Summer Breeze Open Air 2006
17. - 19.08.2006 – Flugplatz Dinkelsbühl - Sinbronn

Dass das Summer Breeze schon seid Jahren als das “Wacken des Südens” bezeichnet wird ist allseits bekannt. Mit dem bisherigen Gelände in Abtsgmünd wäre es aber nie über den Status des „kleinen Bruders“ des Wacken Open Airs hinausgekommen. Aber auf Grund diverser Bauarbeiten in Abtsgmünd steht das Gelände nicht mehr zur Verfügung und so fand man in Dinkelsbühl ein neues Gelände. Ein Gelände, das für die Organisatoren viele Möglichkeiten offen hält. Grob gesagt ist das neue Gelände doppelt so groß wie das bisherige in Abtsgmünd. Also genug Platz, um in den kommenden Jahren aus dem Summer Breeze ein, dem Wacken auch in der Größenordnung ebenbürtiges Festival zu basteln. Aber das ist nur mögliches Zukunftsgeträller und ob die Veranstalter überhaupt in diese Richtung planen wollen steht in den Sternen und wird sich wohl frühestens beim 10jährigen nächstes Jahr zeigen, wohin man noch gehen will.

Mit Ausnahme des Geländes ist fast alles beim alten geblieben. Es gab weiterhin die zwei Bühnen – Mains-Stage und Pain-Stage, die allerdings in neuem Gewand daher kamen und es gaben sich wieder 50 Bands an drei Tagen die Klinke in die Hand. Auffällig Kontrastreich war das Billing in diesem Jahr. So machten die Gothic und Mittelalter-Fraktion mit u.a. ASP, LACRIMOSA, SALTATIO MORTIS, LIV KRISTINE, CORVUS CORAX zum einen und auch die Metalcore-Fraktion u.a. mit HEAVEN SHALL BURN, LENG TCH’E, GOJIRA, NEAERA zum andern einen sehr großen Teil der Bands aus. Dagegen kam der Black-Metal-Sektor mit 1349 fast gar nicht zum Zuge. Weitere Acts wie KREATOR, MORBID ANGEL, FEAR FACTORY, MOONSPELL, FINNTROLL und GAMMA RAY sorgten dafür, dass das Publikum dieses Jahr doch bunter gemischt war als in den Jahren zuvor.

Donnerstag

Am Donnerstag sollte es um 13 Uhr auf der Main-Stage dann mit VOLBEAT losgehen. Doch dem war nicht so. Gleich zwei Bands hatten kurz vorher ihren Auftritt absagen müssen. Zunächst hatte REGICIDE ihren Gig gecancelt. VOLBEAT spielte daraufhin an deren Stelle als zweite Band auf der Main-Stage. Opener machte dann die Stuttgarter SUBCONSCIOUS. Da es mangels Kommunikation viele erst durch die Ansage der Band von dem Billing-Wechsel erfuhren, war das Publikum etwas neben der Spur. Lange störte es die Fans aber nicht, denn die Band wusste mit ihrer Spielfreude zu überzeugen. Mit einer Mischung aus MESHUGGAH und ATHEIST und leichten DEATH klängen eröffneten die Schwaben das Festival und zeigten mit ihrem technischen Deathmetal gleich mal wo der Hase lang läuft.

Im Anschluss daran hätte eigentlich FEAR MY THOUGHTS dran sein sollen, doch die Süd-Badener hatten als zweite Band ihren Gig absagen müssen und so wurde TOURETTES SYNDROME als Ersatz aufs Billing gepackt. Bei den Australiern wusste man nie so recht wie man dran ist. Grob konnte man sie in den modernen Metal einstufen, was aber nicht hundertprozentig zutreffend ist, da sich die Truppe sehr facettenreich präsentierte. Mal gabs klänge die einen an Metalcore und New Metal erinnern, dann hatte man wieder das Gefühl vor einer Glam-Rock-Truppe zu stehn, was vor allem durch das Auftreten des Frontmannes den Anschein hatte.

