Zabbaduschder Open Air Part VII
Urbach bei Stuttgart

Für Fans der härteren Gangart hat sich das Zabbaduschder in den letzten Jahren zu einem kleinen alljährlich wiederkehrendem Ritual entwickelt. Bands aus den Bereichen Death, Thrash und Black Metal und – leider – auch dem Metalcore geben sich hier an zwei Tagen die Klinke in die Hand und heizen den Fans Jahr für Jahr ordentlich ein. Neben den Headlinern HATESPHERE, SINISTER und EVOCATION gab es mit TYR auch einen wahren Exoten im Billing des diesjährigen Zabbaduschder Open Airs. Aber Schluss jetzt mit dem vielen um den heißen Brei Geschwafel.

FREITAG

Das Festival wurde von der Band SPIRIT OF THE FUTURE SUN eingeleitet, die einen sehr corigen, modernen und derzeit trendigen Metalsound präsentierte, der den aktuellen Zeitgeist hervorragend widerspiegelte. Die Jungs waren sehr guter Stimmung und legten einen sauberen Opener hin, der stellenweise an Papa Roach erinnerte; allerdings klang alles doch sehr „zahm“, zumindest für einen Extrem-Metaller.

Die aus Schorndorf stammenden LAMAGRA vermochten dann den Metallern eine härtere Brise ins Gesicht zu föhnen. Die Jungs kamen beim Publikum sehr gut an, überzeugten mit einem makellosen Gig und konnten für die ersten Kopfschüttler sorgen. Lag wohl mit unter an dem Heimvorteil, den die Truppe zu verbuchen hatte. Überzeugender Mix aus Death und Thrash Metal, der vor allem durch den variablen Gesang auffiel. Ansonsten kann man die Musik fast als gängige „Massenware“ im Death Thrash Bereich abstempeln. Aber dennoch wusste die Musik zu gefallen. Und das ist doch die Hauptsache.

Nun waren die Death-Metaller von SORE an der Reihe, bei denen es auch gleich mal Freibier mit Bandlogo anstatt üblichem Etikett gab. Chefgrunzer „Goreminister“ war zudem mit seiner „Hannibal Lecter“-Maske ein optischer Blickfang. War es vor dem Auftritt noch eher ruhig vor der Bühne füllte sich mit jedem Song (die sich von der Länge her meist kurz bis „mittellang“ präsentierten) das Zuschauerfeld. Die Riffs fielen uns als sehr eingängig auf, lediglich war der Klang nicht immer einwandfrei, was man der Band aber wohl nicht anlasten kann – so ist es eben live.

Eigentlich hätten an dieser Position gar nicht HACKNEYED spielen sollen, doch da die Österreicher von Inzest leider ausfielen wurde mit dieser sehr jungen Band ein absolut würdiger Ersatz gefunden. Der Platz vor der Bühne füllte sich immer mehr mit feierwütigen Metalheads, die zusehends von den arschtretenden Stücken angelockt wurden und dann die Band gebührend abfeierten. Sehr bemerkenswert hierbei ist, dass die Truppe im Schnitt gerade mal 16 Jahre alt ist und ihre Mucke schon jetzt mehr Eier in der Hose hat als dubiose andere Truppen die seit 20 Jahren in ihren Proberäumen herumtümpeln.

Gerngesehene Gäste auf dem Zabbaduschder sind immer wieder Bands aus dem benachbarten Helvetien. So hatten dieses Jahr die Eidgenossen von SHADOW’S FAR die Ehre auf dem Zabbaduschder Open Air aufzutreten. Brachialer Thrash Metal boten die Jungs und heizten den Metalheads noch zusätzlich ein. Als ob man net von oben schon genug gebrutzelt werden würde.

Aus Coburg reisten VARG heran, die dieses Jahr mit ihrem Pagan Black Metal schon so einiges an Festivals unsicher gemacht haben – und diese Erfahrung merkte man den Musikern auch an, denn der Auftritt war fehlerfrei und überzeugend. Optisch gab es Kriegsbemalung und (Kunst-)Blut und es wurde eine heidnische Hymne nach der Anderen geschmettert. Vor allem die Schwarzmetallanhänger kamen hier auf ihre Kosten.

