Interview mit dem Summer Breeze Veranstalter Achim Ostertag

Mit dem Summer Breeze, das wir am vorletzten Augustwochenende vorgesetzt bekamen, haben wir eines der größten und auch stilistisch am breit gefechertsten Open Airs in Deutschland. Mit dem neuen Veranstaltungsort in Dinkelsbühl haben die Veranstalter ein Fleckchen Erde entdeckt, das wie geschaffen zu sein scheint für das Summer Breeze. Der Veranstalter, Achim Ostertag, hat Rede und Antwort gestanden über das vergangene Festival, die Geschichte des Breeze und einen kurzen Blick nach vorne. Aber lest selbst.

Hi Achim. Und das Breeze gut rumgekriegt?

- Ja, auf jeden Fall. Nachdem die letzten Wochen und Monate ziemlich hektisch waren, bin ich froh, dass alles relativ reibungslos ablief!

Ihr seid ja bestimmt noch kräftig an der Nachbearbeitung des Festivals oder?

- Langsam geht es wieder. Vor Ort sind noch 2 Mann, die den letzten Rest in den Urzustand versetzen

Bevor wir zum gerade vergangenen Breeze zu sprechen kommen, vielleicht noch ein paar Fragen zu den Anfängen. Als ihr vor neun Jahren mit dem Summer Breeze angefangen habt, hättet ihr damals gedacht, dass das Breeze irgendwann eine derartige Größe erreicht? Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen generell ein Festival auf die Beine zu stellen?

- Nee, damals natürlich nicht. Es fing ja als ganz kleines Festival im Zelt an, dass ich eigentlich eher für meine eigene Band zusammen mit meinen Freunden gemacht habe! Erst nach dem zweiten Festival 1999 haben wir uns dazu entschlossen, dass Ganze als Open Air und etwas größer aufzuziehen. Dass es so groß und erfolgreich wird, hat aber damals noch keiner zu träumen gewagt.

Das erste Festival war 1997, damals noch in einem Zelt. Das zweite war dann erst 1999. Wie kam es dazu? Und was hattet ihr bei dem „Neustart“ verbessert gegenüber dem aller ersten Summer Breeze?

- 1997 waren wir einfach zu jung. Nur wenige von uns waren 18 und es herrschte das totale Chaos! Irgendwelche Rockerclubs nahmen uns die Bar auseinander usw.! ;o) 1999 waren wir dann etwas gereift, und alles lief mehr oder weniger reibungslos ab. Auch weil wir 1998 zusammen mit dem Jugendverein ein ähnliches Festival (allerdings nur einen Tag und nicht unter dem Namen Summer Breeze) veranstaltet hatten und so Erfahrungen gesammelt hatten.

Bist du alleiniger Veranstalter / Organisator oder hast du noch ein paar Leute an deiner Seite? Wie viele Leute habt ihr denn im Vorfeld im Team? Gibt es eine „feste“ Mannschaft die das ganze Jahr eingestellt ist oder machen da viele freiwillig mit?

- Wir sind zwei Geschäftsführer in der Firma. Mein Kollege Michael Trengert, der Metal Blade Europa Geschäftsführer, stieß nach dem Summer Breeze 2002 dazu. Seither arbeitet auch seine Frau (Nina Gamer) bei uns. Sie macht neben der ganzen Buchhaltung auch die Verträge und kümmert sich um die Sponsoren. Seit Juli 2005 haben wir noch unseren Ralf Nüsser im Boot. Ralf und ich teilen das tägliche Geschäft untereinander auf. Wobei wir noch einen logistischen Partner im Team haben, welcher sich um die ganzen logistischen Dinge (Strom, Wasser, Umzäunung, Securities, Campingplatz,…) kümmert. Ansonsten ist seit gut einem Jahr auch noch unser Webmaster Frank Schillinger fest bei uns, wobei dieser von Anfang an unsere Seite macht. Ansonsten arbeitet meine Freundin Julia und noch einige weitere Leute in den 2-3 Monaten ums Festival bei uns!

Wie sieht das ganze beruflich aus? Reichen die Einnahmen, damit du die Organisation Hauptberuflich betreiben kannst oder hast du nebenbei noch andere Dinge am laufen?

- Anders würde es gar nicht mehr gehen! Die Organisation nimmt einfach zuviel Zeit in Anspruch. Wir versuchen zwar uns weitere Standbeine aufzubauen, aber ohne das Summer Breeze würde nichts gehen.

Du hast ja noch eine Plattenfirma am laufen, die Silverdust Records. Was sind die „größten“ Acts die du bei Silverdust Records unter Vertrag hast?

END OF GREEN sind klar unser Topact, danach folgen PSYCHOPUNCH und BLOODFLOWERZ.

