF LILITH und LAST ONE DYING zu den drei Bands gehören, die meiner Meinung nach am stärksten auf dem Contest waren. STITCH sollten nun das Breeze eröffnen und das taten sie auch. Und zwar ebenso gewaltig, wie sie Tags zuvor noch das Partyzelt gerockt haben. Zwar hatte die Band auch hier nur 20 Minuten Zeit, aber die reichte, um die noch total verschlafene Meute vor der sehr gut gefüllten Painstage zum ersten Circlepit anzustimmen. Mit Songs wie „Unbreakable“ heizte die Truppe ordentlich ein und lies langsam aber stetig den Stimmungspegel ansteigen.

Als Opener auf der Mainstage kamen nun SWALLOW THE SUN an die Reihe. Mit recht doomigen Klängen, die mich an MY DYING BRIDE erinnerten, waren sie um die Uhrzeit eigentlich fehl am Platz, da die Partynacht zuvor vielen noch in den Knochen steckte. Mit Keyboardklängen wird die schon durch die schleppende Riffs entfachte melancholische Stimmung noch verstärkt. Hier mal etwas ruhiger und melodisch, da dann wieder wütende Ausbrüche. Eine schwere Kost zum Mittag, aber keineswegs schlecht.

Mit FEAR MY THOUGHTS aus Freiburg ging es nun wieder etwas flotter zur Sache. Hier wurde Metalcore mit gehöriger Thrashattitüde zelebriert, der sich gewaschen hat. Musste die Truppe im Vorjahr noch ihren Auftritt sehr kurzfristig, wegen stimmlichen Problemen des Frontmannes absagen, so konnte dieser dieses Jahr sein Mundwerk gar nicht mehr zu bekommen. Neben Songs wie „Hell sweet hell“ die er in die Meute grölte, laberte er recht viel – teils nerviges – Zeugs.

Weitaus härter ging es dann bei der Ami-Death-Metal-Kombo IMMOLATION zur Sache. Sägende Riffs brachten hier gleich ordentlich die Köpfe zum rotieren und das obwohl der Sound ruhig hätte besser sein können. Den Old School Death Metal Fans störte es aber nicht, den sie wollten nur eines – Eins ordentlich auf die Fresse! Und das machte der Vierer auch – ordentlich die Deathmetalkeule schwingen und der Meute vor der Bühne eins vor den Latz knallen. Spätestens hier war auch der letzte Kater des Vorabends weg.

Am frühen Nachmittag des ersten Festivaltages gaben LACRIMAS PROFUNDERE ein solides Konzert zum Besten. Mit einer Mischung aus Metal, Gothic und Rock begeisterten Rob (Vocals), Oliver Nikolas Schmid (Guitars), Tony Berger (Guitars), Peter Kafka (Bass), Christian Steiner (Keyboards) und Fuhrmann (Drums) die vielen Fans vor der Pain Stage.

Weiter ging es auf der Mainstage mit der holländischen Metal Band AFTER FOREVER um Frontfrau Floor Jansen und einem harmonischen Wechselspiel zwischen male und female Vocals, bombastisch angehauchten Keyboardanleihen und einem Wechsel zwischen ruhigeren gothiclastigen und flotteren Powermetalattacken.

Seit drei Jahren gibt es die deutsch-koreanische Formation KRYPTERIA um Sängerin Ji-In und ihre Jungs Chris, Frank und S. C. Schade dass die hübsche Sängerin Ji-In sich immer nur in ein und dasselbe Outfit traut und das bei jedem Konzert egal auf welchem Festival. Nichtsdestotrotz rockten die Fans vor der Bühne fleißig mit. Die Songs, die die Rock-/Symphonic-Metal-Band darbot, waren allesamt vom aktuellen Album „Bloodangel’s Cry“.

Power Metal Fans kamen auf dem diesjährigen Breeze etwas zu kurz. Kein Wunder also, dass bei RAGE vor der Bühne ordentlich was los war. Selbst Fans aus Griechenland standen hier in der ersten Reihe und wurden vom charismatischen Sänger auch prompt auf griechisch begrüßt. Wer bei dem Wort Power Metal hier auch gleich an Eunuchengesang denkt ist hier verkehrt. Mit seiner kraftvollen Stimme verleit „Peavy“ der Musik von RAGE seine ganz eigene Note und lässt RAGE so aus der Masse herausstechen. Den Enthusiastischen Fans vor der Bühne wurden Songs wie „Soul Survivor“ und „Down“ zum Fraß vorgeworfen. Und die sehr textsicheren Fans nahmen diese Happen auch dankbar an. Zum Abschluss gab es dann, wie sollte es auch anders sein – „Straight to hell“!

Von THE BLACK DAHLIA MURDER wurden auf der Painstage dann sprichwörtlich die Regenwolken weggeblasen. Mit ihrem sehr eigenen Mix aus melodischem Death Metal a la IN FLAMES und Metalcore wie von AS I LAY DYING zelebriert, konnte die Truppe gleich gehörig viele Fans auf ihre Seite ziehen und so auch einen sehr soliden Gig abliefern. Frontmann Trevor beherrscht das Wechselspiel zwischen Core-screams und Crowls sehr gut, was wohl daran lag, dass er sichtlich gut aufgelegt war. Vor der Bühne wurde zu Songs wie „Casket Requiem“ auch ordentlich abgegangen.