DESTINITY aus Frankreich waren nun an der Reihe und durften ihren Death Thrash Metal vor dem Publikum präsentieren. Und man muss echt sagen: „Verdammt starker Gig“. Liveerfahrung ohne Ende machte sich hier mehr als bemerkbar. Dass hier der Funke gleich auch auf die Fans übersprang, war schon selbstverständlich und so gab es auch eine kleine „Wall of Death“. Fanal zeigte sich auch der Sänger, der des öfteren auf die Absperrung zum Fotograben stieg. Als Schmankerl für die Death Thrash Anhänger gab es noch ein Dew Scented Cover, das den fulminanten Auftritt abrundete.

Zu später Stunde vor dem Headliner fanden sich – extra von den Faröer Inseln herangereist – TYR auf dem Zabbaduschder ein, um ihren heidnischen Metal zu präsentieren. Vor dem Auftritt trank die Band zur Nichtgefährdung der Darbietung keinen Alkohol – und wo manche Musiker wohl ohne Alkohol verklemmt wären, präsentierten die Jungs einen einwandfreien Auftritt mit Titeln wie „Regin Smidur“, „Sinklars Visa“, „The Old Rover“ und den Klassiker „Hail To The Hammer“. Auch wenn das Publikum nicht durchweg begeistert war konnte man wirklich nichts an der Darbietung aussetzen. Und für die Band ging es nach dem Gig ins Getümmel um mit Fans gebührend zu feiern, diesmal auch mit Alkohol.

Den Abschluss des ersten Festivaltages bildeten die Schweden EVOCATION. Und dreimal dürft ihr raten was für Musik die Herren machen. Genau. Schwedischer Death Metal. Fans von FLESHCRAWL, alten ENTOMBED oder DISMEMBER dürfte hier das Wasser im Munde zusammengelaufen sein, bei dem Brett, was die Truppe hier ablieferte. Kein Wunder, dass unzählige Festivals die Truppe aus dem hohen Norden für einen Auftritt buchen.

SAMSTAG

Für viele wurde zur Mittagszeit die Nachtruhe jäh unterbrochen. Vom Festivalgelände her schepperten die Franken von THE CRESTFALLEN. Und das hörte sich gar nicht schlecht an. Also ab aufs Festivalgelände. Und das dachten wohl doch einige, denn vor der Bühne tummelten sich immer mehr Gestalten denen der Kater von der letzten durchzechten Nacht noch quer im Gesicht stand. Mit Death Metal der schwedischen Schule der an alte AMON AMARTH und LAY DOWN ROTTEN erinnerte, bügelten die Nürnberger den Besuchern wieder ein wenig Ansehnlichkeit ins und den Kater aus dem Gesicht. Sehr kraftvoller Beginn des zweiten Festivaltages.

Mit MAY THE SILENCE FAIL hatten sich die Organisatoren des Zabbaduschder eine sehr interessante Band ins Boot geholt, was nicht zuletzt an den beiden Frontfrauen Sarina und Janina lag, die ständig in Bewegung waren, das Publikum animierten und mal mit aggressiven Growlattacken dann mit sanften Clean-Vocals zu begeistern wussten. An Talent mangelte es den Musikern wahrlich nicht, die gesamte Spielzeit wusste ohne Ausfall zu überzeugen, was sehr viele Festivalbesucher vor die Bühne lockte. Die Band war zwar als Death/Core/Metal angekündigt, doch die Core-Elemente fielen etwas vor den im Metal üblichen Klangeigenschaften zurück. Zudem glaubten wir eine gehörige Portion „Thrash“ herausgehört zu haben. Außerdem bekommt unser Oimel die beiden Frauen nicht mehr aus dem Kopf.

Die Band KIJU, welche aus Italien angereist war, präsentierte einen sehr Nu-Metal- und Core-lastigen Sound mit gelegentlichen Prisen aus dem Thrashbereich; der Schwerpunkt lag auf einem harten Rhythmus und weniger auf Melodien. Bereits beim Soundcheck wurde dem Hörer eine Coverversion vor den Latz geknallt, die zum einen sehr bekannt ist und des weiteren auch am Ende der Setlist noch in voller Länge zum Besten gegeben wurde: „Roots, Bloody Roots“ von Sepultura. Vorgenannte Band scheint wohl auch eine Inspirationsquelle für die fünf Musiker zu sein, da sich nicht selten einige Ähnlichkeiten im Klanggewand blicken ließen. Ein Lied wurde auch Jenna Jameson – ihrerseits Pornostar – gewidmet. Shouter „Vitto“ gab auf der Bühne alles doch ohne Ausfall oder jemals zu schwächeln was sehr positiv auffiel.