Muss die Plattenfirma gegenüber dem Breeze in irgendeiner weiße zurückstecken?

- Ohne das Festival könnte das Label gar nicht überleben. Entsprechend planen wir unsere Releases nach dem Summer Breeze.

Wenn man mal den Zeitraum von, sagen wir September bis schließlich zum Festival betrachtet. In welcher groben Reihenfolge arbeitet ihr das Organisatorische ab? Gibt es überhaupt so was wie eine Reihenfolge oder herrscht bei euch das „geordnete Chaos“?

- Klar gibt es ne grobe Reihenfolge, allerdings ohne genauen Zeitplan. Man arbeitet einfach drauf los und man weiß ja, was man alles machen muss.

Wie viel Zeit nimmt denn die Planung für so ein Festival täglich in Anspruch? Gibt es Phasen, bei denen es relativ gemächlich zu geht und Phasen, wo grad das Gegenteil der Fall ist?

- Im Herbst ist es natürlich etwas ruhiger, da kann man sich auch mal etwas Zeit nehmen bzw. evtl. sogar ein paar Tage. Anfang Januar merkt man dann schon, dass es etwas anzieht und ab ca. Mai/Juni sind es täglich deutlich über 10 Stunden und meistens 7 Tage die Woche!

Was für eine Aufgabe hast du während der Festivaltage? Sitzt du irgendwo als „Master of puppets“ und ziehst eifrig die Fäden?

- Kann man so sagen. Man koordiniert und versucht evtl. auftretende Probleme schnell zu lösen.

Wenn du Securitys, Ton- und Lichttechnik, Leuts an der Kasse, Kontrollen, Helfer etc. alle zusammenzählst. Wie viele Helfer sind nötig, um das Summer Breeze durch zu führen?

- Ich würde mal sagen, dass rund 400 Leute im Einsatz sind, um die Durchführung reibungslos zu gewährleisten. Hinzu kommen noch die ganzen Getränkestände, Food- und Non Foodstände, Rotes Kreuz, Feuerwehr und die ganzen Leute im Hintergrund von der Stadt, die Bauern oder der Polizei. Alles in allem wahrscheinlich über 1.000 Personen

Wie ist denn nach neun Jahren die Beziehung zu den Sponsoren, den Cateringfirmen, den Securityfirmen, den Bands usw.?

- Es gibt einige mit denen wir schon sehr lang zusammenarbeiten, in manchen Bereichen gibt es aber auch immer wieder Wechsel! Bei den Bands ist es eher so, dass wir zu den Bands bzw. Musikern, die in den Anfängen schon dabei waren ein besonders gutes Verhältnis haben. Ansonsten eher noch mit den kleineren Bands, mit denen man im Vorfeld direkt Kontakt hatte. Bei den meisten Bands geht es ja alles über eine Agentur und vor Ort hat man nur wenig Kontakt zu den Bands.

Wie ist denn das Verhältnis der Festivalveranstalter unter einander? Eher Konkurrenzdenken vorhanden oder eher Freundschaft? Holt ihr euch von anderen Veranstaltern hin und wieder Rat oder welche bei euch?

- Das ist von Fall zu Fall verschieden. Wir selbst haben kein Konkurrenzdenken und kommen mit den Leuten vom Up From The Ground, Wacken, Taubertal, Bang Your Head, PartySan und With Full Force sehr gut klar. Ansonsten haben wir noch zu sehr vielen kleineren Festivals hier im Umkreis nen sehr guten Draht! Eigentlich gibt es nur wenige die da quer schießen und das ist dann eben deren Sache!

Bis 2005 war das Summer Breeze in Abtsgmünd ansässig. Leider steht dort das Festivalgelände nicht mehr zur Verfügung. Was ist der Grund und was hast du gedacht als du erfahren hast, dass das Festival in Abtsgmünd nicht mehr stattfinden kann? Hattest du Angst, dass das Festival womöglich ins Wasser fällt?

- In Abtsgmünd hätten wir in diesem Jahr 2-3 Campingareas gehabt, da nur ein Teil des bisherigen Campinggeländes zur Verfügung gestanden hätte (auf der einen Hälfte entsteht ein Wohngebiet). Auch Tagesparkplatz und VIP Camping und Parken hätten verlagert werden müssen. Zudem wäre alles sehr weit auseinander gezogen worden. Was viel mehr Bauzaun und vor allem viel mehr Security bedeutet hätte und was auf dem Gelände nicht zu erwirtschaften gewesen wäre! Wir hatten neben Dinkelsbühl noch ne weitere Alternative, aber die Entscheidung in DKB war dennoch im letzten Moment. 10 Tage später hätten wir alles abgeblasen!