Mit UNDERTOW auf der Pain-Stage ging dann alles wieder seine gewohnten Gang. Nach dem recht durcheinandergewürfelten Festivalstart legte das Schwäbische Trio los und das vor einer recht großen Fanschar. Mit zahlreichen Songs ihres neuen Albums „Milgram“ wurde das Publikum zum bangen eingeladen. UNDERTOW lassen sich recht schwer wenn nicht sogar fast gar nicht in eine Schublade stecken. Sie spielen einfach nur Metal. Mal geht’s moderner zur Sache, was an Metalcore erinnert, dann rumpelt es wie bei einer Death-Band aus den Boxen und dann gibt’s noch ordentlichen Doom oben drauf. Im großen und ganzen groovt es aber wie Sau. UNDERTOW haben mit ihrem saustarken Auftritt bewiesen, dass hier eine Band am Start ist, auf die man ein Auge werfen sollte. Ihr Auftritt war definitiv eines der Highlights, des noch jungen Festivals.

Richtigen Metalcore mit ner Ladung Death-Metal gabs dann von NEAERA auf der Main-Stage. Mal kreischte der Frontmann Benjamin ins Mikro und dann gabs ordentliche Crowls und passend dazu eins auf die Mütze. Gekonnt zelebrierten NEAERA ihr Wechselspiel zwischen Metalcore und Death-Metal, was die Fans natürlich zum moshen veranlasste. Ein ordentliches Extrem-Metal-Geballer wurde hier losgelassen.

M it S A LTATIO MORTIS kam nun eine Mittelaltertruppe die doch recht beliebt ist. Allerdings scheint der Combo irgendetwas nicht so bekommen zu sein. Zwar sorgend die Jungs für ordentlich Stimmung vor der Bühne, doch wirkten die Sieben auf der Bühne im vergleich zu früheren Auftritten, unter anderem vor zwei Jahren auf dem Breeze, doch ziemlich steif. Nichtsdestotrotz feierten die Fans in Scharen zu Hits wie das „Palästinalied“ oder „Keines Herren Knecht“ ordentlich ab.

Meiner Meinung nach eine Überraschung für mich waren die Portugiesen MOONSPELL die nun die Main-Stage enterten. Hatte man vielleicht noch etwas „lascheren“ Düsterrock erwartet, so krachten die Jungens gleich mit „Finisterra“ vom neuen Album los und das mächtig. Mit einem riesigen Bühnen-Back-drop, das einen Blutroten Sonnenuntergang über einem Friedhof zeigte, im Rücken ließen es die Südeuropäer ordentlich krachen. Das obligatorische „Opium“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Mit diesem klasse Auftritt war MOONSPELL eines der Highlights auf dem diesjährigen Summer Breeze.

Eine Band, bei der man das „Highlight“ fast schon vorweg festlegen wollte war FINNTROLL. Zwar mit neuem Sänger, der auch eine gute Figur machte, wirkten die Skandinavier etwas Träge. Vielleicht lag es an der Bühne. Denn ein wilder Trollhaufen macht sich auf der Pain-Stage doch besser als auf der Main-Stage. Aber dennoch zeigten die Jungs wo der Trollhammer hängt und zelebrierten vor allem viele Songs des letzten Albums „Nattfödd“. Aber auch zwei ganz neue Songs, des kommenden Albums wurden auf die Meute vor der Bühne losgelassen und eine Anleitung wie man Menschen kocht, gabs dann kostenlos dazu.

Waren letztes Jahr mit drei Mittelaltercombos die Headliner-Positionen recht einseitig besetzt, so war es dieses Jahr mit Bands aus dem Gothic-Bereich der Fall. Mit ASP kam die erste Truppe aus diesem Sektor. Mit Programming und geriffe a la Rammstein kam die Truppe daher, was die Masse vor der Bühne in zwei Lager spalten lies. Entweder die Kultband schlecht hin oder Bierpause. Einziges „Highlight“ war das Feuerwerk zum Abschluss.