Es gab Nebel. Viel Nebel. AKRIVAL boten viel von diesem Showeffekt der jedoch leider zu dieser Tageszeit nicht sehr überwältigend wirkte. Männliche Festivalbesucher freuten sich über eine Musikerin die auf der Bühne den E-Bass bearbeitete. Die Musik selbst präsentierte sich eher aggressiv und breakreich, wobei Zweiteres nicht zuletzt an der Spielweise des Schlagzeugs lag. Hin und wieder schaffte es die Band – trotz hellem Sonnenschein – eine unheimliche und mysteriöse Atmosphäre aufkommen zu lassen.

Nach AKRIVAL machten wir ein kleines Päuschen auf dem Campingplatz, um für THE VERY END dann wieder fit vor der Bühne zu sein. Doch just in dem Augenblick brach ein Wolkenbruch über das Zabbaduschderland herein. Und so nutzte man die Gelegenheit um zu „duschen“ oder um die Zeltnachbarn dabei zu beobachten wie sie ihre Zelte und Pavillons vor dem drohenden Weltuntergang retteten. Nunja, der Auftritt von THE VERY END fiel dem ganzen Schauspiel dann leider zum Opfer und so waren wir dann erst wieder bei DISPARAGED auf dem Festivalgelände.

Aus der Schweiz reisten die Deather von DISPARAGED an, welche vielen Metallern ein Begriff sein sollten. Die Band zelebrierte einen Sound, der an die Schweden von „Grave“ erinnerte und bot ein breit gefächteres Programm. So wurden Stücke von der ersten Demo gespielt als auch Songs vom neuen und noch kommendem Album „The Wrath of God“. Der Bass lieferte ein ordentlich „geschrubbtes“ Fundament, hätte jedoch etwas lauter sein können. Positiv fiel auf, dass die beiden Gitarristen gerne mal gemeinsam ins Mikro growlten. Insgesamt umschmeichelte den Hörer ein sehr druckvoller Death-Sound.

Weiter gings danach mit SILENT DECAY welche einen Klang präsentierten, der an „System Of A Down“ erinnerte und mit vielen passenden Grooves aufwartete und ordentlichen melodischen Gitarrenparts, die zu überzeugen wussten. Auch konnte sich das Stageacting der Truppe sehen lassen. Gespielt wurde unter anderem das Stück „Keep It Real“ von ihrem letzten Album „The Pain of Creation“.

Aus Brasilien kamen TORTURE SQUAD ins Zabbaduschderland gereist, um zu zeigen, dass man in Brasilien auch ordentlichen Metal spielen kann. Bei dieser Band konnte man frühe Thrash-Einflüsse von Metallica und Slayer vernehmen. Am Ende ihres Auftrittes wurde von nicht gerade wenigen, gut gestimmten Festivalbesuchern lautstark nach Zugaben verlangt und laute „Torture Squad!“-Rufe dominierten im Publikum. Auch kein Wunder, denn schließlich konnte die Truppe ohne Ausnahme ihren gesamten Auftritt über mehr als überzeugen.

Zabba-Mitveranstalter DAVIDIAN ist an sich immer Pflichtprogramm und das wurde auch an dem nun einsetzenden, massiven Publikumansturm deutlich. Wie üblich wurde der Machine Head Song „Davidian“ gespielt, der – wie man sofort bemerkt – maßgeblich an der Namensgebung der Band beteiligt war. Ordentlicher Thrash Metal zelebrierte die Truppe, die diesmal auch ihr brandneues Album „Hear Their Cries“ mit im Gepäck hatten. Es wäre gelogen wenn wir schreiben würden, dass die Stimmung bei diesem Gig nicht super war.

DEADSOIL hatten einen klar optischen Vorteil darin, das zur Spielzeit der Band die Dunkelheit langsam angekrochen kam und somit die normalen Lichteffekte ihr volles Potential ausschöpfen konnten. Treibende Gitarrenriffs dominierten den auf Headbangen ausgelegten Klang der Gruppe, der überwiegend aus modernem Thrash Metal bestand. Durch ihr Outfit könnte man die Truppe glatt zu den Posern des Festivals küren.