Die Suche nach einem neuen Gelände hat sich dann doch etwas hingezogen. Wie kam denn letzten Endes der Kontakt nach Dinkelsbühl zustande? Wo seid ihr dort als erstes hingegangen? Zu erst zum Aeroclub oder zur Stadt? Und wie waren denn die Reaktionen von den beiden Parteien als ihr dort angeklopft habt? Habt ihr da irgendwelche Rückendeckung aus dem Abtsgmünder Rathaus bekommen, sozusagen als gute Referenz?

- Wir sind auf einer Seite mit sämtlichen Flughäfen, -plätzen und –feldern auf den Aeroclub in DKB gestoßen. Herr Thormeyer vom Aeroclub war gleich auf unsrer Seite und hat die ersten Schritte in die Wege geleitet. Nach einigen Telefonaten sowie einem Treffen und einer Platzbesichtigung mit dem Aeroclub kam es ziemlich schnell zum Treffen mit der Stadt. Vor allem der Oberbürgermsiter Dr. Hammer hat sich mächtig für uns ins Zeug gelegt. Eine Woche später hatten wir das Treffen mit den Landwirten und da haben wir alles fix gemacht! Auch die Gemeinde Abtsgmünd hat uns mit guten Referenzen geholfen, dass es in DKB geklappt hat.

Mit dem neuen Gelände in Dinkelsbühl habt ihr ein Gelände das um einiges größer ist als das in Abtsgmünd. Werdet ihr, dank dieser neuen Möglichkeiten, das Summer Breeze in Zukunft noch weiter wachsen lassen? Gibt es eine Besucherzahl wo du von dir aus sagst, „bis dahin und nicht weiter“?

- Ich denke das muss man abwarten. Wir werden uns langsam an diese Grenze herantasten und dann stoppen!

Nächstes Jahr wird das Summer Breeze 10 Jahre alt. Ist hierfür schon was Besonderes in Planung oder gibt’s ein Festival wie die letzten Jahre auch? Gibt’s vielleicht Bandtechnisch ein besonderes Schmankerl?

- Natürlich soll es kein Festival wie jedes andere werden. Die Liste mit den Ideen ist lang, mal sehen was sich umsetzen lässt. Ab Oktober gibt es dazu dann regelmäßig News!

Im Gegensatz zu anderen Festivals hat das Summer Breeze eine recht große Bandbreite, was die vertretenden Genres angeht. Was denkst du dir als, wenn du mitbekommst, wie die Anhänger des einen Lagers sich über Bands des anderen Lagers aufregen oder meckern, aus dem einen Genre wären zu viele Bands aufm Billing aus dem anderen Genre kaum welche? Geht das dir mehr oder weniger am Allerwertesten vorbei?

- Es ist doch eh so, dass man sich auf so einem Festival nie alle Bands anschauen kann, daher finde ich es gut, dass es die verschiedensten Bands bei uns zu sehen gibt und so meist für jeden was dabei ist! Ich denke, dass dies auch genau die Nische für uns ist, die wir gefunden haben und nun besetzen. Zudem haben wir selbst einen sehr breiten Musikgeschmack! Wir versuchen natürlich das Programm immer ziemlich ausgeglichen zu gestalten, allerdings ist das buchen der Bands nicht immer ein Wunschkonzert und man muss schauen, was man bekommt!

Nach welchen Kriterien wählt ihr denn die Bands für die Festivals aus? Wie viele Bandbewerbungen bekommt ihr denn so grob über den Daumen gepeilt?

- Wir schauen vor allem, welche kleineren Bands sich nach oben spielen, evtl. noch eine neue CD veröffentlichen oder auch wer bei anderen Festivals gut ankam! Oder auch welche Bands eher selten zu sehen sind! Bei den größeren Bands schaut man natürlich auch drauf, wer wo eine neue CD veröffentlicht und ob so ein Schub zu erwarten ist!

Wir bekommen unzählige Demos (über 2.000 Stück), diese sind allerdings eher Interessant fürs Label, da beim Festival fast keine Bands ohne Deal spielen.

Hattet ihr schon Bands dabei, die sich mehr oder weniger wie Sau benommen haben und du dir dann gedacht hast „einmal und nie wieder“?

- Klar, fast jedes Jahr! ;o)

Viele Bands die beim SB 06 aufgetreten sind, waren ja auch in den Jahren davor des öfteren schon vertreten. Wie fanden die Musiker das neue Gelände?

- von denen, mit denen ich gesprochen habe, waren alle sehr angetan. Vor allem weil der Bandbereich weit hinter der Bühne lag, und es so sehr ruhig zuging.