Für einen mächtigen Abschluss auf der Main-Stage sorgten die Thrasher von KREATOR. Extra für das Summer Breeze wurde ein spezieller Bühnenaufbau angekarrt. Dazu noch ordentliche Lichteffekte und ganze acht Nebelmaschinen. Rein von der Bühnenshow war KREATOR jetzt schon eine Augenweide ohnegleichen. Und sie hatten noch gar nicht angefangen zu spielen. Weil dann kam noch die Ohrenweide dazu. Songs wie „Enemy of god“ vom gleichnamigen aktuellen Album oder auch „Extreme Aggression“ bei welchem die Meute zum eifrigen moshen quasi gezwungen wurde. Frontmann Mille heizte mit seinen Ansagen und seinen „Nachtigallgesängen“ – Scherz am Rande – der Meute ordentlich ein. Dieser Gig war sowohl für die Augen als auch für die Ohren einer der Besten der letzten Jahre auf dem Summer Breeze. Der Hammer.

Freitag

Freitags gings schon recht früh los. Aber das kennen wir ja bereits. Als zweite Band an diesem Tag stiegen die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS auf die Bühne. Und eine beachtliche Menschenmenge folgte vor die Bühne. Und das zu so früher Stunde. War aber auch kein Wunder, denn die meisten konnten sich diesen göttlichen Terrorangriff für die Ohren einfach nicht entgehen lassen. So derb und zugleich herrlich werden Schlagersongs selten auf die Schippe genommen. Da nimmt man zum Beispiel „looking for freedom“ und macht daraus „looking for grindcore“ oder um das ganze anschaulicher zu machen. Aus „Karamba, Karacho ein Whisky“ wird „Karamba, Karacho ein Grindcore“. Nicht nur, dass die Schlagersongs im E-Gitarrengewand daher kommen. Nein sie werden auch noch in eine Grindcore-Zwangsjacke gequetscht. Wer diesen Gig zu so früher Stunde verpasst hat ist wahrlich selber Schuld. Das war ein herrlicher Einstand für den zweiten Festivaltag.

Neben MOONSPELL kamen mit TRAIL OF TEARS eine weitere aus dem Düster-Sektor. Allerdings nicht aus dem warmen, sonnenverwöhnten Portugal wie MOONSPELL sondern aus dem kalten Norwegen. Durch das zwischenzeitlich etwas kühlere und rauere Wetter dürften sich die Nordmänner zwar etwas heimischer gefühlt haben, aber der Meute vor der Bühne war das Wetter ziemlich egal und ließen sich die Show nicht entgehen. Mit Synthies angehauchter Düster-Metal, der hin und wieder sogar Blast-Attacken aufbot, sorgten TRAIL OF TEARS für ein recht abwechslungsreiches Programm. Ihr übriges taten die beiden Sänger, die mit cleanen Vocals zum einen und rauem Gesang zum anderen, daher kamen.

Direkt im Anschluss ging es vor die Pain-Stage. Hier waren nun mit FRAGMENTS OF UNBECOMMING wohl eine von Deutschlands „Death-Metal-Hoffnungen“ schlechthin am Start. Und, um dies auch unter Beweis zu stellen, feuerten der Fünfer seinen „swedish styled Death Metal“ auf die Fans ab. Nach ein paar Knüppelharten Einstiegsnummer kamen die zwei „Hit-Nummern“ des aktuellen und des Vorgänger-Albums nach einander. Zuerst „Sterling Black Icon“ vom gleichnamigen aktuellen Silberling und danach „The Seventh Sunray Enlights My Pathway“ vom 2004er Album „Skywards“. Dass die Truppe um Frontmann Sam eine beachtliche Fanschar um sich hat bewiesen einige „Die-Hard“-Fans in der ersten Reihe, die die Truppe Gesangstechnisch ordentlich unterstützte. Und klar, das gemoshe durfte natürlich auch nicht fehlen.