Nach RAGE kam auf der Mainstage wieder jemand auf die Bühne, die schon etliche Jahre im Metalzirkus umherzieht. Diesmal gab sich DORO die Ehre. Als Verstärkung hatte sie sich unter anderem einen Gitarristen aus dem Hause SAVATAGE ausgeliehen, um auf dem Summer Breeze Rocknummern im Stile der 80er raus zu lassen. Neben neueren Songs wie „I rule the world“ durften natürlich auch Hit-nummern aus WARLOCK-zeiten nicht fehlen und so durften sich die Fans vor der Bühne auf Stücke wie „Deep inside my heart (Für Immer)“ oder „All we are“ freuen und hier auch ihre Textsicherheit unter beweis stellen. Als Schmankerl gab es dann ein JUDAS PRIEST Cover. „Breaking the law“ sollte eigentlich mit Udo Dirkschneider (U.D.O. / ACCEPT) vorgeführt werden, aber Udo konnte nicht und so mussten die Fans hier dann Udo’s Part übernehmen und gemeinsam mit DORO den Song singen.

Nach IMMOLATION kam mit SUFFOCATION eine weitere Truppe aus der Hartwurstfabrik und auch wie bei ihren Genrekollegen gab es auch hier wieder Nackenbrecherriffs en masse. Bangen und Moshen war hier Pflicht. SUFFOCATION kannte heute überhaupt keine Gnade und feuerte hier eine Death Metal Granate nach der anderen in die Menge ab. Die New Yorker verwandelten hier im Nu die Pain-Stage in ein Schlachtfeld und hatten auch doch sichtlichen Spaß dabei.

Als heutiger Co-Headliner auf der Mainstage enterten nun NEVERMORE die Bühne. Als wahres Highlight wurden die Jungs aus Seattle (USA) angekündigt und – das Wort wurde gehalten. Mit ihrem „Prog-Power-Thrash“ absolvierten die Jungs einen denkwürdigen Auftritt auf dem Breeze. Nur wollte die Meute vor der Bühne, der Aufforderung von Frontmann Warrel Dane nicht so recht folgen. So musste er mehrmals auffordern: „I will bodies over the wall“ bevor, dann doch mehr Crowdsurfer sich auf Händen tragen ließen. In der Setliste tauchte unter anderem „Born“ auf, der die Musik von NEVERMORE sehr gut wiederspiegelt. Hier Melodische Parts mit Mitsingrefrain, da dann wieder Riffs der Marke Genickbruch. Sehr feiner Auftritt, auch wenn manche wohl den Anschein hatten, dass die Band wohl in die Jahre gekommen sei.

Bei TANZWUT gab es zu später Stunde mittelalterliche Folklore, gemischt mit tanzbarer Elektronik und Gitarrenriffs zu hören und eine siebenköpfige Band zu sehen. Endlich mal etwas außergewöhnlichere Bühnenoutfits. Mit im Gepäck hatten Teufel (Gesang und Dudelsack), Wim (Bass, Dudelsack, Backing Voc, Leuchttrumscheit), Castus (Dudelsack, Schalmei, Trumscheit, Gesang), Patrick (Gitarre, Backing Voc, Dudelsack, Leuchttrumscheit), Norri (Schlagzeug, elektronische Klänge programmieren), Hatz (Keydrum, E-Drums, Riesentara) und Ardor (Dudelsack) das aktuelle Album „Schattenreiter“ sowie auch einige ältere Songs wie zum Bsp. „Meer“. TANZWUT waren eindeutig eines meiner wenigen Highlights des Festivals.

Der erste, na so gesehn ist es ja schon der zweite Tag, neigt sich langsam dem Ende zu und nun wird’s zeit für AMON AMARTH. Gemäß ihrer, in ihren Texten behandelten, Thematik rückten die Schweden mit einem Wikingerschiff auf der Bühne an. Und nicht nur das. Auch die Jomswikinger waren mit von der Partie und enterten ebenfalls die Bühne, sei es in Form von Spalier stehen oder durch Schaukampf. Zu Beginn des Sets wurden vor allem Songs vom aktuellen Album „With Oden on our sites“ und dem Vorgängeralbum „Fate of norns“ wie z.B. „Runes comes to my memories“ oder „The Persuit of vikings“ gespielt. Lediglich „Without fear“ von der 98er Scheibe „Once sent from the golden hall“ stach als älteres Stück zu Anfang heraus. Bei „Asator“ gab es den Anfang einer ordentliche Pyroshow, die den restlichen Gig noch untermalen sollte. Zum Abschluss gab es noch die Hits „Death in Fire“ und „Victorious March“ wobei ich beschwören könnte, dass die ersten beiden Textzeilen von der deutschen Version „Siegreicher Marsch“ waren. Der Rest war aber dann auf jeden Fall in der Originalfassung und nach den beiden Songs ging ein verdammt Starker Gig von einer sehr gut aufgelegten Truppe zu Ende.

Das letzte Konzert des ersten Tages bestritt die österreichische Black Metal Band DORNENREICH auf der Painstage. Die seit 1996 existierende Band trat mit einem speziellen Line-up auf: Eviga (Stimme/Gitarre), Inve/Thomas Riesner (Geige), Gilvan (Schlagzeug), Schwadorf (Empyrium/The Vision Bleak) (Bass), Thomas Helm (Guest Vocals). Die Songs die allesamt vom 2001er Album “Herr von welken Nächten“ stammten, kamen bei den Fans gut an. Das Konzert wurde sogar mit mehreren Kameras aufgezeichnet. Die Elemente Geige und die Stimme eines Opernsängers waren sicher ein besonders interessanter Aspekt, aber mein Fall war es leider nicht.