Wie war die Resonanz der Fans zum neuen Gelände?

- Im Forum gab es fast ausschließlich positive Resonanz. Natürlich gab es noch die ein oder anderen Kinderkrankheiten, was aber fast klar war, nachdem wir gerade mal 4 Monate zeit hatten, um alles zu planen!

Habt ihr auch schon was von der Dinkelsbühler und Sinbronner Bevölkerung gehört?

- Nachdem es vor dem Festival noch viele skeptische Stimmen gab, sind diese mittlerweile fast alle verstummt. Die meisten haben sich zudem persönlich von der friedlichen Atmosphäre überzeugt.

Gibt es denn irgendetwas was dieses Jahr gewaltig schief gelaufen ist? Gab es irgendwelche Pannen oder war alles so weit in Ordnung?

- Einige Securities haben etwas auf eigene Faust gehandelt, weshalb es hier und da zu schlechter Stimmung kam. Ansonsten sind es viele Kleinigkeiten, die sich leicht beheben lassen.

Wie würdest du die Stimmung vom diesjährigen Breeze bezeichnen? Gibt es etwas, was besonders in Erinnerung geblieben ist? Wie z.B. „Bambi“? Ich selbst hatte den Eindruck, dass das Festival sehr friedlich war. Habt ihr was gegenteiliges gehört oder ist euch was zu Ohren gekommen?

- Bambi war Klasse. Wir haben uns danach bepisst, als wir davon gehört haben. Die Stimmung war auch in Dinkelsbühl sehr gut und alles in allem vom ganzen drum herum war alles gesitteter und noch friedlicher als die Jahre zuvor!

Gab es Zwischenfälle, bei denen Fans verletzt wurden? Beim Wacken Open Air soll es währen des Auftritts der „Apokalyptischen Reiter“ zu Knochenbrüchen gekommen sein.

- Die Nachbesprechung mit dem BRK steht noch aus, aber uns kam nichts zu Ohren!

Gibt es denn während des Festivals für dich auch mal ein paar Minuten die du dir gönnst, um bei einer Band reinzuschauen? Auf welche Band warst du denn dieses Jahr am meisten gespannt? Kommt es mal vor, dass du dich bei einer Zusage einer Band freust wie ein kleines Kind?

- Ich hatte dieses Jahr leider gar keine zeit, um mir ne Band anzuschauen. Im Vorbeilaufen habe ich Saltatio Mortis, Lumsk, Thyrfing und Gamma Ray eher zufällig gesehen. Dies hatte ich zwar anders geplant, aber was soll’s!

Natürlich freut man sich bei manchen Band extrem, wenn dann nach langen Verhandlungen endlich die Zusage kommt!

Apropos Kind. Was hältst du davon, dass doch einige Metalheads mit Kind und Kegel aufs Breeze kommen? Gibt es für die kleinen Racker spezielle „Einrichtungen“ oder Programme auf dem Breeze?

- Solange darauf geachtet wird, dass die Kids entsprechenden Gehörschutz tragen, finde ich das super! Spezielle Einrichtungen gibt es noch nicht, dazu sind es noch zu wenig. Mal sehen was die Zukunft bringt!

Wie viele Besucher hattet ihr denn dieses Jahr auf dem Breeze? Was geht da in einem vor, wenn man hört das so und so viele Tausend Fans auf „seinem“ Festival zu besuch waren?

- Wir hatten alles in allem rund 12.000 Besucher. Zwar etwas weniger als 2005, aber aufgrund des kurzen Vorlaufs, der WM und vor allem des Geländewechsels ist dies vollkommen OK! Wenn man sich das so überlegt, ist dies natürlich ein geniales Gefühl, wenn sich so viele Menschen für Deine Sache begeistern können!

Wie wichtig ist denn für dich das „familiäre“ Flair, dass das Summer Breeze besitzt? Könntest du dir ein Summer Breeze wie das Wacken 2006 vorstellen mit über 60.000 Leuten und einem, meiner Meinung nach aufgrund der Übergröße, total anonymen Charakter?

- Das familiäre Flair ist uns extrem wichtig, da dies das Summer Breeze zu dem macht, was es ist. Wir hatten auch in diesem Jahr die Tickets von Anfang an auf 15.000 Stück limitiert.

Achim, wir bedanken uns zum einen für dieses Interview und zum anderen für eines der besten Festivals im Lande. Die berühmten letzten Worte gehören dir.

- Vielen Dank für Euren Support! Ansonsten möchte ich mich nochmals bei allen Besuchern für die friedliche Stimmung, das viele Lob und die vielen Anregungen bedanken. Ich hoffe man sieht sich bei unserem Jubiläum 2007 in DKB!