Wenn man an REBELLION denkt, fallen doch vielen auch der gleichnamige GRAVE DIGGER – Hit ein. Damit ist es gar nicht weither geholt. Denn, REBELLION wurde von Uwe Lulis und Tomi Göttlich gegründet, beide ehemals bei GRAVE DIGGER beschäftigt. Das war dann aber auch schon das besondere. Vor der Bühne tummelten sich doch recht wenig Fans und dazu gab es hier und da wohl doch ein paar Verspieler. Da hatte die Truppe wohl einfach einen schlechten Tag erwischt. Zum Schluss wurde man aber wenigstens mit dem eingangserwähnten GRAVE DIGGER Song „Rebellion“ verwöhnt, bei welchem die Band auch ordentlich Beifall einheimste. Bleibt nur zu wünschen, dass die Truppe auch mal bei ihren eigenen Songs so viel Applaus ernten.

Etwas für die Tanzmuskeln gabs bei TURISAS. Mit ihrer Mugge, die ähnlich wie bei FINNTROLL zwischen Black und Folk-Metal anzutreffen ist, sorgten die Mannen für ordentlich Partystimmung und die eingesprenkelten Folkparts, auf Violine und Akkordeon vollführt, für schwingende Tanzbeine. Mit rot-schwarzer Kriegsbemalung im Gesicht und Tierfellen auf den Schultern heizten sie der beachtlichen Fanschar ordentlich ein. Nahezu das komplette Debüt-Album „Battle Metal“ wurde heruntergefeiert. Das dann die Fäuste sich reckten und die Haare geschwungen wurden, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Mit HEAVEN SHALL BURN gab es dann wieder einen Vertreter, aus dem stark vertretenen Metalcore-Lager. Dass die Truppe in diesem Sektor in Deutschland eine Vormachtstellung hat, wurde auch gleich unter Beweis gestellt. Von der ersten bis zur letzten Sekunde des Gigs wurde der Masse vor der Bühne eingeheizt, bis zum geht nicht mehr. Mit einer derartigen Power, wie die Jungs ihren Auftritt begingen, ist es ja fast schon ein Wunder, dass die Truppe ihren Gig ohne Sauerstoff-Maske über die Runden brachten. Das gleiche galt für die Fans. Eine dreiviertel Stunde lang, gab es sozusagen einen einzigen Moshpit. Gespickt mit zwischenzeitlichen Circle-pits.

Und das gemoshe ging dann auch gleich weiter, und zwar bei MORBID ANGEL. Und hier gabs dann auch gleich was besonderes zu bewundern. Denn Morbid Angel traten in ihrem alten Line-Up auf, dass es mal anno 1996 gegeben hatte. Nicht zu verwundern ist hierbei, dass es dann ausschließlich Songs der ersten vier Alben zu hören gab. Also, Death-Metal-Genuss vom feinsten. Die Fans ließen sich dermaßen mitreisen, dass man den Eindruck haben konnte, es wäre die letzte Band des Abends.

Ok. Wenn man das Billing anschaute, das am zweiten Festivaltag nach MORBID ANGEL noch zu spielen hatte, war es wohl wirklich für viele Fans, die letzte Band des Abends. Mit LIV KRISTINE, LACRIMOSA und DEATHSTARS enterten noch drei Bands die Bühne, bei der so mancher lieber auf dem Campinggelände noch abfeierte.

Samstag

Dritter Festivaltag, mit dem Geiste noch beim Vorabend, aber dennoch schon vor der Bühne. Was da natürlich nicht fehlen darf ist ein ordentlicher und sehr starker Kaffee. Und den bekam man zu so früher Stunde auf eine etwas andere Art und Weise dargeboten. Nämlich in vorm von PERZONAL WAR. "Seid ihr bereit für den Arschtritt am Morgen, den Kaffee ohne Tasse?" Diesen Hallo-Wach-Arschtritt bekamen die Fans zu genüge. Mit Metal, wie man ihn eigentlich von Metallice her kennt, konnte PERZONAL WAR das erste gemoshe am dritten Tag für sich verbuchen.