 

Freitag, 17.08.07

Uiuiui. 11 Uhr morgens steht schon KARKADAN auf dem Programm. Na dann rechtzeitig los marschieren und vorher beim Metalmarkt reinschnuppern. Doch, was vernehmen meine Ohren denn da. Auf die Uhr geguckt. 10 vor 11. Soundcheck war es keiner. Nein. Die Band um Frontmann Robby Beyer hat einfach mal so mir nix dir nix 10 Minuten früher angefangen, um ein Paar Songs mehr spielen zu können. Eigentlich keine schlechte Idee, denn so sah man doch einige Metalheads schon am frühen Morgen zur Bühne sprinten, um sich zu so früher Stunde gleich ein schwäbisches Metalbrett verpassen zu lassen. Trotz durchzechter Nacht waren sehr viele vor die Bühne gepilgert, aber die Müdigkeit war einigen noch deutlich ins Gesicht geschrieben und die Stimmung war noch recht weit unten. KARKADAN zockten davon unbeeindruckt munter drauf los und spielten sowohl ältere Songs, die eher Black Heavy Metalmäßig daher kommen und auch neuere Stücke, die eine progressive Deathschlagseite, die hier und da an OPETH erinnerte, aufweisen. Einigen konnten die Knitterfalten aus dem Gesicht gebügelt werden und so stieg auch stetig die Stimmung unterm Volk.

Mit DAGOBA auf der Painstage gab es dann etwas modernere Klänge für die Ohren. Und zwar modernere Klänge in Form von leicht metalcoreangehauchtem Thrashmetal, der sich sichtlich von MACHINE HEAD beeinflusst zeigt. Ordentlichen Groove und vor allem – sehr wichtig für diese Uhrzeit – mächtig fette Headbangerriffs ließen so ziemlich jeden Kopf zum nicken bewegen. Spätestens hier war dann auch jeder Wach, nachdem sich die Meute vor der Bühne ihren Kater aus der Birne schädeln konnte. Der Frontmann der Franzosen überzeugte mit einem sehr guten Wechselspiel aus melodischem cleanen Gesang und Corescreams.

Von Frankreich ging es dann ins Nachbarland Schweiz. Die Helvetier ELUVEITIE, bei denen man schon im Bandnamen erahnen kann wo sie her kommen, enterten nun die Bühne Im Gegensatz zu den meisten Folk Metalbands die ihre Wurzeln meist im Black Metal haben, kommt das Oktett mit einem Folk Death Metal um die Ecke, der hier und da auch ordentlich in die Blastbeatregionen vordringt. Mit Dudelsack,, Violine, Flöte, Schalmei und Drehleier im Gepäck wurden Songs wie „Of Fire, Wind and Wisdom“ gespielt. Der helvetische Übersong „Your Gaulish War“, der sich durch seine markante Melodie gleich im Gehör festsetzt, durfte bei der Darbietung natürlich auch nicht fehlen.

Für die Schwarzmetall-Fraktion kamen nun KOLDBRANN aus Norwegen. Der nordische Black Metal des Fünfers wirkte wie eine leicht gedrosselte Form von Marduk mit einem Hauch von Melodie. Aber irgendwie wollte mich die Musik auch nicht wachrütteln. Und wie mir gings wohl auch etlichen Fans vor der Bühne, den es war doch relativ ruhige Stimmung. Ach stimmt ja. Böse Black Metaller lauschen die Konzerte ihrer Idole ja nur mit grimmigen Blick und verschränkten Armen. Vielleicht lags daran, dass so wenig Bewegung in der Meute vor der Bühne war.

Mehr Bewegung in den Massen war dann bei ILLDISPOSED zu sehen. Mit ihrem modernen, brachial anmutenden Death Metal konnten die Dänen, die bei KOLDBRANN noch halb schlafende Menge im Nu wachrütteln und zum mitmachen animieren. Die Truppe um Frontmann Bo stimmte hauptsächlich neuere Songs an, die die Truppe nach ihrer Reunion vor ein paar Jahren veröffentlichte. Aber hier und da wurden auch ein paar ältere Stücke gespielt, so dass auch die alten Fans ihren Spaß an dem Auftritt hatten.

Am frühen Nachmittag lockten DISILLUSION aus Leipzig schon viele Fans vor die Pain Stage, die die Band während ihrem Gig auch ordnungsgemäß abfeierten. Für die Metalheads, die mit DISILLUSION zuvor nicht in Berührung gekommen waren, dürfte es wohl eine relativ schwer verdauliche Kost gewesen sein, schließlich wird ihr Progressiv groß geschrieben. Auf Grund ihrer nur halbstündigen Spielzeit musste die Band allerdings ihre ewiglangen Stücke über Bord werfen oder zumindest in gekürzter Form darbieten.

Es wurde kalt auf der Mainstage! EISBRECHER rockten wie immer mit Witz, Charme und was fürs Auge! Da konnten sich andere Bands warm anziehen. Sänger Alexx gab zu, sich im Datum geirrt zu haben, und so musste er gleich nach der Ankunft schon auf die Bühne. Dennoch war er zu lockeren Sprüchen aufgelegt. Schon alleine die Begrüßungsworte zauberte den Fans ein Lachen ins Gesicht: „Hallo, wir sind EISBRECHER aus Bayern!“. Das Summerbreeze fand ja auch in Bayern statt. Und auf ein im Publikum hochgehaltenes Schild reagierte er mit folgenden Worten: „Der Checker? Kenn ich nicht!“ Auf dem TV Sender DMAX flimmert Alexx als „Der Checker“ über den Bildschirm. Bekannt ist auch seine Kapitänsuniform mit Mütze und Eispickel. Leider zog er sich gegen Ende des Gigs nicht komplett oben ohne aus, dazu war wohl der Auftritt etwas zu kurz. Für eine Zugabe reichte es dennoch und das war kein anderer Song als „Miststück“ von Alt-Megaherz, standen doch zwei ehemalige Bandmitglieder auf der Bühne, nämlich Alexx und Noel.