Auch der zweite Festivaltag und somit das Zabbaduschder 2008 neigen sich langsam dem Ende entgegen. Und so war es nun Zeit für den Co-Headliner SINISTER. Dass die Truppe aus den Niederlanden schon zu den alten Hasen gehört zeigten die Jungs auch gleich und man merkte es auch an dem Zuschauerstrom vor der Bühne. Brutal-Death-Metal wurde geboten, der so einige zum moshen und bangen einlud. Songs wie „Aggressive Measures“ oder „Enslave the Weak“ spiegeln den Sound der Truppe sehr gut wieder.

HATESPHERE aus Dänemark setzten den Schlusspunkt eines mehr als gut gelungenen Festivals. Mit ihrem modernen Thrash Death Metal konnte man zum Schluss des Festivals noch einmal ordentlich viele Metalheads vor die Bühne locken, die sich noch einmal ordentlich verausgabten. Sowohl auf der Bühne als auch im Pit vor der Bühne herrschte ausgelassene Stimmung. Nachdem hier noch einmal ordentlich der Knüppel geschwungen wurde, klang das Festival im Partyzelt aus.

Bewirtung:

Auf dem Festival gab es wieder die gewohnt günstigen Getränkepreise (1,00 Euro für ein kühles Sprudel, 1,50 Euro für 0,4 Liter Bier, Fanta oder Cola, 2,50 Euro für einen Becher Met, 2cl Jägermeister für 1,50 Euro und 2,50 Euro für 0,2 Liter Whiskey-Cola oder Wodka-Lemon) und die altbekannte Speisepalette (1,50 Euro für eine Portion Pommes, 2,00 Euro für die vegatarische Reispfanne, eine Bratwurst oder Currywurst und ein Steakbrötchen mit Zwiebeln und Senf/Ketchup für 2,50 Euro).

Dieses Jahr war es – wie die Jahre davor – wieder erlaubt einiges an eigenen Getränken mit auf das Festival zu bringen, sofern nichts davon in einem Glasbehälter transportiert wurde. So war die Wassermitnahme unbegrenzt (was aber bei Höchsttemperaturen verständlich ist) und max. fünf Liter pro Person eines anderen Getränkes (dabei war egal ob Bier, Wein, Whiskey oder Kuhsaft) wurde erlaubt. Aber so wie es aussah wurde auch bei etwas mehr Flüssignahrung gerne mal ein Auge zugedrückt. Die Mitnahme vom Campingplatz auf das Festivalgelände war jedoch untersagt.

Parkplätze:

Parkplätze gab es direkt an das Festival- und Campinggelände angrenzend auf einer Grünfläche, also musste niemand der mit dem Auto angereist war weit laufen. Vom Bahnhof aus war es allerdings doch ein guter – wenn auch nicht sehr langer – Fußmarsch zum Festivalgelände. Mit viel Gepäck hatten demnach per Bahn anreisende Metalfans es ein wenig schwerer.

Team:

Das Team erlebten wir durchgehend als sehr freundlich und hilfsbereit und die Anzahl der Helfer stellte sicher, dass der Festivalbesucher nie auf sich alleine gestellt war, falls es denn mal irgendwo haperte.

Sonstiges:

Die ersten Besucher erhielten eine von Nuclear Blast gestellte Promo-Tüte mit dem aktuellen Katalog und einer Dose Mixery mit neuer Geschmacksrichtung. Wer also früh da war bekam gar noch ein Getränk spendiert.

Ein Müllpfand in Höhe von drei Euro wurde erhoben, allerdings – wie von den meisten Festivals gewohnt – nach Rückgabe einer Mülltüte zurückgezahlt.

FAZIT:

Das Zabbaduschder war mal wieder ein vollkommener Erfolg, auch wenn für unseren Geschmack der Metalcore-Anteil etwas weniger hätte ausfallen dürfen, was auch der Abwechslung zugute gekommen wäre. Alles auf dem Festival lief reibungslos bis auf den für einige störenden, kurzen Regensturm, aber das ist höhere Macht und niemandem anzulasten!

Auf ein Zabbaduschder 2009, bei dem wir natürlich gerne wieder mit von der Partie sind!

Stefan (Oimel), Marius (Frekoe), Andreas (BG, Hrabna)

Das Sleepless-Zine grüßt: Týr, Yücel, Gunnar, GröNapf, Max, den Iren, Penisl und Herr Spongebobradio nebst weiblicher Begleitung