LEGION OF THE DAMNED, oder besser SLAYER? Was die Holländer hier ablieferten lies wohl wirklich die Stirn runzeln und fragen “Sind das Slayer”? Es war natürlich nicht SLAYER, zumindest nicht SLAYER anno 2006. Mit ordentlichem Death-Thrash Metal prügelte die Legion den Fans den letzten verbliebenen Schlaf aus dem Leib. Konnte man vor Jahren noch unter dem Namen OCCULT keine Bäumchen ausreisen, so sinds heute doch ganze Wälder die da niedergebolzt werden. Ein wahrlich Klasse Auftritt.

Mugge der harten Schule gabs direkt im Anschluss von NECROPHAGIST. Im Gegensatz zu dem zuvor gebotenen Death Thrash Metal bekam man hier einen etwas schwer verdaulichen Death Metal geboten. Neben einem gnadenlos heruntergeballerten Riffgewitter gab es noch sehr viele progressive Anleihen. Etwas weniger progressiv würde der Band sicherlich nicht schaden. Zwar spielte die Truppe auf technisch hohem Niveau, allerdings können so viele Brakes mit der Zeit etwas nerven. Nur gut, dass die Truppe auch etliche Songs hat, die weniger verschnörkelt daher kommen. Dank ihrer amerikanischen Plattenfirmen sind die Süddeutschen in den Staaten ziemlich angesagt. Bei uns haben sie lediglich noch den Status eines Geheimtipps.

CARNAL FORGE hingegen sind kein Geheimtipp mehr. Zwar spielen die Schweden recht früh, aber wen störts. Der Band nicht, die fegt über die Bühne wie ein Sommergewitter und den Fans ebenfalls nicht. Die moshen und bangen zu den „Küppel aus dem Sack“-Klängen. Nach einem „Stille Nacht“ Intro legten die Nordmänner mit ihrem neuen Frontmann Jens Mortensen, der einem gar nicht so schwedisch vorkommt, auch gleich los. Zwischen rasendem Death / Thrash und groovigen Midtempo Parts wechselte der Fünfer hin und her, das aber mit Wucht. Von den Leuten vor der Bühne wurde die Truppe sehr gut aufgenommen.

Von Skandinavien gings nun wieder nach Deutschland. TOTENMOND enterten nun die Bühne, wobei das Wort “enterten” wohl etwas fehl am Platz ist. Recht gelassen kam das Trio auf die Bühne und nach einem recht langen instrumentalen Intro – während dem sich die Jungs etwas Fotoscheu zeigten – gings dann auch gleich los. Mit Metal, der eine Mischung aus Death, Doom und Hardcore vereint, eierten die Mannen ihr Set runter. Da der Fan wohl der Band liebstes Kind ist, gabs Wodka für die ersten Reihen. TOTENMOND legten zwar öfters längere Pausen zwischen den Stücke ein, aber interessiert hats wohl niemanden. Die Band schon gar nicht. Sie interessierte es auch nicht wirklich, dass es zwischenzeitlich schüttete wie aus Kübeln, wodurch sich dann etliche Fans lieber einen Unterschlupf suchten. Als Schlussbemerkung von Frontmann Herrn Pazzer gabs noch ein "Nazis raus. Tschüß ihr langhaarigen Wichser"

Einen eher selteneren Gig in Deutschland gabs von THYRFING. Und so was rares wollten sich dann auch etliche Viking-Fans nicht entgehen lassen, was die Fanschar vor der Bühne belegte. Teils normal gekleidet, teils mit Kunstblut beschmiert kam die Band auf die Bühne und spulten hier ihren melodischen Midtempo-Black-Metal mit einem Wechselspiel zwischen cleanem und rauem Gesang herunter. Von den Fans wurde die Truppe frenetisch abgefeiert. So gab es Moshpits und Tanzorgien en masse zu sehen. Den verstorbenen Genre-Helden, wie Quorthon von BATHORY oder Jon Nödveidt von DISSECTION, der wenige Tage zu vor Selbstmord beging, wurden dann auch noch ein Song gewidmet, was bei den Fans mit Applaus begrüßt wurde.