Eine Deutschlandpremiere gab es mit HEVEIN zu bewundern. Stampfender Neo-Thrash-Metal im Klassikgewand schallte hier aus der PA. Und man muss sagen, die metallische Prügelabteilung harmonisiert sehr gut mit dem Bandeigenen Streicherduo, bei dem unter anderem Ex-Apocalyptica Cellist Max Lilja mit von der Party ist. Zwar hatte die Truppe ein paar technische Probleme zu beklagen, gab aber dennoch ihr Bestes und gab zum Abschluss ihres Auftritts auch noch eine Coverversion von PANTERAs „Walk“ zum besten.

Die junge Band SIRENIA aus Norwegen mit Frontfrau Monika Pedersen begeisterten die zahlreichen Fans mit neuen Songs ihres Albums „Nine Destinies And A Downfall“ und auch älteren Stücken. Sie klingen wie eine Mischung aus Gothic Metal und Rock mit Klassikeinflüssen, ebenso mit Black und Death Metal Elementen. Gitarrist und Songschreiber Morten Veland, Gitarrist Bjørnar Landa und Drummer Jonathan A. Perez bilden den männlichen Part der Band.

Wieder etwas düsterer ging es nun bei NECROPHOBIC auf der Pain-Stage zur Sache. Mit ihrem Mix aus Black-, Death- und Thrash Metal erinnerte mich die Truppe ein klein wenig an VENOM. Und auch was die Kleidung angeht, hatte man den Eindruck die Band sei in den achtzigern Jahren hängen geblieben. Aber wie dem auch sei. Die Truppe – die übrigens auch DISMEMBER-Klampfer Johan mit im LineUp hat – hatte sichtlichen Spaß bei ihrem Auftritt und war auch entsprechend viel auf der Bühne unterwegs und konnte so auch die Metalheads ordentlich zum mitmachen animieren.

Sonja Kraushofer und Thomas Rainer können auf ein 10-jähriges Bandbestehen in der EBM- und Gothic-Szene zurückblicken. So heißt auch ihr aktuelles Best-Of-Album „10 Jahre“. Keine Metal Band aber dennoch gut angekommen sind L’ÂME IMMORTELLE aus Wien mit einigen bekannten Songs aus früherer Zeit wie „Bitterkeit“, „Aus den Ruinen“ oder „5 Jahre lang“. Ein toller Auftritt, aber spätestens als Sänger Thomas das Lied zum inoffiziellen diesjährigen Motto „Spiderschwein“ aus dem Simpsons Movie anstimmte, war es wohl Zeit, die Bühne zu verlassen.

An dieser Stelle sollten eigentlich die Pfälzer Gothic-Metaller von CREMATORY auftreten, aber die Truppe um Frontmann Felix musste kurzfristig absagen, da anscheinend die Keyboarderin erkrankt ist. Als Ersatz holte man die beinahe Genrekollegen von END OF GREEN, die ja auch schon etliche Summer Breeze Auftritte vorweißen können. Über den Wechsel an der Billingfront scheint es aber im Publikum nicht sonderlich viele Enttäuschungen gegeben zu haben. Eher im Gegenteil. Denn hier und da war doch eine Freude über den kurzfristigen Auftritt von END OF GREEN zu vernehmen. Und so war es dann auch nicht sonderlich verwunderlich, dass sich im Publikum etliche textsichere Fans befanden, die die Lyrics der Gothic Rocker lautstark mitsangen. Angestachelt von dem herzlichen Empfang durch die Fans spielten sich die Jungs in einen wahren Rausch.

Wie AMON AMARTH und DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind auch FINNTROLL vom Summer Breeze fast nicht mehr weg zu denken. Und so betraten die Nordlichter zum nunmehr schon fünften mal eine Summer Breeze Bühne. Leiter erwischte die Band zu Beginn einen recht dürftigen Sound. Bis auf „Jaktens Tid“ wurden zu Beginn auch nur Songs von den beiden letzten Scheiben gespielt. Eigentlich Schade, da die Stärke der Band definitiv auf den ersten beiden Platten „Midnattens Widunder“ und „Jaktens Tid“ liegt. Nun denn. Mit fortschreiten des Gigs wurde zwar der Sound besser, aber der Gig nicht. Vorallem die Gesanglichen Leistungen vom mittlerweile dritten Frontmann der Band – Vreth – ließen sehr zu Wünschen übrig. Und auch so war der Gesamteindruck der Band eher mäßig. Für die mehrheitlich jüngeren Fans der Band, die sie womöglich zum ersten Mal gesehen haben, dürfte der Auftritt klar eine Freude gewesen sein. Aber wer die Band schon mehrfach gesehen hat, auch noch mit altem Frontmann Wilska, der wird dann doch eher enttäuscht von dieser Leistung gewesen sein.

Ein weiteres Schmankerl für die Death Metal Fraktion unter den Besuchern war der doch eher seltene Festivalauftritt der Engländer von BOLT THROWER. Fast schon unglaublich ist das zustande kommen des Auftritts, wenn man bedenkt, dass es der einzige Auftritt der Todesmetaller in Deutschland in diesem Jahr war. Entsprechend nutzten auch sehr viele Anhänger die Gunst der Stunde um BOLT THROWER als Co-Headliner am heutigen Abend auf der Main-Stage zu bewundern. Und hier bleibt gleich zu sagen. Selbst schuld wer sie verpasst hat. Mit dem neuen und alten Grunzer Karl Willets putzten die Insulaner sämtliche Gehörgänge frei und das wahrlich nicht im Schongang. Ein Hit nach dem anderen wurden aus über 20 Bühnenjahre aus dem Ärmel geschüttelt und der Meute in die Köpfe geprügelt. Moshen und bangen war hier Pflicht.

Nun war es Zeit für die Mittelalter-Rocker von IN EXTREMO. Bereits zum dritten mal in den letzten fünf Jahren als Freitag-Headliner auf dem Summer Breeze Open Air, kann man die Truppe auch fast nicht mehr vom Breeze wegdenken. Mit „Spielmannsfluch“, „Erdbeermund“, „Wind“, „Horizont“, „Nur ihr allein“ und „Kuss mich“ startete die heute ziemlich gut gelaunte Truppe ihr Set. Passend zum Cover ihrer 2005er Scheibe „Mein rasend Herz“ war die Bühnenbild einem Schiffsdeck nachempfunden und passend dazu erschienen die Spielleute in Matrosenklamotten. Als Sahnehäubchen für den überraschend gut gespielten Gig durften die Pyros natürlich nicht fehlen. Und wie bei In Extremo auf dem Summer Breeze üblich, war vor der Bühne auch dieses Jahr wieder mächtig viel los. Nach einem sehr starken Auftritt der Thüringer, verabschiedeten sie sich mit „Ai Vis A Io Lop“ für eine längere Zeit vom Summer Breeze und von der Bühne. Nach etlichen Tourneen wollen sich die Spielleute nun eine Pause gönnen.

Aber beim Breeze gabs noch lange keine Pause. Höchstens ein kurzes Durchschnaufen, denn nun wurde es auf der Painstage mächtig dunkel. DARK FUNERAL waren nun an der Reihe und durften ihr infernalisches, dunkles Begräbnis zelebrieren. Die Tore öffneten sich wie mit dem Song „Open the gates“ angekündigt und schon bricht in einem atemberaubenden Tempo das Unheil über Dinkelsbühl herein. Was die Bpm angeht dürfte der Preis für die meisten dieses Jahr wohl an DARK FUNERAL gehen. Und entsprechend ihrem Tempo in der Musik hatten die Fans auch kaum die Möglichkeit kurz durch zu schnaufen. Da war nicht viel mit Fuß vom Gas. Immer schön erbarmungslos gabs eins auf die Glocke. Egal ob mit älteren oder neueren Songs.

Laut Running Order hätten mir vom Festivalgelände zum Partyzelt nur fünf Minuten zugestanden, hätte ich von DARK FUNERAL auf der Painstage und von BLACK MESSIAH auf der Partyzeltbühne nichts verpassen wollen. Aber da das wohl weder hinten noch vorne mir gereicht hätte, machte ich mich schon vor dem Ende des DARK FUNERAL Auftritts zum Partyzelt auf und mit mir eine beachtliche Pilgerschar. Auch kein Wunder, denn schließlich sollten ja gleich BLACK MESSIAH zocken. Das Zelt war wirklich proppevoll und dementsprechend herrschte auch eine richtig geile Stimmung im Zelt. Nach dem Intro „In Remembrance“ schalte dann auch schon „Erik, der Rote“ aus den Boxen. Das Hauptaugenmerk der paganistischen Schwarzmetalmusik sollte beim aktuellen Album „Of Myths And Legends“ liegen. Doch das von sehr vielen Fans geforderte „Christenfeind“, bei dem Frontmann Zagan mit seiner Geige fidelte, durfte natürlich nicht fehlen. Nach dem Song „Irminsul“ fragte Zagan: „Habt Ihr heute gut gefeiert? Habt Ihr heute gut gesoffen? Habt Ihr Lust noch mehr zu saufen? Dann singt mit uns ein Sauflied!“ Und das Zelt ging dieser Aufforderung auch ohne Ausnahme nach. Sehr sehr textsicher zeigten sich hier die Anwesenden und grölten das „Sauflied“ mit. Doch damit nicht genug. Zum Abschluss des Party-Auftritts der Ruhrpottler durfte die Meute bei „Moskau“ noch einmal vollkommen durchdrehen und die Pagan Metaller noch ordentlich abfeiern. Aber danach war der Auftritt leider auch schon viel zu schnell rum.

 

Samstag, 18.08.07

So Schwarzmetallisch wie der Freitag aufhörte, fing der Samstag dann auch an. SYCRONOMICA aus dem Süden der Republik bestiegen als erstes die Main-Stage an dem Tag und eröffneten den letzten Festivaltag. Mit ihrem, mit Keyboard unterlegten Black Metal konnte die Truppe doch etliche Leute am frühen Morgen vor die Bühne locken. Im einen Moment bei ruhigeren keyboardlastigen Momenten noch in den Schlaf musiziert, weckte die Truppe im nächsten Moment mit Knüppelpassagen die Meute vor der Bühne aber auch gleich wieder auf. Die Teils auch schleppenden Songs wiesen doch ordentliche Eigenständig auf, so auch „Für die Ewigkeit“ vom aktuellen Album.

Von der Main- ging es dann auch gleich rüber zur Pain-Stage, um der nächsten Düsterband zu frönen. Nun waren die Heiden von HELRUNAR an der Reihe und hier wurde gleich deutlich, dass die Herren keinen Wert auf große Worte legen sondern viel lieber den Fans ihre Musik um die Ohren bliesen. „Älter als das Kreuz“ oder „Frostnacht“ vom gleichnamigen aktuellen Langeisen schalte über das noch verschlafene Festivalgelände. Einen sehr soliden Gig feierten die Mannen hier ab und so gehört HELRUNARs Auftritt für mich zu einem der stärksten auf dem diesjährigen Summer Breeze.

Nach ihrem Coverprogramm am Mittwochabend, das ich leider komplett versäumt hab, kamen die Franken von JUSTICE nun mit eigenen Songs im Gepäck zu ihrem zweiten Auftritt beim diesjährigen Summer Breeze. Mit ihrem speziellen Mix aus Death- und Powermetal, der auch eine Heavy und Thrashmetalschlagseite aufweißt, konnte die Truppe auch recht viele vor die Bühne locken und Songs wie „This world is mine“ oder „Future Opressions“ in die Meute feuern. Die Truppe war sichtlich gut aufgelegt und konnte auf ganzer Linie überzeugen.