BLOODFLOWERZ spielten wie viele der diesjährigen Bands schon einmal auf dem Summer Breeze. Bei den Blutblümchen ist es schon ganze drei Jahre her, als sie das letzte mal auf der Bühne standen. Damals noch als Newcomer und mit einem recht schwachbrüstigen Auftritt war dieses mal gerade das Gegenteil der Fall. In der Gothic-Metal-Szene hat sich die Truppe schon einen beachtlichen Namen gemacht und von schwachbrüstigen Auftritt kann dieses mal wirklich nicht die Rede gewesen sein. Mit ihrem neuen und erst vor wenigen Wochen fertiggestellten Album „Dark Love Poems“ im Handgepäck wurde den Fans vor der Pain-Stage eingeheizt. Und zwar so sehr, dass denen selbst der Regen nichts mehr ausmachte und die Band frenetisch abfeierte. Sehr gelungener Auftritt und ein dickes Kompliment an die Sängerin Kirsten, die den Gig Hochschwanger absolvierte.

Mit GAMMA RAY kam nun eine deutsche Heavy Metal Legende mit auf die Bühne. Und zwar ist hier die Rede von Ex-HELLOWEEN Sänger Kai Hansen. Kein Wunder, dass die Truppe dann auch zig HELLOWEEN Songs herunterspulte. Ob die beachtliche Fanschar vor der Bühne wegen GAMMA RAY gekommen ist oder um einen kleinen HELLOWEEN-Ableger zu sehen, weiß man nicht. GAMMA RAY haben sich in den letzten Jahren weit nach oben gespielt und konnten auch mit ihren eigenen Songs mehr als überzeugen. HELLOWEEN Gassenhauer wie „I Want Out“ waren dann nur noch das Sahne-Bonbon für die zahlreich erschienen Fans.

Nach GAMMA RAY kamen noch UNLEASHED, FEAR FACTORY und MY DYING BRIDE zum Zuge, ehe das Summer Breeze zumindest für dieses Jahr die Pforten schloss.

Fazit:

Wenn man bedenkt, dass die Suche nach einem neuen Festivalgelände sich ewig hinzog und die Veranstalter und Organisatoren um Achim Ostertag nur ca. vier Monate Zeit hatten, um das Summer Breeze in Dinkelsbühl so auf die Beine zu stellen, muss man von einer kleinen Meisterleistung sprechen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es doch recht wenige Kinderkrankheiten gegeben hat. So war z.B. die Tatsache, dass keine spülbaren Toiletten, auf Grund fehlender Kanalisation, aufgebaut werden konnten und auch der Ein- / Ausgangbereich von und zum Festivalgelände etwas unglücklich gelöst wurde, die wohl größten Kinderkrankheiten. Was vielleicht auch etwas störend war, war die Tatsache, dass die Dixis zumeist am äußeren Rand aufgestellt waren. Vorhanden waren aber wirklich genügend, wodurch es kaum Wartezeiten gab. Zwar könnte man vielleicht die Taktzahl der Leerung etwas erhöhen, da hier und da doch „Pyramidenscheißen“ angesagt war. Negativ war auch die Müllproblematik. Zwar bekam man beim Einlass eine Summer Breeze CD im voraus und als Dankeschön für das wegräumen des Mülls. Aber geholfen hat das wohl wirklich nichts. Die Zeltplätze sahen im Anschluss daran, teilweise aus wie eine Müllhalde. Da befürworte ich lieber die Rückkehr zum Müllpfand-System, dass es 2003 noch gegeben hatte.

Um die Fans auf den Zeltplätzen mit Wasser zu versorgen, wurden mehrere Wassertanks aufgestellt. Zwar wurde das Wetter im Großen und Ganzen doch besser und wärmer als gedacht, wodurch der Wasserverbrauch ohne hin größer wurde, aber ist es wirklich nötig, dass irgendwelche Spasten quasi beim vorbeilaufen, die Wasserhähne aufdrehten, so dass die Kanister leer liefen? So kamen zum einen die „Wassermenschen“ mit dem Befüllen nicht mehr hinterher und die Leute die Wasser benötigt hätten, saßen dann auf dem Trockenen.