Mit MACHINEMADE GOD gab es dann für die Metalcorefans wieder etwas auf die Lauscher. Unter anderem „Kiss me now, kill me later“ durfte man sich zu Gemüte führen und passend zur Mucke in die auftretenden Moshpits einsteigen. Auf den ersten Blick hatte man zwar, den Eindruck, dass viel los ist vor der Bühne, aber schon ein paar Meter weiter hinten lichteten sich die Reihen doch zusehends. Vielleicht lag es daran, dass die Truppe Shirts ins Publikum warf und so sich die ganze Meute wohl nach vorne schmiss. Wie dem auch sei. Die Ostdeutsche Kapelle war sichtlich sehr gut aufgelegt und lieferte einen starken Gig.

Bei SECRETS OF THE MOON ging es dann wieder etwas düsterer zur Sache. Mit einer Black Metal Schlagseite in ihren Anlagen und kleineren Ausbrüchen in Richtung Doom und auch Prog, konnte mich die Truppe nicht so recht überzeugen. Die Mucke fand den Weg in die Gehörgänge einfach nicht. Zwar kein schlechter Gig, aber auch nichts weltbewegendes.

Bei MAROON ging es dann gleich wieder anders zur Sache. Wie ihre Genrekollegen MACHINEMADE GOD zockten auch sie auf der Painstage, aber im Gegensatz zu ihren Kumpanen mussten sie keine Shirts ins Publikum werfen, um ordentlich viel Holz öhm ... Leute vor die Hütte zu bekommen. Die Fans tummelten sich auch so schon und feierten die Band ordentlich ab. Vom Frontmann, der sich vor dem Auftritt wohl irgendwo in ein Schlammbad gelegt hatte, wurde die Meute auch noch zu einer Wall of death animiert.

Mit COMMUNIC gab es dann wieder etwas proggiges zu hören. Wie NEVERMORE schlagen auch COMMUNIC in die selbe Kerbe und vereinen Power- und Deathmetal und versehen dies mit einer progressiven Note. Zwar konnten die Norweger mit Songs wie „Frozen asleep in the park“ überzeugen, es wollten sich aber dennoch nicht so viele vor der Bühne einfinden. Schade eigentlich.

Eine weitere Gothic Metal Band mit Female Vocals ist XANDRIA aus Bielefeld. Gegründet wurde die Band um Sängerin Lisa Middelhauve, Gitarrist Marco Heubaum, Bassist Nils Middelhauve (Bass), Gitarrist Philip Restemeier und Drummer Gerit Lamm im Jahr 2000. So konnten XANDRIA Songs aus drei Album präsentieren, insbesondere aus dem aktuellen Werk „Salomé - The Seventh Veil“.

Nun kam ein weiteres Inventar des Summer Breeze. DIE APOKALYPTISCHEN REITER gaben sich nun die Ehre und durften in Dinkelsbühl ihre Reitermania austoben. „Revolution“, „Riders on the storm“, „Seemann“, das obligatorische „Ironfist“, „Sehnsucht“, „We will never die“ wurde gleich zu Beginn und fast ohne Pause auf die Meute abgefeuert. Natürlich gab es auch die üblichen Reiterspielchen – so von wegen Fans auf die Bühne holen und diese dann vom Herrn Dr. Pest auspeitschen lassen und so. Für ihre Partygigs sind die Reiter ja bereits bekannt und so ist es auch kein Wunder, dass vor der Bühne wahrlich der Wahnsinn tobt. Die Securities im Graben haben alle Hände voll zu tun. Bei „Reitermania“ gab es dann auch das bekannte Schlauchbootspielchen, das ein Fan aus Australien gewann. Und was hat er gewonnen? Genau, eine Reise nach Australien. Die Thüringer um Frontmann Fuchs oder Eumel oder wie ihr ihn auch nennen mögt, war mal wieder sehr gut aufgelegt und dank der ausrastenden Fans dürfte die Truppe wohl auch den diesjährigen Summer Breeze Rekord in Sachen Crowdsurfer aufgestellt haben, zum Leidwesen der Ordner im Graben vor der Bühne.

Ähnlich spaßig ging es dann auf der Painstage bei den Partythrashern von TANKARD zur Sache. 10 Jahre Summer Breeze, 25 Jahre TANKARD, das muss ordentlich gefeiert werden und so legten die Hessen sich auch gleich mächtig ins Zeug. Ein Klassiker nach dem anderen wurde hier heruntergezockt, wie z.B. den Song „Zombie Attack“. Wie Schwergewicht Gerre am Mikro auf der Bühne, waren auch die Fans vor der Bühne mächtig in Bewegung. Sei es beim moshen, beim bangen oder crowdsurfen.

Nun ging es wieder rüber zur Mainstage wo nun DARK TRANQUILLITY an der Reihe waren. Vor der Bühne war auch hier ordentlich was los und die Stimmung war mächtig prächtig. Da war sogar Frontmann Mikael völlig überwältigt. Und von der Stimmung angesteckt, lieferten die Nordmänner mit ihrem Schwedendeath einen verdammt starken Auftritt ab. Schon ab dem Opener „Terminus“ zeigte die Band in Höchstform ihr können und zockte neben Songs vom aktuellen Album „Fiction“ auch etliche Klassiker. Unter anderem „Lesser Faith“, „Wonder at your faith“, „Blinded Heart“ und „Lost to apathy“ wurden der tobenden Menge zum Frass vorgeworfen und diese nahmen diese musikalischen Happen auch dankend an. Da waren die Securities um ihren Job wieder nicht zu beneiden, denn die Jungs hatten wieder alle Hände voll zu tun.

Mit MOONSORROW waren im Anschluss wieder Männer aus dem hohen Norden zu Gange. Mit ihrem etwas doomig angehauchten Mix aus Black Metal und nordischer Folklore überzeugte die Truppe auf ganzer Linie und lieferten einen um einiges stärkeren Gig ab, als ihre Landsmänner von FINNTROLL, auch wenn die Keyboardklänge hier und da an die Trolle erinnerten. Der Gesang bot einen guten Kontrast zwischen cleanen Vocals und normannischem Gebrüll. Ebenso die Musik, die mal etwas schleppend und dann wieder mit Blastbeatattacken um die Ecke marschierte. Sehr starker Auftritt, der aber auch leider viel zu schnell vorüber ging.

Wer kennt sie nicht: OOMPH! aus Wolfsburg mit dem hübschen Sänger Dero, der ganz in weiß in einer Zwangsjacke die Bühne stürmte. Sie wussten natürlich, dass sie sich auf einem Metal Festival befinden und hauten einen Kracher nach dem nächsten in die tobende Menge, wie zum Bsp. „Augen auf“, „Gott ist ein Popstar“ oder „Träumst du“. Dero kletterte des öfteren von der hohen Bühne und warf sich mutig ins Publikum, um sich als Crowdsurfer über die Menge tragen zu lassen. Der Griff nach ihm gelang mir gerade noch, nur wäre ich dann fast rückwärts zu Boden gefallen. Ganz schön gefährlich inmitten der ganzen Mädels. Der letzte Aufstieg auf die Bühne gelang dem smarten Sänger dann auch nicht wirklich, er rutsche mitsamt den Kabeln ab und landete unsanft im Bühnengraben. Nach einer Schrecksekunde rappelte er sich wieder auf und streckte seine Arme in die Höhe mit den Worten „Rock’n’Roll!“ Vor etlichen Zugaben waren die Jungs gar nicht mehr von der Bühne zu bekommen. Dero sang immer noch, auch ohne seine Band, während Caliban schon auf der Pain Stage loslegten.

Bei einer der angesagtesten Metalcore Bands aus den deutschen Landen, die Rede ist von CALIBAN, hab ich noch mit Müh und Not, den Schluss des Auftritts mitbekommen. Bleibt also nicht viel objektives zu sagen, nur, dass es vor der Painstage sehr gut gefüllt war und die Jungs auch ziemlich gut abgefeiert wurden. Auch die letzten Klänge, die aus der PA dröhnten, zeugten wohl von einem recht guten Gig der Metalcorebubis.

Mit Spannung wurde dagegen der Headliner des diesjährigen Summer Breeze erwartet. SOULFLY um Frontmann Max Calavera war aus dem Ami-land ins fränkische Dinkelsbühl getuckert. Gleich mit „Prophecy“ legte die Truppe los. Aber schon hier merkte man, dass der Sound nicht der allerbeste ist. Da fehlte eine gehörige Portion Druck. Und so wurde dann auch mit einem schwachbrüstigen Sound schon recht früh „Seek’n’strike“ und der SEPULTURA-Klassiker „Roots Bloody Roots“ gespielt. Und hier war dann die Enttäuschung meiner Seits schon perfekt, was aber vor allem vom recht dürftigen Sound her rührte. Die Truppe um Zottelmann Max spielte ohne Frage einen sehr tighten Auftritt und so waren die Jungs wohl auch etwas verwundert, dass es in der Menge relativ ruhig zur Sache ging. Dies änderte sich allerdings spätestens dann, als Frontmann Max einen Fan auf die Bühne holte und mit ihm ein wenig sprichwörtlich auf die Pauke zu hauen. Da hatte die Band einige Sympathiepunkte geholt und so stieg dann auch die Stimmung bis zum Ende des Gigs doch deutlich. Songs wie „Jump da fuck up“, bei der die Meute den Songtitel wörtlich nahm und der Aufforderung nachkam, oder SEPULTURAs „Refuse/Resist“ wurden noch zelebrierte, ehe mit „Eye for an eye“ der Gig sich langsam dem Ende zu neigte. Mit den letzten Akkorden von METALLICAs „Creeping Death“ klang der Auftritt der Seelenflieger schließlich aus.

2005 war Peter Tägtgren mit PAIN, der letzte der das Summer Breeze in Abtsgmünd beschallen durfte. Dieses Jahr, zum Jubiläum, durfte er wieder als Headliner der Pain-Stage mit PAIN das Festivalgelände beschallen und so das Geburtstagsfestival ausklingen lassen. Und man muss hier den Veranstaltern ein Lob aussprechen. Eine bessere Band hätten sie für diesen letzten Slot nicht nehmen können. Mit einem wahrlichen Hammerauftritt sorgte die Truppe um Frontmann Peter für einen gebührenden Abschluss. Ein Hit nach dem anderen, dröhnte hier aus den Boxen – und das auch noch bei einem richtig guten Sound. „Same old song“, „On and on“, „Just hate me“ oder “Supersonic Bitch” wurden hier einer nach dem anderen gespielt. Und einer nach dem anderen wurde von den Fans auch abgefeiert und mitgegrölt was das Zeug hielt. Zwischenzeitlich hatte es Bambi auch noch geschafft endlich auf die Bühne zu kommen. Waren die Versuche im letzten und in diesem Jahr alle vergebens, so gelang es dem Dosenreh – bei wem sonst, als bei PAIN – endlich auf die Bühne zu kommen, wenn auch nur für einen Song. Als Peter die Aufforderung gab „Turn on the fucking mobile“ war klar was kommen sollte. „Shut your mouth“ wurde als letzter Song des diesjährigen Summer Breeze gezockt und entsprechend seinem Mitgrölrefrain von der Meute auch entsprechend angenommen und lautstark mitgesungen.