Das neue Gelände als ganzes war um einiges größer, als das alte Abtsgmünder Gelände. So gab es auf dem Campingplatz selbst Samstags noch ganz vorne genügend Platz, wo man sein Zelt hätte aufschlagen können. Selber schuld, wer da quasi am Eingang des Campinggeländes seinen Platz hatte. Neben den Fans und auch den Bands, die das Gelände sehr positiv aufnahmen, gab es dann auch etliche neugierige Besucher. So kamen zig Dinkelsbühler und Sinbronner Bürger, um mal nachzuschauen, was denn auf dem Summer Breeze so alles los ist.

Der vorhandene Supermarkt, den man im Zentrum des Campinggeländes finden konnte war eine super Bereicherung. Hier gab es kaum etwas, dass es nicht gab. Wer also diverse Sachen daheim vergessen hatte, konnte sich hier eindecken. Auch konnte man sich morgens mit einem ordentlichen Frühstück stärken, wobei der Kaffe ziemlich lasch war. Da die nächsten Ortschaften ein ganzes Stückchen weg wahren, bzw. über keine Supermärkte und ähnliches verfügten, war der Supermarkt auf dem Gelände gleich viel mehr wert.

Das Festivalgelände an sich kam mir nicht wesentlich größer vor. Der Eindruck wird mich hier aber ziemlich getäuscht haben. Die Bühnen standen direkt neben einander, was bei den Soundchecks der einen Band, während der Auftritt der anderen Band schon im vollem Gange war, ziemlich lästig war. Da kam es schon des öfteren vor, dass man die eine Band sehen wollte, aber die andere hörte. Nervend war auch der Hammer Bus. Da die Jungs und Mädels vom Metal Hammer Team an ihrem Bus ständig Mugge laufen ließen, kam es öfters vor, dass man von denen auch mehr hörte, als man wollte. Sehr gut waren die reichlich vorhandenen Essens- und Getränkestände auf dem Festivalgelände, bei denen man, für Festivalverhältnisse, recht günstig sich stärken konnte.

Bei solchen Stärkungen scheint auch wohl Kraftfutter füs Hirn dabei gewesen zu sein. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Summer Breeze Open Airs, kann man das 2006er in Sachen Einfallsreichtum der Besucher wohl kaum noch überbieten. Spiderman, Männliche Zeitgenossen, die NUR mit einem durchsichtigen Regencape bekleidet sind, Wikinger mit Schwimmärmeln, der BMW-Amokfahrer, der ein Zelt platt machte (wobei das eigentlich net witzig ist) oder BAMBI sind hierbei nur ein paar wenige Beispiele, wobei BAMBI die wohl größte Anhängerschaft mit ihren „Bambi statt Jesus“ und „Bambi auf die Bühne“ rufen, aufzuweisen hatte. Nicht nur, dass das Summer Breeze um einiges friedlicher war als die Jahre zuvor, nein, es war auch noch um einiges lustiger. Da das Billing dieses Jahr eher durchwachsen war, auf dem Campinggelände aber so schon viel los war, hatte man sich es hin und wieder doch zweimal überlegt ob man nun ne Band anschaut oder nicht.

Bands wie FINNTROLL, MOONSPELL, TURISAS, THYRFING, MORBID ANGEL oder allen voran KREATOR waren das Geld auf jeden Fall wert. Und mit 42,-- € für 50 Bands in 3 Tagen steht das Summer Breeze seid eh und je mit einem super Preis-Leistungsverhältnis da. Hoffen wir, dass es so bleibt und freuen uns auf das nächste Summer Breeze, bei dem übrigens das 10jährige gefeiert wird. Überraschungen sollen bereits in Planung sein. Also seid gespannt. Man sieht sich 2007 in Dinkelsbühl.