Direkt nach dem Auftritt von PAIN gab es aber noch etwas anderes zu bewundern. Zum Abschluss wurde noch ein fulminantes Feuerwerk abgefackelt, das doch recht überraschend kam und doch einige mit offenem Munde da stehen lies. Aber nach einigen Minuten des Staunens war auch dieser Spuk und mit ihm auch das 10. Summer Breeze Open Air zu Ende.

FAZIT: Leider viel zu Schnell ging nun auch das Summer Breeze, als die wohl größte Heavy Metal Geburtstagsparty des Jahres zu Ende. Zwar hatte es Mittwochs auf Donnerstags geregnet und wurde das Gelände auch von einem kleinen Sturm heimgesucht, aber sonst blieb das Wetter die gesamten Festivaltage über – trotz anderer Wettervorhersagen – recht stabil und vor allem – bis auf kurze Nieselschauer – auch trocken. Im großen und ganzen überwiegen dann aber die guten Eindrücke des Festivals. 66 Bands für 60 €uro. Dazu noch Camping, Shuttlebus, Tagesparkplatz im Preis inklusive. Was will man da noch mehr. Dazu kommt noch, dass es keinerlei Überschneidungen gab, die zwei Bühnen direkt nebeneinander liegen, im allgemeinen die Wege vom Festivalgelände zum Campinggelände und zurück recht kurz sind und es als Schmankerl dies Jahr auch noch ein Partyzelt gegeben hat, bei dem bereits Mittwochs schon Bands gespielt haben. Die Positiven Aspekte die man im Vorfeld schon erahnen konnte, waren dann wohl auch der Grund für den großen Ansturm an Besuchern, den die Orgas zu bewältigen hatten. So musste – laut unseren Informationen – der ursprüngliche Tagesparkplatz zu Campinggelände umfunktioniert werden und der Tagesparkplatz auf einem zusätzlich angemieteten Gelände untergebracht werden. Letzten Endes waren dann nicht weniger als 20.000 Besucher auf dem Summer Breeze 2007. Ein weiteren Pluspunkt bekommt die Orga für die alphabetisch angeordneten Türme, die zwecks Orientierung sehr hilfreich waren.

In Sachen Verpflegung hinsichtlich Supermarkt und Food-Stände auf dem Camping- und Festivalgelände kann man auch nicht meckern. Preise sind zwar – festivalüblich – etwas angehoben, aber noch gut vertretbar. Und da wir auch noch recht nah an solchen Verkaufsständen unser Camp aufgeschlagen hatten, stand einem morgendlichen Dönerfrühstück auch nichts im Wege.

Die ganze Müllpfandsache, bei dem man diesmal ein Poster bekam, fand ich gut. So gab es doch etliche, die sich so ein Poster ergattern wollten und so dann auch eifrig ihren Müll zur Abgabestelle schafften. Ein ähnliches System wäre für nächstes Jahr auch wieder zu Begrüßen, nur diesmal vielleicht kein Poster, sondern etwas anderes als Präsent.

Aber hier und da gibt’s natürlich auch nach wie vor Handlungsbedarf. In erster Linie wohl die Situation mit den Toiletten. Da es auf dem gesamten Gelände keine Zu- und Abwasserleitungen gibt, sind (noch) keine spülbaren Toiletten möglich. Hoffen wir mal, dass dies vielleicht bis nächstes Jahr geregelt werden kann. Ein großes Problem scheint es dieses Jahr Donnerstags bei der Anreise gegeben zu haben. Von mehreren Schleusen, konnte am Donnerstag nur eine – auf befestigtem Weg liegende Schleuse - genutzt werden, da durch die teils starken Regenfälle Mittwochsnachts und Donnertagsmorgens der Boden noch mehr aufweichte, als er eh schon aufgeweicht war. Dies führte dann zu ewiglangen Staus am Einlass und zu entsprechend langen Wartezeiten. Wir selbst sind bereits Mittwochs angereist und obwohl es da „trocken“ war merkte man hier schon nach einigen Stunden, dass der Boden durch die Regenfälle in den Tagen und Wochen zu vor ziemlich aufgeweicht war und so wurde selbst hier der Boden an den Schleusen recht matschig.

Was man im Prinzip wieder über Bord werfen kann, sind die Campingplatzeinweisungen, die – so wie angekündigt – eigentlich gar nicht statt fanden. Da standen lediglich ein paar Ordner rum die die Anreisenden einmal quer übers Campinggelände gejagt haben. War unnötig, meines Erachtens und hat nur zusätzlich unnötigen Unmut verbreitet. Schade fand ich dieses Jahr, dass die großen Wasserbehälter, wie sie letztes Jahr noch sehr gut sichtbar und in recht großer Anzahl aufgestellt waren, dieses Jahr recht rar gesät waren und diese man dann auch nur durch suchen wirklich finden konnte. Auch muss im Hinblick auf die Ausleuchtung des Campinggeländes etwas getan werden, denn ohne Licht hätte man da wohl mehr gesehen, da die Scheinwerfer nur geblendet und so einem dann die Sicht genommen haben. Ein kleines Manko ist zu dem noch, dass das Partyzelt recht weit weg vom Festivalgelände ist. Dies hätte ruhig direkt neben dran sein dürfen.

Im großen und ganzen bleibt aber zu sagen, dass es eine mächtig geile Geburtstagsparty war. Mit Größen wie AMON AMARTH, SOULFLY, PAIN, BOLT THROWER, DARK FUNERAL, DARK TRANQUILLITY und anderen, hatte man in diesem Jahr eines der besten Summer Breeze Billings zusammen gestellt. Bleib nur zu hoffen, dass in Sachen Contest am Mittwoch und nächtliche Partyzeltauftritte im nächsten Jahr es wieder ähnlich gehandhabt wird. Aber wie dem auch sei. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder in Dinkelsbühl

 

 

 

 

 

 

 

Oimel & littleblack.